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30.01.2001

18:06 Uhr

vwd SAN FRANCISCO. Online-Musikanbieter wie Listen.com Inc, San Francisco, oder Emusic.com Inc, Redwood City, die sich bisher beklagten, das Geschäftsgebaren von Napster Inc, Redwood City, zerstöre ihre Geschäftsgrundlagen, sind von der Ankündigung des Unternehmens, künftig Mitgliedschaftsgebühren zu erheben, begeistert. "Dass Napster wirklich legal und sicher arbeiten wird, ist im Grunde dasselbe wie wenn Napster per Gerichtsbeschluss geschlossen worden wäre", sagte Gene Hoffman, CEO von Emusic.com, dem Fachinformationsdienst "Wired Digital", San Francisco. Hoffman rechnet sich dadurch neue Chancen für sein Unternehmen aus, das lizensierte MP3-Musikdateien von Künstlern wie Elvis Costello vertreibt.

Napster Inc hatte zuvor eine Online-Tauschbörse für Musikdateien betrieben. Deren Nutzer konnten sich Musiktitel aller Art kostenlos aus dem Internet herunterladen. Derzeit prüft ein Bundesberufungsgericht in den USA, ob es dem Unternehmen per einstweiliger Verfügung die Fortsetzung seiner Geschäftstätigkeit für die Dauer des von der Musikindustrie angestrengten Urheberrechtsverfahrens untersagen soll. Nachdem der freie Zugriff auf Musikdateien gestoppt ist, sieht sich Hoffman im Gespräch mit "Wired Digital" auf dem Weg in die Gewinnzone.

Belegschaft um ein Drittel reduziert

Der Aktienkurs von Emusic.com bewegt sich bei 0,50 $ je Aktie. Das Unternehmen musste seine Belegschaft um ein Drittel reduzieren. "Viel von unseren Rückschlägen hatten damit zu tun, dass wir in einer Zeit der Anomalien leben", erläuterte Hoffman. "Der Umstand, dass man alles unter der Sonne umsonst bekommen kann, ist eine echte Anomalie", bekräftigt der CEO von Emusic.com. "An keinem anderen Ort, an dem Urheberrechte beachtet werden, wäre so etwas möglich", fügte er hinzu. Auch Listen.com begrüßt Napsters Schritt in die Legalität. Ursprünglich wollte Listen.com die Website sein, auf der Internetnutzer herausfinden sollten, welche Musik es neu im Netz zu finden gibt und an welchem Ort.

Das Unternehmen musste sein Geschäftsmodell komplett überarbeiten, nachdem Napster auf der Bühne erschienen war. Jetzt will das Unternehmen ein auf Content-Syndikalisierung beruhendes Konzept verfolgen. "Napster hat uns dazu gezwungen, unseren Schwerpunkt zu verlagern", sagte Unternehmenssprecher Sean Garrett dem "Wired Digital". Er setzt nun darauf, den Katalog von Listen.com in Suchmaschinen wie Napster zu integrieren und auf diesem Wege Millionen von Nutzern zu erreichen. "Was Napster fehlt, ist ein Interface, mit dem man neue Musik entdecken und auch finden kann", sagte Garrett. "Im Moment kann man nur den Namen eines Songs oder einer Band eingeben, die man bereits kennt", fügte er hinzu.

Ab Juni oder Juli wird Napster sein Geschäftsmodell auf gebührenpflichtige Mitgliedschaften umstellen, kündigte Thomas Middelhoff, CEO der Bertelsmann AG, Gütersloh, am Montag auf dem World Economic Forum in Davos an. Die Bertelsmann-Musiktochter BMG hatte im Oktober vergangenen Jahres eine Kooperationsvereinbarung mit Napster abgeschlossen. Malcolm Maclachlan, Analyst bei der International Data Corp (IDC), Framingham, hält ein solches Modell für "eine großartige Sache". "Ein gebührenpflichtiges Napster mit nur zwei Millionen Mitgliedern müßte als großer Erfolg für die Industrie gewertet werden", sagte Maclachlan dem "Wired Digital".



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