Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

08.01.2002

19:00 Uhr

Neue Antibaby-Pille Yasmin entwickelt sich viel versprechend

Schering baut auf Durchbruch in den USA

VonVanessa Liertz

Es ist schon fast Routine: Seit sechs Jahren trumpft Schering mit Rekordergebnissen auf. Auch im Geschäftsjahr 2002 will sich der Berliner Pharmakonzern wieder übertreffen. Bisher hat sich die Strategie der eingespielten Vorstandsriege bewährt: Auf Spezialmärkten in Führung sein.

HB BERLIN. Mit freudig funkelnden Augen prognostiziert Klaus Pohle, Finanzvorstand des Pharmakonzerns Schering, den siebten Rekordgewinn in Folge. "Der liegt ein ganz schönes Stück über einer Milliarde Euro", sagt er dem Handelsblatt. Das Ergebnis des Jahres 2002 dürfte auch nach Abzug des außerordentlichen Ertrags aus dem Verkauf der Aventis Cropscience ein Rekord bleiben: Hinter vorgehaltener Hand rechnet Schering mit über 450 Mill. Euro operativen Gewinn, das sind 12 % mehr als der erwartete Ertrag aus dem Jahr 2001.

Der Berliner Arzneimittelhersteller spürt die Malaisen kaum, mit denen sich Konkurrenten herumschlagen. Viele Pharmakonzerne sind derzeit empfindlich getroffen von verzögerter Zulassung neuer Medikamente in den USA und zunehmender Konkurrenz durch Nachahmerprodukte. Schering braucht sich dagegen in den nächsten fünf Jahren über auslaufende Patente keine Sorgen zu machen.

Der Erfolgsfaktor der Schering AG hat sich nicht geändert. Das Rezept heißt "Auf Spezialmärkten führen", und es ist nach Ansicht von Pohle auch künftig tauglich. Hinzu kommt die Kontinuität in der Führung. Der Vorstand ist ein eingespieltes Team. Pohle gehört dem Gremium seit 21 Jahren als Finanzchef an und nennt sich selbst scherzhaft "Methusalem". Er wird das Gremium nächstes Jahr verlassen, doch ist mit Vorstandschef Hubertus Erlen die Kontinuität gewahrt: Erlen ist seit 16 Jahren Vorstandsmitglied.

Prominentestes Beispiel für Scherings Pharmastrategie ist die Antibabypille, die der Konzern 1961 in Europa als erstes auf den Markt brachte. Das erste Produkt in den USA hatte ein Jahr zuvor der US-Konzern Searle verkauft. Heute sind die Berliner nach Angaben von Feng Si, Analystin bei der Bankgesellschaft Berlin, sowohl bei der Fertilitätskontrolle als auch bei der Hormonersatz-Therapie Marktführer.

Diese Produkte machten im Jahr 2000 rund 30 % des Gesamtumsatzes von rund 4,5 Mrd. Euro aus, etwa genauso viel wie die übrigen Therapeutika. Eine starke Markposition hat Schering auch mit Betaferon, einem Mittel gegen Multiple- Sklerose, das für einige Arten dieser Krankheit noch immer weltweit das einzig zugelassene ist. Den restlichen Umsatz erwirtschaftet Schering im wesentlichen mit Diagnostika - also Mitteln zur Erkennung von Krankheiten.

Betaferon ist mit einem Umsatzanteil von 15 % das umsatzstärkste Schering-Medikament Das Patent läuft in fünf Jahren aus. Bis dahin muss der Konzern andere verkaufsstarke Präparate entwickeln, will er den Wachstumkurs halten. Als wachsende Einnahmequelle dürfte Betaferon spätestens ab 2003 stark nachlassen. Von diesem Zeitpunkt an will die Schweizer Firma Serono das Medikament Rebif im Schlüsselmarkt der Pharmaindustrie, den USA, einführen. Rebif macht Betaferon bereits heute Konkurrenz, ebenso der US-Pharmakonzern Biogen mit seinem Mittel Avonex.

In den nächsten zwei Jahren erhofft sich Pohle aber einen Wachstumsschub für Schering von den Hormon-Produkten. Ein Grund für seinen Optimismus ist die Nachfrage nach der neuesten Antibaby-Pille von Schering, Yasmin. Sie lag so weit über den Erwartungen des Unternehmens, dass es die Einführung in manchen Ländern aus Sorge darüber verschob, nicht genügend Nachschub zu haben.

Ab dem Jahr 2005 hofft Schering auf eine zweite Welle an Hormon- Produkten, zu denen Präparate für den Mann gehören. Ferner will der Konzern Mittel gegen hormonabhängige Tumore auf den Markt bringen. Wesentlich für Schering laut Pohle der Durchbruch mit den Hormonmitteln auf dem US-Markt, wo der Marktanteil heute für alle Schering-Hormonprodukte ohne Yasmin bei 4 % liegt.

Das Potenzial ist groß. Schätzungen zufolge hat der Weltmarkt für Hormonmittel ein Volumen von rund 4,4 Mrd. $ - davon entfällt etwa die Hälfte auf die USA. Der zweitwichtigste Einzelmarkt für Schering ist Japan. Bisher ist in Japan jedoch ein Boom der Antibaby-Pille ausgeblieben, die seit Ende 1999 zugelassen ist - die Japanerinnen bevorzugen weiterhin Abtreibungen.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×