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08.01.2003

07:56 Uhr

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Verkappte Nachrichten

VonMichael H. Spreng (Medienberater)

Die Nachricht war prominent und groß aufgemacht, sie kam in der ZDF-Nachrichtensendung "heute" noch vor den Siegern der Vier-Schanzen-Tournee: Napoleon ist tot, sein Leben wurde verfilmt - als Vierteiler fürs ZDF.

Michael H. Spreng

Der Beitrag war fast länger als der Bericht vom Dreikönigstreffen der FDP, es gab auch ein Kurzinterview, in dem Gerard Depardieu begründete, warum er nicht den Napoleon gespielt hat ("zu groß").

Mit diesem Beitrag in der Flagschiffsendung der ZDF-Nachrichtenedaktion hat endgültig ein Trend die öffentlich-rechtlichen Sender erreicht, der bei den Privaten schon ein alter Hut ist: Programmtrailer als verkappte Nachricht, Eigenwerbung als News. RTL hat darin schon lange große Virtuosität erreicht. Es fing an mit täglichen Scheinnachrichten zur Formel 1 und gipfelt darin, dass die Sendung "Deutschland sucht den Superstar" immer wieder zum Thema nicht nur der Hauptnachrichten gemacht wird, sondern in der ganzen Kette von "Punkt 12" über "Exclusiv" und "Explosiv" auftaucht.

Realität und Fiktion - die Grenzen im Fernsehen werden fließend. Nur die "Tagesschau" ziert sich noch. Außer nachrichtlich meist unmotivierten Hinweisen auf die Christiansen-Sendung hält sich die ARD zurück. Wie aber wäre es, einmal einen toten Fabrikanten aus dem "Tatort" in der "Tagesschau" zu melden? Die Zuschauer könnten dann raten, welche Toten echt und welche nur Programmankündigung sind.

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