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17.03.2003

14:28 Uhr

Neue Bilanzierung reißt Loch

ING schockt Märkte mit hohem Nettoverlust

Der niederländische Finanzkonzern ING hat am Montag die Märkte mit einem hohen Nettoverlust für 2002 geschockt und den Aktienkurs deutlich ins Minus gedrückt. ING habe Firmenwertabschreibungen von 13,1 Milliarden Euro vornehmen müssen, die mit dem Wechsel der Rechnungslegung zusammenhingen, teilte ING mit.

Reuters AMSTERDAM. Nach den US-Standards, denen ING seit Anfang vergangenen Jahres unterliegt, habe der Konzernverlust 9,6 Milliarden Euro betragen. Noch im vergangenen Monat hatte ING für 2002 einen Nettogewinn von 4,3 Milliarden Euro nach den niederländischen Bilanzierungsregeln ausgewiesen. Die ING-Aktien rutschten bis zum Mittag um mehr als sechs Prozent auf 10,95 Euro und zogen auch die Aktien anderer Versicherungskonzerne herunter.

Auch wenn ING betonte, das bereits vorgelegte Ergebnis nach niederländischen Regeln werde dadurch nicht beeinflusst, kritisierten Analysten die Höhe der Abschreibungen. Die vor kurzem übernommenen Beteiligungen Aetna und Reliastar in den USA könnten nun weitaus weniger an Wert in der Bilanz darstellen, als ING tatsächlich bezahlt hat, sagten Analysten. Vor allem aber habe die unerwartete Mitteilung den Aktienkurs belastet. "Die Art, wie das Unternehmen die Finanzmärkte aus dem Hinterhalt erwischt hat, dürfte heute die Hauptantriebskraft sein", sagte Lukas Daalder, Analyst von der Bank Oyens & van Eeghen. Unverständlich sei, warum ING im vierten Quartal keine Warnung ausgeben habe.

ING hatte im Jahr 2001 die Versicherungsbereiche von Aetna und Reliastar für 13,8 Milliarden Dollar übernommen und gehört seither zu den weltweit zehn führenden Vermögensverwaltern.

Nach den niederländischen GAAP-Regeln wurde der Wert der Beteiligungen - zumeist von Aetna und Reliastar, aber auch von einigen kleineren Zukäufen in Südamerika und Asien - Ende 2001 auf 16,6 Milliarden Euro geschätzt. Die Bilanzierung nach US-GAAP und der Abwärtstrend an den Aktienmärkten führte dazu, dass ING seine Firmenwerte nunmehr mit 3,5 Milliarden Euro in der Bilanz bewertet. "Die Tatsache, dass sie ihre Firmenwerte berichtigen müssen, war nicht unvorstellbar, aber die Höhe der Abschreibung stellt die zukünftige Rentabilität bestimmter ING-Aktivitäten in Frage", sagte Bart Horsten, Analyst von F. van Lanschot Bankiers.

ING ist in Deutschland unter anderem mit der ING BHF-Bank vertreten. Zudem gehört die Direktbank DiBa zu ING, die mit der Nürnberger Direktbank Entrium nach deren Übernahme durch ING verschmolzen wird.

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