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25.01.2001

09:50 Uhr

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Napster-Nachfolger bereiten Medienbranche Sorgen

Gelegenheit macht Diebe - und das Internet vielen Medien-Managern Kopfschmerzen. Denn dort ist die Gelegenheit groß, Musik und Videos als Dateien zu finden und sich kostenlos auf den heimischen Computer herunterzuladen.

Reuters HAMBURG. Die einen nennen das File-Sharing (Dateien-Tausch), die anderen Diebstahl geistigen Eigentums. Allein beim virtuellen Erzfeind der Musikindustrie, bei der Online-Tauschbörse Napster, sind mehr als 40 Mill. Nutzer registriert. Auf die meisten von ihnen als Kunden hofft die Bertelsmann AG, die Napster in einen Gewinn bringenden Abo-Service umwandeln will. Doch findige Programmierer entwickeln immer neue Ausweichmöglichkeiten.

Zu dem schon fast zum Klassiker avancierten Gnutella gesellen sich Websites mit exotisch klingenden Namen wie Aimster, Toadnode, Tripnosis und Filetopia. "Wenn Napster erst einmal etwas kostet, weichen die Nutzer auf Alternativen aus", sagt Christian Loeb, Technik-Experte bei der Hamburger Marktforschungsfirma MediaTransfer. Im Netz gebe es inzwischen einfach zu viele Möglichkeiten, kostenlos an Musik, Bilder und auch Filme zu kommen. Viele der neuen Sites dürften der Branche besonders große Kopfschmerzen bereiten: Sie seien einfach "ein Stück Software", für das man - anders als bei Napster - niemanden verantwortlich machen oder gar verklagen kann, sagt Loeb.

Mit seiner Tauschbörse hat sich der jugendliche Napster-Erfinder Shawn Fanning nämlich mit den Großen der Musikindustrie wie Warner Music, Universal, Sony und EMI angelegt. Sie alle wollen vor Gericht erreichen, dass Napster der Urheberrechtsverletzung schuldig gesprochen und die Website abgeschaltet wird. Die Bertelsmann Music Group (BMG) will dagegen inzwischen ihre Klage fallen lassen, sobald Napster als Abo-Service Geld einbringt.

Während der Datei-Tausch bei Napster über einen zentralen Server läuft, werden die digitalisierten Songs bei Börsen wie Gnutella aber einfach direkt von Computer zu Computer weitergereicht. Das macht Experten zufolge die Rechtslage noch komplizierter und die Verfolgung Verantwortlicher extrem schwierig.

Den Geist aus der Flasche gelassen hat Branchenkennern zufolge 1998 ein australischer Hacker: Er soll in das Netz des Fraunhofer-Instituts im bayerischen Erlangen eingedrungen sein und sich dort das Komprimierungsprogramm MP3 besorgt (Branchenjargon: "gezogen") haben. So kam es zur massenhaften Verbreitung von MP3, das schon 1993 in Erlangen entwickelt worden war. An US-Unternehmen wie Napster und MP3.com lizenzierte das Institut einige Jahre später das Programm, das die Datenmengen vor allem von Musikstücken auf eine brauchbare Übertragungsgröße reduziert.

Inzwischen haben die Computer-Experten in Erlangen ein Nachfolge-Programm entwickelt: Das Advanced Audio Coding (AAC) biete eine noch stärkere Komprimierung und damit auch schnellere Übertragung, sagt Martin Weishart, MP3-Experte beim Fraunhofer-Institut. Doch auch andere Entwickler basteln an einem neuen Format, das den Namen MP3pro tragen soll. "Jedes neue MP3 wird bestimmt stärker unter Verschluss gehalten", sagt Weishart. So einfach zugänglich für jeden Nutzer werde es sicher nicht mehr sein.

Doch selbst dann hat die Medienindustrie das Internet längst noch nicht gebändigt. P2P heißt weiterhin das Kürzel, das bei Gewinn orientierten Managern Panik auslösen dürfte: Es steht für "Peer-to-Peer" und bedeutet die Vernetzung Gleichgesinnter, die über das Internet austauschen können, was immer der neueste High-Tech-Standard ermöglicht. So könnten schon bald auf die Filmindustrie Probleme mit Napster-Ausmaß zukommen.

Zwar ist schon jetzt das Herunterladen von Videos aus dem Internet möglich. Die Filme sind aber eher ruckelnde Filmchen, weil die konventionellen Übertragungswege nicht mehr hergeben. Doch bei der anstehenden Verbreitung von Breitbandkabeln könnte sich das bald ändern. DivX könnten dann die Formel sein, die für sparsame Kino-Fans das Paradies und für die Film-Industrie die Hölle bedeutet. Mit dem Programm DivX ist es nämlich möglich, einen ganzen Film in relativ guter Qualität auf einer CD-ROM unterzubringen. Bei einer Umfrage zeigten sich kürzlich 58 % der Internet-Nutzer in Deutschland interessiert an einer DivX-Film-Tauschbörse im Stil von Napster.

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