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09.01.2003

07:05 Uhr

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ZDF im Historienfieber

VonHans-Peter Siebenhaar

Das ZDF hat noch Geld. Für 6,85 Mill. Euro produzierte die Bavaria Film den Herz zerreißenden Zweiteiler "Trenck - Zwei Herzen gegen die Krone". Die Kosten der bisher teuersten Historienproduktion des deutschen Fernsehens trägt der Mainzer Sender zur Hälfte.

Das opulente Drama um den preußischen Haudegen und Frauenhelden Trenck - gespielt von Ben Becker - soll dem ZDF im Februar erneut zu Rekordquoten verhelfen. Geradezu euphorisch reagiert der Sender auf dem Mainzer Lerchenberg auf die Erfolge der Verfilmung geschichtlicher Stoffe: Fast neun Millionen Zuschauer gab es zum Auftakt des Vierteilers "Napoleon" am Montagabend. Nach Monaten quälender Budget- und Personaldiskussionen dürfen die Mainzer endlich wieder als Publikumsliebling glänzen. Die 5 Mill. Euro für 360 Minuten TV-Gigantismus erscheinen den Beteiligten daher nicht einmal teuer. ZDF-Intendant Markus Schächter - ehemals selbst Programmdirektor - setzt im hart umkämpften deutschen TV-Markt auf große Filmevents.

Kein Wunder, denn das ZDF kann Jahr für Jahr die stattliche Summe von 385 Mill. Euro an Gebührengeldern allein für fiktionale Programme ausgeben. Gerade im ereignisarmen Fernsehjahr (keine WM, keine Olympischen Spiele) könnte das ZDF von dieser Strategie profitieren und die "Schallmauer" von 14 % Sehbeteiligung im Jahresdurchschnitt überspringen. Schließlich kann die private Konkurrenz bei teuren Filmen immer weniger mithalten. In Zeiten rückläufiger Werbeeinnahmen dreht Marktführer RTL schon lange jeden Euro zweimal um. Und der Berliner Konkurrent Sat 1, früher noch großzügiger Produzent ehrgeiziger Streifen wie "Der Tunnel", streicht die Liste riskanter Projekte zusammen. Gute Zeiten für Öffentlich-Rechtliche, schlechte Zeiten für Private.

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