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16.01.2003

11:40 Uhr

Nervosität hinter den Kulissen

London begrüßt EU-Reformvorstoß

Die britische Regierung hat den EU-Reformvorstoß Frankreichs und Deutschlands begrüßt. Der Staatssekretär im Londoner Außenministerium, Denis MacShane, bezeichnete die Vorschläge am Donnerstag als einen "guten Fortschritt" für Europa.

HB/dpa LONDON. Die Briten fühlten sich durch die Reforminitiative keineswegs an den Rand gedrängt, sagte MacShane. "Ganz im Gegenteil", beteuerte er in einem Rundfunkinterview.

Hinter den Kulissen herrsche aber Nervosität über den Vorstoß, kommentiert die "Times" (Donnerstagsausgabe). Nach ihrer Meinung nutzt der französische Staatspräsident Jacques Chirac die Nähe von Premierminister Tony Blair zu den USA aus, um die Interessen Frankreichs durchzusetzen.

Blair habe sich in den Augen der Europäer wegen seiner Haltung zum Irak und dem Nichtbeitritt zum Euro isoliert und damit die Rolle Großbritanniens selbst eingeschränkt, schrieb die "Times." Das habe dazu beigetragen, dass Frankreich sich in eine "führende Position" manövriert habe.

"Die beiden Großen bestimmen Europas Zukunft", meint auch der liberale "Guardian." Die Zeitung bemerkt allerdings, dass "führende Fürsprecher einer Integration" sich mit dem Kompromiss wahrscheinlich nicht zufrieden geben werden.

Die "Financial Times" begrüßt, dass mit den Vorschlägen die Idee einer "Superpräsidenten" nun offenbar vom Tisch sei. Andererseits werde sich Blair wahrscheinlich schwer mit der geplanten Stärkung des Europaparlaments abfinden.

"Schröder würde vermutlich enge Beziehungen zu einer Reihe von Staaten, darunter auch Großbritannien, einer monogamen Verbindung mit Frankreich vorziehen", schrieb die "Financial Times" zur Haltung des Bundeskanzlers. Aber Blairs Zögern beim Euro werde in der EU so gedeutet, dass Großbritannien bei den "großen Entscheidungen um die Zukunft der EU weder ein lebenswichtiger, noch ein vertrauenswürdiger Partner ist".

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