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25.01.2001

20:48 Uhr

Nemax gibt deutlich nach

Dax beendet ruhigen Handel fester

Der deutsche Aktienmarkt hat am Donnerstagnachmittag auf Aussagen des US-Notenbankchefs Alan Greenspan vor dem Haushaltsausschuss im US-Senat Händlern zufolge kaum reagiert. Der Deutsche Aktienindex (Dax) beendete den Donnerstagshandel mit einem Plus von 0,31 Prozent bei 6727 Punkten.

Reuters FRANKFURT. Der deutsche Aktienmarkt hat am Donnerstagnachmittag auf Aussagen des US-Notenbankchefs Alan Greenspan vor dem Haushaltsausschuss im US-Senat Händlern zufolge kaum reagiert. Die Äußerung Greenspans, dass mögliche Steuersenkungen der abflauenden US-Wirtschaft nicht schaden würden, hätten die deutschen Standardwerte unbeeindruckt gelassen, hieß es. Der Deutsche Aktienindex (Dax) beendete den Donnerstagshandel mit einem Plus von 0,31 Prozent bei 6 727 Punkten. Ein Frankfurter Aktienhändler sagte, der Markt habe auf konkrete Aussagen über die Höhe des erwarteten Zinsschritts gehofft, doch Greenspan habe sich auf die Zinsdiskussion nicht eingelassen.

Hinweise auf eine deutliche Zinssenkung könnten Analysten zufolge die Aktienmärkte beflügeln. "25 Basispunkte werden den Markt wohl enttäuschen, da eine Senkung um 50 Basispunkte schon eingepreist ist", sagte ein Händler.

Die internationalen Aktienmärkte warteten Beobachtern zufolge gespannter als sonst auf den Auftritt des US-Notenbankpräsidenten vor dem Senatsausschuss. Denn diesmal fand die Anhörung Greenspans nur wenige Tage vor der Sitzung des geldpolitischen Offenmarktausschusses der Fed am 30. und 31. Januar statt.

Bis zum späten Nachmittag hatte sich der Markt im Vorfeld der Rede Greenspans bei geringen Umsätzen freundlich präsentiert. "Heute ist nichts Besonderes am Markt los, alle warten auf die Greenspan-Rede", sagte ein Händler.

Kursbewegungen würden durch einzelne Unternehmensmeldungen ausgelöst, sagte Jason Forde, Fondsmanager bei Maintrust in Frankfurt. Auf der Gewinnerseite standen größtenteils defensive Werte, wie MAN, die sich um 4 % verteuerten, Thyssen-Krupp, die um 1,8 % zulegten, und Linde mit einem Kursplus von 3,5 %. "Da stehen einzelne Nachrichten dahinter, und zudem haben die Aktien Aufholpotenzial. Es ist keinesfalls so, dass sich der Markt dem defensiven Sektor zuwendet", fügte Forde hinzu. "Den Tech-Aktien wird weiterhin die größte Aufmerksamkeit geschenkt werden", sagte er weiter.

Der Neue Markt rutschte am späten Nachmittag stärker in die Verlustzone und folgte damit Händlern zufolge seinem gleichfalls nachgebenden US-Vorbild Nasdaq. Der Nemax-50-Index schloss über 2 % leichter auf 2 848 Zählern. Der alle Werte des Segments umfassende Nemax-All-Share gab 1,37 % auf 2851 Punkte ab. Händlern zufolge ist das Minus an der amerikanischen Technologiebörse auf Kursabschläge bei dem Glasfaserhersteller Corning zurück zu führen. Der Konzern hatte zuvor vor einer Abschwächung des Telekommunikationssektors gewarnt. Bei Börsenschluss in Frankfurt notierte der Dow-Jones-Index mit 0,9 % im Plus, die Nasdaq gab 2,8 Prozent ab.

Unter den deutschen Blue Chips verbuchten die Aktien des Softwareherstellers SAP erneut Gewinne. Die Aktie schloss um 2,9 % fester auf 203,40 Euro zu. "Das Papier hat charttechnisch gesehen einen Widerstand bei 200 Euro nach oben durchbrochen", sagte ein Händler. Außerdem versuchten einige Investoren, deren Optionen auf den Wert verfielen, das Papier nach oben zu drücken.

Größter Verlierer im Dax war die Aktie des Halbleiterherstellers Infineon, die nach Bekanntgabe von Geschäftszahlen des französisch-italienischen Chipherstellers STMicroelectronics unter Druck geraten war. Infineon verbuchten einen Abschlag von 3,2 % auf 45,88 Euro. Zwar sind die Zahlen für das vierte Quartal bei STMicroelectronics Börsianern zufolge im Rahmen der Erwartungen ausgefallen. "Der Ausblick ist aber nicht so rosig", sagte ein Händler. "Das drückt den Infineon-Kurs." Die Titel von Thyssen Krupp schlossen 1,8 % fester. Zuvor hatte der japanische Stahlhersteller NKK mitgeteilt, sich in Gesprächen mit Thyssen über eine mögliche Ausweitung ihrer bestehenden Allianz zu befinden. Thyssen teilte mit, derzeit kein Interesse an einer Beteiligung bei NKK zu haben.

Am Neuen Markt standen die Titel von Letsbuyit.com erneut im Rampenlicht. Der Aktienkurs des Internet-Händlers hatte in der Spitze um über 230 % zugelegt, nachdem der Internet-Händler einen Konkurs vorerst abwehren konnte und einen Groß-Investor präsentierte. Der Titel schloss mit einem Aufschlag von 200 % bei 72 Cents. Unterschiedlich bewerteten Börsianer jedoch die Erfolgsaussichten für das Unternehmen. "Es glaubt kein Mensch an eine Rettung", sagte ein Händler. Derzeit seien "reine Zocker" am Markt. Mit mehr als 53 Millionen umgesetzten Stücken war die Aktie das meist gehandelte Papier im Xetra-Handel. "Totgesagte leben länger", sagte ein anderer Börsianer. Wenn sich die Meldung über einen Investor bewahrheite, könne die Aktie weiter steigen. Der MDax beendete die Sitzung 1,2 % fester bei 4752 Zählern.

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