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31.05.2000

16:49 Uhr

Neue Führung und eine haarige Aufgabe

Heiner Gürtler von Wella - Reisender in Schönheitsfragen

VonCarsten Herz

Führungswechsel bei Wella: Ab 1. Juni wird der 58-Jährige neuer Chef des Darmstädter Haarkosmetik-Spezialisten. Gürtler soll den Konzern auch im Duftgeschäft an die Weltspitze führen.

Heiner Gürtler steht vor einer haarigen Aufgabe. Ab morgen steht der groß gewachsene Manager an der Spitze des Darmstädter Beauty-Spezialisten Wella. Der 58-Jährige soll den Konzern als weltweit bekanntesten Anbieter von Haarkosmetik positionieren und im Duftgeschäft zu den fünf führenden Anbietern aufschließen. Wohl nicht zufällig ist "Das Parfüm" von Patrick Süskind sein Lieblingsbuch.

Der im ostpreußischen Königsberg geborene Gürtler kennt sich gut aus im Wella-Konzern. Vor zehn Jahren kam er ins Unternehmen, seit sechs Jahren sitzt der promovierte Volkswirt im Vorstand. Dort kümmerte er sich bislang um die Technik und das neue Geschäftsfeld Duft und Kosmetik. Mit Erfolg: Als Chef der Kölner Wella-Tochter Cosmopolitan Cosmetics sorgte Gürtler 1999 mit starken Marken wie Gucci, Bogner und 4711 mit 15,4 Prozent für den größten Spartenzuwachs bei Wella. 20 Jahre - und damit die längste Zeit seiner Karriere - verbrachte der verheiratete Vater dreier Söhne allerdings beim Konkurrenten Henkel - für den er in Portugal, im Iran und in den USA arbeitete.

Besteht da etwa ein Zusammenhang, wenn Gürtler nun ankündigt, dass sich bei Wella künftig einiges ändern wird? Schließlich kursieren seit Wochen Gerüchte, dass Henkel eine Wella-Übernahme plant. Zudem weiß Gürtler: Um sein ehrgeiziges Ziel zu erreichen, reicht internes Wachstum allein nicht aus. Doch Gürtler stellt klar: "Wir werden uns öffnen für Kooperationen und Partnerschaften, ohne uns das unternehmerische Heft aus der Hand nehmen zu lassen."

In Fragen der Unternehmensführung hat ohnehin der Mehrheitsaktionär von Wella, die Familie Ströher, das letzte Wort. Diese Erfahrung machte bereits Ex-Vorstandschef Peter Zühlsdorff, der an ständigen Meinungsverschiedenheiten mit der Familie scheiterte. Gürtler, ein Mann der leisen Töne, geht behutsam vor: Er will die drei Kerngeschäftsfelder professionelles Friseurgeschäft, Einzelhandel und Parfümgeschäft trennen. Und statt weiter Personal abzubauen, will er mit innovativen Produkten für bessere Renditen sorgen. Er früher als später stellt sich die Strategiefrage allerdings erneut. Denn für einen Nischenanbieter ist Wella zu groß. Deshalb muss der Familienkonzern auch im Duft-Geschäft zu den globalen Marktführern aufsteigen. Ein hartes Stück Arbeit für Gürtler.

Viel Zeit für seine Hobbys Segeln und Skifahren wird der jugendlich wirkende Manager demnächst kaum haben. Dafür wird er sehr viel reisen. Vielleicht nicht gerade in seine Lieblingsstadt Lissabon, in deren Nähe er ein Ferienhaus besitzt. Eher schon nach London oder New York. Gürtler, ganz Weltmann, ist s recht: "Ich fühle mich nicht nur in Köln und Darmstadt zu Hause."

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