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28.07.2000

17:14 Uhr

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Napster erhebt Einspruch gegen Stillegung

Eine Stillegung gefährdet die Geschäftsgrundlage Napsters und die daran gebundenen 40 Arbeitsplätze.

dpa-AFX SAN FRANCISCO. Die Betreiber der Internet-Musiktauschbörse Napster haben am Freitag bei einem amerikanischen Bezirksgericht im Eilverfahren Einspruch gegen die Stillegung ihrer Server eingelegt. Eine Stillegung gefährde die Geschäftsgrundlage Napsters und die daran gebundenen 40 Arbeitsplätze, teilte das nichtbörsennotierte Unternehmen am Freitag mit. Die Tauschbörse soll nach einer am Mittwoch verkündeten einstweiligen Verfügung um 24 Uhr Ortszeit abgeschaltet werden. Damit hatte das Gericht dem Wunsch des amerikanischen Verbands der Plattenindustrie Recording Industry Association of America (RIAA) entsprochen. Die Plattenindustrie sieht durch den kostenlosen Austausch der Musikdateien per Internet ihre Urheberrechte verletzt.

Ein Rechtsanwalt der RIAA hatte erklärt, das in jeder Minute 1.400 Musiktitel über Napster kopiert würden. Dadurch sei der Plattenindustrie ein Schaden von bisher 300 Mill. USD entstanden. Napster fungiert lediglich als Vermittler zwischen den am Napster-Server angeschlossenen Computern. Der Nutzer installiert eine Napster-Software auf seinem Rechner, die der Datenbank des Napster-Zentralcomputers mitteilt, welche Musikstücke der Nutzer im Internet anbieten. Gleichzeitig kann der Nutzer per Napster in der Datenbank nach Musikstücken auf anderen Rechnern suchen. Findet er die gewünschte Musik kann er sie sofort, ohne Umweg über den Napster-Zentralcomputer, von dem Computer des jeweiligen Anbieters beziehen. Napster hatte zuletzt von 20 Mill.. Nutzern dieses Angebots berichtet.

Nach Verkündung der einstweiligen Verfügung gegen Napster meldeten andere Musiktauschbörse im Internet einen massiven Anstieg der Nutzungszahlen. So sprang laut Branchenbeobachtern die Zahl der Neuanmeldungen beim Napster-Konkurrenten von 300 bis 800 in der Woche auf 10.000 an einem Tag. In das nichtkommerzielle Gnutella-Netz, das ohne zentrale Datenbank auskommt, haben sich nach Informationen des Informationsdienstes Zeropaid innerhalb einer Stunde 30.000 neue Nutzer eingebucht.

Sogenannte Peer-to-Peer-Systeme (P2P) wie Napster stehen unter Wagniskapitalfirmen derzeit hoch im Kurs. So haben sich an dem Napster-Konkurrenten AppleSoup der ehemalige 3COM-Vorstandsvorsitzenden Bill Krause und Brian Pinkerton, Wissenschaftsvorstand bei ExciteAtHome beteiligt. Das P2P-System Lightshare hat nach Unternehmensangaben Finanziers unter den Führungskräften von Microsoft , Netscape und Google gefunden. Im Gegensatz zu Napster sollen beide Systeme auch den Verkauf digitalisierter Musikstücke, Bücher oder von Software erlauben und über Mechanismen zur Wahrung der Urheberrechte verfügen.

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