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17.01.2001

17:15 Uhr

Namen werden nicht genannt - Entscheidungen noch in diesem Jahr

Conti verhandelt mit Lenkungsherstellern

Der Reifenhersteller und Autozulieferer Continental verhandelt nach eigenen Angaben über mehrere Kooperationen zum Ausbau seiner Sparte Automotive Systems.

Reuters HANNOVER. Das gelte vor allem für die Entwicklung elektronischer Lenkungen, sagte der neue Conti-Vorstand und Chef der Tochter Continental Teves, Wolfgang Ziebart, der Nachrichtenagentur Reuters am Mittwoch. Der Umsatz der Automotive-Sparte sei 2000 zweistellig gewachsen. Spekulationen über ein Interesse des Industriekonzerns Thyssen-Krupp an einem Einstieg bei Continental wies Ziebart als aus seiner Sicht unbegründet zurück. Die Strategien beider Konzerne in ihren Autoaktivitäten würden nicht zusammen passen.

Der frühere BMW-Vorstand Ziebart gehört seit Oktober der Continental-Führung an und leitet den seit dem Zukauf der Tochter Teves vor gut zwei Jahren erheblich gewachsenen Bereich Automotive Systems.

Ziebart will die von Continental angestrebte Entwicklung zum Systemanbieter für elektronisch geregelte Fahrwerke vom Reifen über Bremse, Stabilitätsprogramm und Dämpfung bis hin zur Lenkung zügig vorantreiben. Handlungsbedarf gebe es bei der Dämpfung, mehr noch bei der Lenkung. "Wir schließen Zukäufe nicht aus, aber der Schwerpunkt wird sehr stark in Kooperationen liegen", sagte Ziebart. Ein Grund sei, dass die Autobauer sich langfristig auf den einen oder anderen Anbieter von Komponenten festgelegt hätten. So seien für Conti bei Lenkungen auch mehrere Kooperationen denkbar. "Wir führen mit einigen Herstellern konkrete Gespräche", sagte Ziebart. Namen wollte er nicht nennen. Entscheidungen seien aber noch in diesem Jahr denkbar.

Die Sparte Automotive Systems habe 2000 ein außerordentlich gutes Jahr hinter sich, sagte Ziebart. Nach vorläufigen Angaben habe sich die Tendenz der ersten neun Monate mit einer zweistelligen Zuwachsrate bestätigt. Der Umsatz der Sparte lag 1999 bei 2,5 Mrd. Euro. Besonders die Zahl der verkauften Elektronischen Stabilitätsprogramme sei planmäßig von 450 000 auf 1,4 Mill. Stück gestiegen. Die Zahl der Beschäftigten der Sparte sei um neun Prozent auf gut 12 300 gewachsen, die der Ingenieure in Forschung und Entwicklung auf 1 600. Für 2001 sei auch bei einer möglicherweise schwächeren Autokonjunktur in den USA mit einem deutlichen Wachstum zu rechnen, das allerdings niedriger als im vorigen Jahr ausfallen könne, sagte Ziebart.

Vom US-Markt verspricht sich Ziebart spätestens ab 2002 erhebliche Zuwächse bei elektronischen Bremsen und ESP. "Hier gibt es einen erheblichen Nachholbedarf." Bislang hätten erst 30 % der Fahrzeuge Antiblockiersysteme (ABS). Gefördert werde die Entwicklung durch jüngste Vorgaben der Nationalen Verkehrssicherheitsbehörde NHTSA (National Highway Traffic Safety Administration) zur Vermeidung von Fahrzeugüberschlägen bei Geländewagen. "Das lässt sich nur wirksam mit ESP gewährleisten", sagte Ziebart. Conti könne somit eine schwache Autokonjunktur mehr als kompensieren.

Die Strategie von Continental, als Systemanbieter ein komplettes Fahrwerk zu liefern, bedeute nicht, sämtliche Komponenten selbst herstellen zu müssen. "Wir kaufen jetzt keine Gießereien oder Schmieden. Das ist auch nicht die Richtung, in der uns die Autohersteller haben wollen", sagte Ziebart. Der Mehrwert lasse sich erst durch das intelligente Zusammenführen und das Steuern elektronischer Eingriffe in ein Fahrwerk erwirtschaften. Dabei müsse Conti auch die durchaus unterschiedlichen Strategien der Autobauer berücksichtigen. Nicht alle setzten auf Systemlieferanten, sondern weiterhin auch auf Eigenentwicklungen, nicht zuletzt, weil davon ein Markenimage abhängen könne.

Zu den Übernahmespekulationen in der Branche und bei Analysten um die Continental AG sagte Ziebart, er kenne solche Spekulationen aus den vergangenen Jahren bei BMW. Eine Allianz zwischen den Automotive-Sparten von ThyssenKrupp und Continental sehe er nicht. "Ich kann mir nicht vorstellen, dass wir in die strategische Richtung von ThyssenKrupp passen", sagte Ziebart. ThyssenKrupp-Vorstandschef Ekkehard Schulz hatte am Montag eine "größere Akquisition" in Aussicht gestellt, allerdings keine Einzelheiten genannt. Ein Interesse an Continental hatte der Düsseldorfer Konzern allerdings wiederholt dementiert.

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