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27.07.2000

15:05 Uhr

Neue Kampagne zur Einstellung älterer Arbeitnehmer

Jagoda: 3,5 Millionen Arbeitslose 2001 möglich

Der Präsident der Bundesanstalt für Arbeit, Bernhard Jagoda, sagte am Donnerstag, es sei "nicht ausgeschlossen, dass es gelingen könnte", die Arbeitslosnzahlen bis 2001 auf 3,5 Millionen zu senken. Er räumte aber ein, dass die Zahl "nicht hieb- und stichfest" sei. Um einen so deutlichen Rückgang bereits 2001 zu erreichen, müsste die Konjunktur "schon sehr gut laufen".

ddp NÜRNBERG/BERLIN. Jagoda äußerte sich anlässlich des zweiten Starts der Informationskampagne für die Einstellung älterer Arbeitnehmer sowie der bevorstehenden Ausstellung der ersten "Green Cards" für ausländische Fachkräfte aus dem Bereich Informationstechnik (IT).

Unter dem Motto "50 plus - Die können es" sollen mit der Kampagne Unternehmer und Betriebe dazu bewegt werden, auch älteren Arbeitnehmern eine Chance zu geben. Das Motto der Kampagne solle dem Trend entgegenwirken, Älteren ihre Fähigkeiten abzusprechen. Rund eine Million von über 3,7 Mill. Arbeitslosen seien älter als 50 Jahre. Darunter seien auch knapp 47.000 Ingenieure mit "guten Potenzialen", die mit geringen Zusatzqualifikationen fit für neue Berufe gemacht werden könnten. Zur Vermittlung von älteren Ingenieuren wurde eine spezielle Börse im Internet unter der Adresse www.arbeitsamt.de eingerichtet.

Ab 1. August können die Arbeitsämter Arbeitserlaubnisse für IT-Spezialisten aus Ländern außerhalb der EU ausstellen. Jagoda betonte, sein Haus sei auf die Einführung der "Green Card" vorbereitet. Er gehe davon aus, dass die Arbeitsämter die Arbeitserlaubnis-Scheine innerhalb weniger Tage erteilen werden. Jagoda warnte die Unternehmen der IT-Branche jedoch davor, sich zu sehr auf Regelung zu "verlassen". Die auf fünf Jahre befristete Möglichkeit für die Einstellung von bis zu 20.000 ausländischen Computer-Spezialisten verschaffe der Branche vor allen Dingen Zeit. Diese Zeit müsse genutzt werden, um das einheimische Arbeitskräftepotenzial aus- und fortzubilden.



Devise: Ausbilden



"Ausbilden, ausbilden und nochmals ausbilden", gab Jagoda als Devise aus. Junge Menschen, die sich für eine Ausbildung in der IT-Branche interessierten, gebe es in "großer Zahl". Das Ziel sei, Ende des Jahres 40.000 Lehrlinge in der IT-Branche zu haben. Bis dahin fehlten allerdings noch rund 6.000 bis 7.000 Ausbildungsplätze, sagte Jagoda an die Adresse der Wirtschaft. Die "Green Card" sei weder eine "Dauerlösung" noch ein "Allheilmittel" und gelte nur für den EDV-Bereich.

Von den Arbeitgebern forderte Jagoda, sich mehr zu bewegen und kritisierte deren Erwartungshaltung. Da es nicht immer möglich sei, die "Idealbesetzung" zu finden, müsse eben auch die "Bestbesetzung" öfter den Zuschlag bekommen, statt Stellen unbesetzt zu lassen. Auch auf dem deutschen Arbeitsmarkt gebe es noch Fachleute. So konnten im ersten Halbjahr über 30.000 Arbeitslose eine Beschäftigung in den IT-Berufen aufnehmen. Aktuell befinden sich 46.000 Arbeitnehmer in IT-spezifischen und vom Arbeitsamt getragenen Fortbildungen. Dies lässt sich die Bundesanstalt für Arbeit im Jahr 2000 voraussichtlich 1,2 Mrd. Mark kosten. Jagoda sagte, er sei fest davon überzeugt, dass dieses Geld "sehr gut angelegt" ist.



Branchen warnen vor Fachkräftemangel



Unterdessen melden sich immer neue Branchen, die vor einem Fachkräftemangel warnen. Erstmals hat sich jetzt auch die Bauwirtschaft zu Wort gemeldet. In Deutschland entscheiden sich immer weniger junge Leute für ein Bauingenieur-Studium, ergab eine Umfrage des Hauptverbandes der Deutschen Bauindustrie bei den entsprechenden Fakultäten und Fachbereichen. Die Bewerberzahlen im Studienjahr 1999/2000 seien insgesamt im Vergleich zum vorherigen Studienjahr um zwölf Prozent auf etwa 7.400 gesunken. Die sinkenden Studienanfängerzahlen werden nach Ansicht des Verbandes ab 2005 zu einem "dramatischen Mangel" an qualifizierten Ingenieuren in allen Branchenbereichen führen. Durch die rückläufigen Einschreibungen dürfte die Absolventenzahl bis Mitte des Jahrzehnts auf maximal 4.000 absinken. Der jährliche Bedarf der Praxis liege jedoch bei 5.500, betonte der Verband. Es sei daher nicht auszuschließen, dass mittelfristig auch die Baubranche nach einer "Green Card" verlangen werde.

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