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16.07.2000

15:20 Uhr

Neue Forderungen

Jolo: Ende von Geiselkrise greifbar nahe

Zwölf Wochen nach Beginn der Geiselkrise auf der südphilippinischen Insel Jolo ist die Chance auf ein baldiges Ende des Nervenkrieges nach Ansicht der Unterhändler besser denn je.

dpa MANILA/JOLO. Zwölf Wochen nach Beginn der Geiselkrise auf der südphilippinischen Insel Jolo ist die Chance auf ein baldiges Ende des Nervenkrieges nach Ansicht der Unterhändler besser denn je. «Das Ende der Krise ist in greifbare Nähe gerückt», sagte Chefvermittler Roberto Aventajado am Sonntag. Nach der Freilassung einer malaysischen Geisel am Freitag könnten bereits innerhalb der nächsten zwei Wochen weitere Entführte auf freien Fuß kommen.



Mit Blick auf die 14 westlichen Geiseln, unter ihnen drei Mitglieder der Göttinger Familie Wallert, sagte der Unterhändler: «Ich weiß, dass unsere Mittelsmänner nahe dran sind, einen Erfolg zu erzielen.» Nach der Freilassung der zweiten malaysischen Geisel räumte er ein, die um die Malaysier bemühten Mittelsmänner hätten bislang «mehr Glück gehabt». «Wir sind optimistisch, dass wir diese Krise sehr, sehr bald lösen können», betonte er dennoch.



Derweil legten die Kidnapper der militanten Moslemgruppe Abu Sayyaf am Wochenende ihre «endgültigen Forderungen» vor. «Wir prüfen jetzt, was machbar ist und was nicht», sagte Aventajado. Eine entsprechende Liste war am Wochenende überbracht worden. Nach den Worten des Chefunterhändlers geht es in den Forderungen vor allem um «finanzielle Hilfen» für die Stadt Talipao, wo die meisten Geiseln festgehalten werden. Außerdem forderten die Entführer die Auszahlung angeblich ausstehender Lehrergehälter in der Region.



Die sieben malaysischen Geiseln sollen nach Darstellung eines Teilnehmers der Verhandlungen schon in dieser Woche gegen ein Lösegeld von zwei Millionen US-Dollar auf freien Fuß gesetzt werden. «Es ist eine abgemachte Sache», sagte er. Ein philippinischer Moslem, der in Malaysia lebt, habe das Geld schon übergeben. Die Entführten sollen einer nach dem anderen oder in kleinen Gruppen freikommen.



Der Chefvermittler bestritt erneut, dass der Malaysier am Freitag gegen ein hohes Lösegeld freigekommen sei. Die Regierung in Kuala Lumpur habe sich vielmehr bereit erklärt, über einen Fonds «Hilfsprojekte» im verarmten Süden der Philippinen zu finanzieren. «Aus diesem Fonds geht nichts direkt an die Abu Sayyaf-Gruppe. Dieser Mechanismus verläuft von Regierung zu Regierung.»



Angaben aus Kreisen der Vermittler zufolge flossen dagegen umgerechnet 690 000 Mark Lösegeld. Die Freilassung von Abdul Salawat sollen malaysische Unterhändler arrangiert haben, die bereits vor drei Wochen erreicht hatten, dass die erste malaysische Geisel aus der Hand der Entführer freigekommen ist. Die beiden waren die einzigen Malaysier islamischen Glaubens unter den Entführten.



Unter den Kidnappern auf Jolo verstärken sich nach Angaben eines Mittelsmanns derweil die Spannungen um die Verteilung von Lösegeld. Immer wieder schössen einige Mitglieder von Abu Sayyaf aus Protest in die Luft, weil sie sich um ihren Anteil betrogen fühlten. «Das Geld ist nicht bis zu ihnen durchgesickert», berichtete er.



Noch immer befinden sich auf der Insel Jolo 39 Menschen in der Hand der Extremisten. Unter den Entführten ist neben drei Mitgliedern der Göttinger Familie Wallert auch der «Spiegel»-Korrespondent Andreas Lorenz. Er war vor knapp zwei Wochen verschleppt worden. Überdies sind auch fünf Franzosen, zwei Finnen, zwei Südafrikaner und eine Libanesin auf Jolo in der Gewalt der Kidnapper.

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