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07.06.2000

19:18 Uhr

zel DÜSSELDORF. Die gestiegenen Benzinpreise und die höhere Mineralölsteuer wirken sich nachhaltig auf das Verbraucherverhalten aus. Während die Autos mit benzin-getriebenen Motoren in Deutschland immer schwerer abzusetzen sind, boomt überall das Geschäft mit dem Diesel. Das Kraftfahrtbundesamt (KBA) in Flensburg hat für die ersten vier Monate dieses Jahres knapp 314 000 neue Diesel-Pkw auf den deutschen Straßen gezählt. Gegenüber dem Vergleichszeitraum des Vorjahres bedeutet das eine Steigerung von knapp 14 %. Zum Vergleich: Der Absatz der Autos mit Benzinmotoren ist den ersten vier Monaten um fast 20 % eingebrochen.

Alle Hersteller profitieren gleichermaßen von dem anhaltenden Diesel-Boom. Ob Großserienhersteller oder Edelmarke: Über alle Fahrzeug-Segmente hinweg steigt die Nachfrage nach der preisgünstigen Antriebsart. Auch einkommensstarke Autofahrer, denen die höheren Unterhaltskosten eigentlich nicht so viel ausmachen sollten, greifen inzwischen gern zum Diesel-Motor. Beispiel BMW: Die Münchener haben bis Ende April gut 24 000 Autos in Deutschland mit Diesel-Aggregat absetzen können, was einen kräftigen Zuwachs von 58 % bedeutete. Ähnlich positive Zahlen werden aus Stuttgart gemeldet. Bei Mercedes ist der Anteil der Diesel-Pkw am gesamten Absatz von gut 28 % auf 38 % gestiegen.

Bei der Daimler-Chrysler-Tochter Smart sorgen die Diesel-Bestellungen ebenfalls für einen hohen Auftragsbestand. "Vom Ordereingang beim Diesel sind wir positiv überrascht", betont ein Smart-Sprecher. 20 % der Bestellungen des kleinen Autos, das in der Vergangenheit meistens nur für Negativ-Schlagzeilen sorgte, entfallen inzwischen schon auf die Diesel-Variante.

Längere Lieferzeiten als bei Benzin-Fahrzeugen

Die aus Sicht der deutschen Automobilindustrie erfreuliche Entwicklung beim Diesel hat auch ihre ersten Schattenseiten. Bei BMW liegen die Lieferzeiten für ein neues Autos in aller Regel bei etwa zwei Monaten. "Beim Diesel dauert es länger", beschreibt ein Konzernsprecher die Folgen des anhaltenden Booms.

"Unser Motorenwerk in Kaiserslautern ist schon jetzt voll ausgelastet", heißt es bei der deutschen General-Motors-Tochter Opel. Sollte die Diesel-Nachfrage wie in den vergangenen Wochen weiter steigen, könnten echte Engpässe und längere Wartezeiten drohen. Bei Opel ist der Diesel-Absatz in diesem Jahr immerhin schon um 35 % gestiegen.

Von "deutlichen Engpässen" ist genauso beim Branchenführer Volkswagen die Rede. Auch bei den Wolfsburgern könnte sich die Lage in den kommenden Wochen noch weiter verschärfen. Bei VW habe die Nachfragesteigerung nach Diesel-Pkw zudem bereits im vergangenen Jahr eingesetzt. "Es gibt aber kein zusätzliches Investitionsprogramm", verneinte ein Konzernsprecher mögliche Zusatzinvestitionen im Diesel-Bereich. Vom Drei-Liter-Lupo, dem verbrauchsgünstigsten Autos des Konzerns, sind nach VW-Angaben seit der Markteinführung im Herbst vergangenen Jahres bislang etwa 5 500 Exemplare in Deutschland abgesetzt worden.

Die Automobilhersteller hatten schon von sich aus in den vergangenen Jahren gezielt auf einen höheren Diesel-Verkauf gesetzt. Die neuesten Motoren stehen bei Beschleunigung und Lärmentwicklung ihren Benzin-Gegenstücken in nichts mehr nach. Auch in der Luxusklasse gelten Diesel-Aggregate inzwischen als durchaus übliche Ausstattung.

Weiter steigende Kraftstoff-Preise könnten die Nachfrage nach Diesel-Motoren in den nächsten Wochen weiter anheizen. Am Mittwoch haben die Mineralölkonzerne in Deutschland eine neue Benzinpreis-Runde eingeläutet. In der Regel kostet ein Liter Normalbenzin jetzt 2,05 DM, der Liter Diesel ist für 1,55 DM zu haben, Super kostet 2,10 DM. Auch die freien Tankstellen hatten ihre Preise in dieser Woche erhöht.

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