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30.01.2003

06:00 Uhr

NAVIGATOR

Feindliche Übernahme

VonJoachim Klewes (Leiter der PR-Agentur komm.passion)

Der drohende Irak-Krieg ist grausam und bitter. Grausam, weil wegen eines außer Kontrolle geratenen Diktators und wirtschaftlicher Interessen unschuldige Menschenleben geopfert werden. Bitter, weil die US-Regierung den Krieg militärisch gewinnen wird, ihn jedoch in der öffentlichen Meinung schon verloren hat.

In einer aktuellen internationalen Umfrage unter mehreren hundert PR-Profis kommt die Öffentlichkeitsarbeit der Bush- Administration schlecht weg: Quellen wie Medien, regierungsunabhängige Organisationen oder die UNO gelten als deutlich glaubwürdiger. Kein Wunder: Bushs PR-Krieger machen den gleichen Fehler wie Konzernbosse bei erfolglosen Firmenübernahmen. Sie haben es trotz großer Anstrengungen nicht vermocht, das "mittlere Management" des ölreichen "Übernahmeziels" mit Visionen für die Zeit nach dem Krieg zu faszinieren.

Und trotz aller handwerklichen Perfektion ihrer Kommunikationsmaschinerie kommen die Belege für die Verbalattacken bisher zu kurz: Es gelang nicht, dem "Markt" (also der Weltöffentlichkeit) den Nutzen der "feindlichen Übernahme" zu vermitteln. In der Wirtschaft sind solche Schlachten gegen den Markt unbezahlbar, weil Markenkapital vernichtet wird. In der Politik ist der Kampf gegen die herrschende Moral unbezahlbar, weil Amerikas Glaubwürdigkeit auch vor dem eigenen Volk und seinen Verbündeten auf dem Spiel steht. Dieser Konflikt wird mit Menschenleben und Wohlstandsverlust bezahlt werden - rund um den Globus. Und mit der Reputation Amerikas, deren Restaurierung Jahrzehnte dauern könnte.

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