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08.02.2001

10:31 Uhr

Neu im Markt und Neuer Markt

Softmatic buhlt erfolgreich um Vertrauen

VonANNA TRÖMEL

Wenige Einzelwerte haben am Mittwoch die Stimmung am Wachstumssegment etwas aufgehellt. Der Nemax gab in einer von den schlechten Vorgaben aus den USA belasteten Atmosphäre bis zum Mittwochabend 2,7 Prozent auf 2 581 Punkte nach, der Nemax 50 verlor 2,9 Prozent auf 2 555 Punkte.

HB, FRANKFURT/M. Ein einmal verspieltes Vertrauen des Marktes ist schwer zurück zu gewinnen. Nach den zahlreichen Gewinnwarnungen des vergangenen Jahres bestimmt diese Erfahrung den Alltag vieler Unternehmen des Wachstumssegments. Einen ersten Schritt auf diesem steinigen Weg scheint die Hamburger Softmatic AG am Mittwoch gemacht zu haben. Ihr Aktienkurs profitierte in einem von der Enttäuschung über den Internet-Riesen Cisco geprägten Markt vom Glauben daran, dass die angekündigte Restruktrukturierung zu greifen beginnt.

Im vergangenen Herbst war das Unternehmen an der Börse abgestraft worden, weil es in tiefrote Zahlen gerutscht war. Um insgesamt 20 Mill. DM zu sparen, entließ Softmatic nicht nur Mitarbeiter, sondern verabschiedete sich auch von dem Plan, Geschäftsfelder der Ditec Informationssysteme GmbH zu übernehmen. Ausserdem sollen die Kunden aus der Prozessindustrie künftig nicht mehr direkt beliefert werden, sondern über den günstigeren Partnervertrieb. In diesem Geschäftsfeld waren deutliche Verluste entstanden. Einige Anleger ließen sich angesichts des relativ niedrigen Einstiegsniveaus von den Plänen überzeugen und bescherten dem Titel zeitweise ein Kursplus von 24 %. Am Abend notierten die Papiere noch 16,8 % fester bei 2,92 Euro.

Advanced Medien auf dem Weg zum Penny-Stock Den direkten Weg zum Pennystock hat die Aktie der Münchener Advanced Medien AG eingeschlagen. Nachdem das angeschlagene Unternehmen seine Aktie bereits in der vergangenen Woche mit einer drastischen Umsatz- und Gewinnwarnung auf Talfahrt geschickt hatte, legte Vorstandschef Christophe Montague nach, indem er das Ausmaß der Liquiditätsprobleme konkretisierte. Ohne Finanzspritze reicht das Geld des Medienunternehmens lediglich noch für sechs Monate, hieß es. Der Aktienkurs der Gesellschaft brach daraufhin um knapp 12,9 % auf 1,48 Euro ein. Die Papiere ihres Großaktionärs EMS New Media, der nach eigenen Angaben ein öffentliches Angebot für die Aktien des 60-prozentigen Streubesitzanteils in Erwägung zieht, verbilligten sich derweil um rund 3 % auf 4,70 Euro.

Im Aktienkurs des dank eines kostspieligen Werbefeldzuges deutlich prominenteren Übernahmekandidaten Letsbuyit schlugen sich nach der Kursrally vom Vortag offenbar Gewinnmitnahmen nieder. Der Titel verbilligte sich um rund 15,8 % auf 69 Eurocents. Viel Neues hat es von dem Pleitekandidaten allerdings nicht gegeben. Dass der selbsternannte Retter der Online-Einkaufsgemeinschaft, Kim Schmitz, unter anderem den Barkeeper einer Münchener Diskothek in den Aufsichtsrat seiner wohl nicht ins Handelsregister eingetragenen Beteiligungsgesellschaft Kimvestor berief, ist eher eine Fußnote. Die Meldung des Anlegermagazins "Die Telebörse" nährt damit nur die Zweifel an der Ernsthaftigkeit des groß angekündigten Engagements. Gewinnmitnahmen waren auch bei der Aktie des Internetdienstleisters I-D Media im Spiel. Nach dem die Gesellschaft am Vortag dank eines Millionenauftrages mit der Deutschen Telekom ein Kursplus von mehr als 50 % verbucht hatte, war der gestrige Abschlag von 17,4 % auf 8,75 Euro allerdings zu verschmerzen. Ganz anders der Kursverlust beim Internet-Portal Web.de. Anfang November hatte der Kurs noch jenseits der 18 Euro gelegen. Seither war die Aktie des Karlsruher Unternehmens nahezu kontinuierlich auf Talfahrt. Dass der Verlust im vergangenen Jahr wegen der für die Branche symptomatisch hohen Marketingkosten deutlich höher ausfiel, als beim Börsengang angekündigt, vergraulte die Anleger. Der Kurs brach um 13,6 % auf 8,54 Euro ein und liegt deutlich unter dem Ausgabepreis von 26 Euro. Ein weiteres Unternehmen, dass sich auf die Suche nach dem verlorenen Vertrauen macht.

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