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04.02.2001

19:19 Uhr

Neue Kursrückschläge am Aktienmarkt werden nicht ausgeschlossen

Sorgen um die US-Konjunktur belasten die Märkte

VonCHRISTIAN POTTHOFF

Die internationalen Aktienmärkte dürften sich auch in dieser Woche im Spannungsfeld von Rezessionsängsten und Zinshoffnungen bewegen. Dabei haben die jüngsten Konjunkturdaten aus den USA die Sorgen vor einer harten Landung der US-Wirtschaft verstärkt. Eine neuerliche Zinssenkung in den USA wird für März erwartet.

Quelle: Handelsblatt

FRANFKURT/M. Wie stark und wie lange geht es mit der US-Konjunktur bergab? Diese Frage wird auch in der Woche nach der Zinssenkung in den USA das Top-Thema der internationalen Finanzmärkte bleiben. Dabei hat sich die Stimmung in den vergangenen Tagen weiter eingetrübt. Experten fürchten, dass die US-Wirtschaft stärker leiden werde als bisher erwartet.

Nachdenklich stimmen vor allem die Kursrückschläge, mit denen die Nasdaq auf die weithin erwartete Zinssenkung der Fed um 0,5 % reagierte. Nach Einschätzung der DG-Bank sprechen die Kursverluste dafür, dass die zweite Zinssenkung innerhalb eines Monats die Rezessionsängste weiter verstärkt hat. Rückläufige Zinsen hätten in der Vergangenheit die Aktienkurse meist nach oben getrieben. Doch Ausnahmen habe es immer dann gegeben, wenn der Absturz in eine Rezession nicht rechtzeitig verhindert werden konnte.

Auch der Rückgang des Einkaufsmanager-Index wirft kein gutes Bild auf die US-Wirtschaft. Allerdings gibt es auch andere Signale. So fiel der Beschäftigungszuwachs in den USA stärker aus als erwartet. Dessen ungeachtet gehen Volkswirte aber weiterhin davon aus, dass die Fed spätestens am 20. März erneut die Zinsen senken wird, um die Konjunktur zu stützen.

Neuer Markt hat schlechte Vorgaben

Für die Aktienmärkte heißt dies, dass sie sich auf absehbare Zeit weiterhin im Spannungsfeld zwischen der Hoffnung auf sinkende Zinsen und Rezessionsängsten bewegen dürften. Bei der Analyse der US-Konjunktur müssen die Anleger in dieser Woche ohne klare Fingerzeige in Form wichtiger volkswirtschaftlicher Eckdaten auskommen. Einzige Ausnahme ist die Veröffentlichung der Produktivitätszahlen am Mittwoch.

Für den deutschen Aktienmarkt legt der Rückgang der Nasdaq um über 4 % am Freitag einen eher schwierigen Wochenauftakt vor allem am Neuen Markt nahe. Die weitere Entwicklung dürfte im wesentlichen von den US-Vorgaben bestimmt werden. Darüber hinaus warten drei Dax-Unternehmen mit Zahlen auf: Adidas Salomon und die Commerzbank am Montag sowie Schering am Mittwoch. Angesichts der unklaren Verhältnisse in den USA halten sich Bankenanalysten mit kurzfristigen Prognosen stark zurück. Eher pessimistisch äußern sich HSBC Trinkaus &Burkhardt, die stärkere Rückschläge in den Bereich der Januar-Tiefstände nicht ausschließen, falls die anstehende Jahresberichte weiter in Moll gehalten sein sollten.

Siehe auch: Dax-Ausblick - Seitwärtsbewegung erwartet

Der Euro konnte zuletzt von den negativen Konjunkturmeldungen in den USA und der Leitzinssenkung profitieren. Die meisten Experten trauen dem Euro grundsätzlich eine weitere Erholung zu, auch wenn diese langsam erfolgen dürfte. HSBC Trinkaus & Burkhardt geht davon aus, dass sich die Gemeinschaftswährung zunächst innerhalb einer Trading Range von 0,93 bis 0,96 Dollar bewegen wird. Für eine Zinssenkung in Europa ist es nach übereinstimmender Meinung von Volkswirten noch etwas zu früh. Diesen Eindruck vermittelt auch EZB-Chef Wim Duisenberg, der nach der Sitzung des EZB-Rates am Donnerstag betonte, die Währungshüter würden eine abwartende Haltung einnehmen. Nach Einschätzung der HypoVereinsbank dürften aber der zu erwartende Inflationsrückgang und ein festerer Euro die EZB bis zur Sommerpause zu zwei "Trippelschritten" nach unten veranlassen, wobei der erste möglicherweise schon im März, spätestens aber im April erfolgen werde.

Unterschiedlich werden die Aussichten am Rentenmarkt für diese Woche eingeschätzt. Nach Ansicht der DG Bank wird das Umfeld am langen Ende wegen der freundlichen Vorgaben aus den USA weiterhin positiv bleiben. Dies eröffne dem Bund-Future ein Aufwärtspotenzial bis zu 110 Punkten. Dagegen erwartet HSBC Trinkaus & Burkhardt auf Grund von Gewinnmitnahmen eine etwas leichtere Tendenz.



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