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27.01.2002

15:11 Uhr

Neue Ausstellung im KZ Sachsenhausen

Spiegel vermisst "Aufstand der Anständigen"

Mit zahlreichen Gedenkveranstaltungen und Kranzniederlegungen ist am Sonntag in ganz Deutschland an die Opfer des Nationalsozialismus erinnert worden. Der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Paul Spiegel, beklagte anlässlich des so genannten Holocaust-Tages einen Mangel an Zivilcourage im Kampf gegen Rechts.

ap BERLIN. Am 57. Jahrestag der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz wurde im ehemaligen KZ Sachsenhausen bei Oranienburg eine neue Ausstellung über das Schicksal sowjetischer Kriegsgefangener eröffnet. Die in Oranienburg eröffnete Ausstellung beleuchtet das Verhältnis zwischen ehemaligen KZ-Häftlingen, russischen Militärärzten und deutschen Pflegerinnen.

Nach der Befreiung Sachsenhausens Ende April 1945 versorgte die Rote Armee etwa 3 000 von der SS zurückgelassene kranke Häftlinge. Dabei verpflichtete die sowjetische Besatzungsmacht Oranienburger Frauen zu Pflegeeinsätzen. Lebensgeschichten aus jener Zeit werden zum Teil in Videointerviews dokumentiert.

In Potsdam war am Abend eine Gedenkveranstaltung geplant, zu der sich unter anderem TV-Moderator Günther Jauch, der Publizist und SPD-Politiker Günther Gaus sowie der brandenburgische Ministerpräsident Manfred Stolpe und der SPD-Landesvorsitzende Matthias Platzeck angesagt hatten. Sie wollten Abschnitte aus dem Oratorium "Die Ermittlung" von Peter Weiss vortragen.

Der Schriftsteller hatte dieses Stück anhand der Protokolle der Auschwitz-Prozesse in Frankfurt am Main zwischen 1963 und 1965 verfasst. In praktisch allen deutschen KZ-Gedenkstätten fanden am Sonntag Sonderveranstaltungen zum Holocaust-Tag statt. Auf dem Programm standen Kranzniederlegungen, spezielle Führungen, die zumeist von ehemaligen Häftlingen organisiert wurden, sowie Lesungen und Ansprachen.

Merkel mahnt Kenntnis der Vergangenheit an

Die CDU-Vorsitzende Angela Merkel erklärte anlässlich des Gedenktages: "Wir bekennen uns an diesem Tag zu der Verantwortung dafür, dass sich die Barbarei der Jahre 1933 bis 1945 nie mehr wiederholt. Nur die Kenntnis der Vergangenheit, und sei sie noch so schmerzhaft, hilft uns, für die Zukunft die richtigen Lehren zu ziehen."

Dabei gelte es, insbesondere junge Menschen mit den historischen Fakten und den Schicksalen der Opfer vertraut zu machen. Dies sei der wirksamste Schutz vor neuem politischen Extremismus und Fremdenfeindlichkeit.

Spiegel erklärte allerdings, er vermisse hier den von Bundeskanzler Gerhard Schröder angemahnten Aufstand der Anständigen. "Ich habe zuweilen den Eindruck, die Leute schauen weg und schweigen, wenn es eigentlich angebracht wäre, hinzuschauen und zu handeln", zitiert der Berliner "Tagesspiegel" den Präsidenten des Zentralrats der Juden. Allen müsse jedoch klar sein: "Fremdenfeindlichkeit und Rechtsradikalismus sind nicht nur eine Gefahr für Minderheiten, sondern für alle in Deutschland, die Demokratie wollen." Dies jedem deutlich zu machen, sei eine zentrale Aufgabe der Bildungspolitik.

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