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05.03.2003

17:15 Uhr

Neue alte Arbeitswelten

In der Old Economy überleben Ideen der New Economy

In Zeiten des Börsenbooms hatten Mitarbeiter der New Economy nicht nur ein sattes Gehalt, sondern sind auch mit zahlreichen Extras belohnt worden. Gemeinsames Frühstück am Morgen, einen mobilen Masseur in der Mittagspause und abends eine Partie. Tischtennis oder Kicker im Konferenzraum waren so selbstverständlich wie flache Hierarchien und Aktienoptionsprogramme. "Man braucht das, wenn man 14 bis 16 Stunden vor dem Rechner sitzt", erinnert sich eBay-Sprecher Joachim Guentert an die Job-Beigaben der Internet- Gründerzeit.

HB/dpa HAMBURG. Heute wollen viele Unternehmen von der bunten Arbeitskultur der New Economy nichts mehr wissen und orientieren sich lieber an der traditionellen Arbeitswelt der "Old Economy". "In der Start-up-Phase waren die Mitarbeiter Pioniere, die im Büro gelebt haben. Heute sind sie Arbeitnehmer mit Privatleben", sagt Guentert. "Der Masseur kommt immer noch, aber die Mitarbeiter zahlen ihn selbst."

"Wir picken die Rosinen aus der New und der Old Economy heraus", sagt Matthias Peter, Geschäftsführer des Internet-Reiseanbieters travelchannel.de. Die Innovationsfreude der jungen Mitarbeiter werde mit den Steuerungsmechanismen der Old Economy kombiniert. "Wir wollen den Mitarbeitern ermöglichen, ihre Kreativität auszuleben". Aber die Wirtschaftlichkeit habe Priorität. "Wir machen nichts nur darum, weil es Spaß macht. Schließlich wollen wir noch einige Jahre bestehen."

Während die überlebenden Start-ups mittlerweile von der alten Wirtschaft Grundlegendes gelernt haben, haben sich auch manche Traditionsunternehmen Ideen von den Gründern abgeschaut. "Die Gesundheitsförderung und der Gedanke an das Wohlbefinden der Mitarbeiter wurden durch die New Economy erst richtig populär", sagt die Hamburger Diplom-Psychologin Katharina Griese. Zuvor waren es vor allem Großkonzerne, die sich auch für die sozialen Belange ihrer Mitarbeiter engagierten: Sie unterhielten Fitness-Studios und Sportclubs oder unterstützten Selbsthilfegruppen.

Eine positive Grundstimmung während der Arbeit ist für alle Beteiligten angenehmer, sagt Griese. "Dahinter steht aber auch ein knallhart funktionaler Gedanke: Mitarbeiter, die sich wohlfühlen, bringen mehr Leistung." Der viel gepriesene Teamgedanke habe jedoch seine Schattenseiten. Er gaukele die Gleichheit der Mitarbeiter vor. Spätestens bei der Gewinnverteilung entstehe eine Schieflage. "Dann sind nicht mehr alle gleich, denn die einen bekommen ihr Gehalt und die anderen sind am Gewinn beteiligt." Und trotz familiärer Stimmung könne der eigene Job bei der nächsten Umstrukturierung schon zur Disposition stehen.

Dennoch bleibt gerade der Teamgeist eines der wichtigsten Überbleibsel aus den wilden Gründerjahren. Die Überlebenden pflegen die Relikte. In der Zentrale der baden-württembergischen Software- Schmiede Caatoosee arbeitet der Chef im gemeinsamen Großraumbüro. Beim Hamburger Internetdienstleister SinnerSchrader gibt es trotz düsterer Bilanzen für alle Mitarbeiter jeden Tag ein Gratis-Frühstück mit frischen Brötchen. Sprecher Mark Pohlmann sagt: "Das gibt uns die Möglichkeit zu informellen Absprachen in angenehmerer Atmosphäre."

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