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03.01.2003

08:56 Uhr

Neef soll zurückkommen

Um Pixelpark tobt ein Machtkampf

VonVanessa Liertz und Petra Schäfer (Handelsblatt)

Um die Führung der krisengeschüttelten Pixelpark AG tobt ein Machtkampf. Hauptakteure sind der vor kurzem gefeuerte Pixelpark-Gründer und ehemalige Vorstand Paulus Neef, die neuen Pixelpark-Großaktionäre Wolf-Dieter Gramatke und Axel Fischer sowie der neue Pixelpark-Vorstand Jürgen Richter.

BERLIN. Während die neue Führung laut Informationen aus Pixelpark-Kreisen über strafrechtliche Schritte gegen Neef sowie andere Mitglieder des früheren Managements wegen Untreue nachdenkt, versuchen dagegen Gramatke und Fischer, Neef zurück ins Management zu holen, nachdem es diesem vor wenigen Tagen gelang, einen vom Medienkonzern Bertelsmann gehaltenen Anteil von 40 % an Pixelpark zu verkaufen. Den Auftrag zum Verkauf hatte Bertelsmann Neef vor einigen Wochen erteilt.

Gramatke ist Medienmanager und ehemaliger Leiter des Musikunternehmens Universal, Fischer wiederum ist Gründer und Eigentümer des Potsdamer Multimedia Mediacs AG. -Unternehmens Beide halten jetzt je 20,1 % an Pixelpark. Über den Preis wollte Fischer sich nicht äußern. Dem Vernehmen nach handelt es sich um eine höhere Summe als den in Medienberichten genannten symbolischen Betrag von 1 Euro.

Fischer und Gramatke werden dem Lager des Pixelpark-Gründers Neef zugeschrieben, den der Aufsichtsrat kurz vor Weihnachten fristlos entlassen hatte. Fischer sprach von einer "ungerechtfertigten Demontage der Internet-Ikone Neef". Er sagte weiter, "wir sind aber an einer konstruktiven Lösung für Pixelpark interessiert und suchen damit auch mit Herrn Richter das Gespräch". Gramatke hatte vor wenigen Tagen den "abrupten" Vorstandswechsel kritisiert und den Aufsichtsrat vor Schadenersatzforderungen und "gegebenenfalls Klagen" gewarnt.

Richter selbst war für eine Stellungnahme nicht zu erreichen. Wie es hieß, will der neue Pixelpark-Vorstandschef am kommenden Montag den Betriebsrat über seine Pläne für das Unternehmen informieren.

Tiefrote Zahlen bei der Agentur

Der Bertelsmann-Manager war erst kurz vor Weihnachten als Alleinvorstand bei der Multimedia-Agentur eingestiegen, die noch im Jahr 2000 als Pionier der IT-Dienstleister gefeiert wurde, mittlerweile aber ums Überleben kämpft. Immerhin hatte ihr die Unternehmensberatung Roland Berger vor kurzem die Sanierungsfähigkeit attestiert. Nach einer außerordentlichen Sitzung vor Weihnachten hatte der Aufsichtsrat beschlossen, Alleinvorstand Neef zu entlassen und Richter als Nachfolger ins Unternehmen zu holen. Der Schritt überraschte, hatte doch Richter erst im November seinen Posten als Aufsichtsratsvorsitzender bei Pixelpark nach einem knapp einjährigen Intermezzo mit zahlreichen Aufsichtsratssitzungen niedergelegt. Aus Bertelsmann - Kreisen heißt es, Uneinigkeiten mit Gütersloh über die Verkaufsstrategie hätten Richter dazu bewogen, aufzugeben. Eine Sprecherin von Bertelsmann sagte dem Handelsblatt, ihr Unternehmen habe mit dem jüngsten Einstieg von Richter nichts mehr zu tun, schließlich sitze in dem dreiköpfigen Pixelpark-Aufsichtsrat kein Bertelsmann-Abgesandter mehr. Die Gütersloher haben in die Agentur, die seit Monaten schrumpfende Umsätze und tiefrote Zahlen verbucht, mehr als 58 Mill. Euro investiert.

Der Aufsichtsrat sieht jetzt eine Möglichkeit, den Vorwurf der Untreue zu erheben. Anlass ist ein rund 200 Seiten langer Prüfungsbericht der Düsseldorfer Anwaltskanzlei Heuking, Kühn, Lüer und Wojtek. Dieser untersucht auch den Kauf einer Pixelpark - Tochter, die damals dem Vater von Neefs Lebensgefährtin gehört hatte. Der Bericht kommt zu dem Schluss, Neef habe dafür einen überhöhten Preis gezahlt. Im Lager der Neef-Fraktion wies man aber darauf hin, dass der bei dem Bericht federführende Dieter Bohnert seit Jahren als Anwalt für Richter tätig sei.

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