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29.01.2001

19:00 Uhr

Nasdaq ist überkauft

Den High-Tech-Werten geht erst einmal die Puste aus

VonUlf Sommer

Die rasante Aufwärtsbewegung an der amerikanischen Börse Nasdaq ist nach Meinung der Charttechniker erst einmal beendet. Nun steht eine Phase der Konsolidierung an, meinen die Analysten. Dabei werden im schlimmsten Fall noch einmal die alten Tiefstände getestet.

HB DÜSSELDORF. Gut 25 % hat die Wachstumsbörse seit dem 3. Januar zugelegt. Das ist ein stattliches Plus, andererseits aber nur ein bescheidener Zuwachs nach dem vorangegangenen Absturz. 60 % betrug das Minus seit März 2000. Um dieses Niveau wieder zu erreichen wäre ein Plus von mehr als 130 % nötig. Danach sieht es im Moment aber weder charttechnisch noch fundamental aus.

Ausgelöst wurde die jüngste Rally nach dem Ansatz einer Bodenbildung: Als Anleger feststellten, dass neue Tiefs nicht mehr unter den alten lagen, stieg die Kaufbereitschaft rasant an. Weil niemand den Zug verpassen wollte, sprangen die Kurse an.

Das Chartbild zeigt die Entwicklung wie im Lehrbuch: Der Phase des Anstiegs (weiße Kerzen signalisieren, dass die Schlusskurse höher als zur Eröffnung sind) ging große Unsicherheit voraus. Sie ist gekennzeichnet durch kleine schwarze Kerzen (Schlusskurse unter den Eröffnungskursen) mit langen Dochten und Lunten (hohe Kursausschläge im Handelsverlauf). Hohe Kurssausschläge signalisieren Nervosität, aber auch, dass Anleger bei niedrigen Kursen mehrheitlich Aktien "einsammeln".

Rasch bildete sich im Bereich zwischen 2 250 und 2 400 Punkten eine Unterstützungszone, die nicht mehr unterschritten wurde. Mitte Januar brach der Nasdaq-Index dann aus dem mittelfristigen Abwärtstrend nach oben aus.

"Der Freitag gab ein gutes Bild. Der Index fiel zunächst, drehte dann aber kräftig nach oben, als er auf breite Unterstützung stieß", meint Frederik Altmann von Hornblower Fischer. "Auf dem weiteren Weg nach oben wird es schwierig" dämpft der Techniker die Euphorie. Der Bereich um die 3 000 Punkte sei eine psychologische Barriere und ein Widerstand. Dieser ergibt sich aus den Tiefs im Mai/Juni und September/Oktober sowie dem Hoch im Dezember. "Die 3000er Marke haben wir nicht einmal getestet, und der Markt ist kurzfristig überkauft", ist Michael Riesner von der DG-Bank für die nahe Zukunft skeptisch.

Bedenklich stimmt die Charttechniker die gute Stimmung am Markt. Zu schnell habe sich der Eindruck durchgesetzt, Nasdaq-Titel seien nach der Talfahrt wieder günstig bewertet. Hintergrund ist der Gedanke, dass eine Trendwende nur eingeleitet wird, wenn niemand mehr etwas von High-Tech-Titeln wissen möchte und demzufolge kaum noch jemand in sie investiert ist.

Die technische Zunft geht mehrheitlich davon aus, dass der Nasdaq-Index wieder in den mittelfristigen Abwärtstrend zurückfallen wird. Riesner: "Die alten Tiefstände können noch einmal getestet werden und damit die Bodenbildung verstärken." Diese ist Voraussetzung für eine nachhaltige Trendwende. Und die ist trotz des kräftigen Anstiegs im Januar immer noch in weiter Ferne. Denn erst wenn der im März eingeleitete Abwärtstrend gebrochen ist, sprechen Charttechniker von der Wende. Derzeit verläuft die Linie bei gut 3 600 Punkten. "Die Rückgänge, die jetzt kommen, sind Kaufkurse", gewinnt Riesner seinem Pessimismus eine positive Seite ab. Denn für das Frühjahr ist der Charttechniker optimistisch: "Wir sind im letzten Teil des Bärenmarkt-Zyklus? angekommen. Danach haben wir freie Fahrt nach oben."

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