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17.01.2003

09:44 Uhr

Neue Medikamente lassen auf Kurssprünge hoffen

Kleine Biotechs: Prügelknaben schlagen zurück

VonGerhard Mauerer (Handelsblatt)

Binnen Jahresfrist war der Nasdaq Biotechnologie-Index Ende des vergangenen Jahrtausends um 400 % in die Höhe geschossen, um bis Juli 2002 fast den gesamten Gewinn wieder abzugeben. Zurück blieben verbrannte Anleger-Milliarden und ein Finger-Weg-Image der Biotech-Aktien.

FRANKFURT/M. Doch zwischen den Bio-Trümmern sprießt Leben. Große Unternehmen wie Chiron, Genzyme oder Gilead machen längst Gewinne. Kleine Biotechs wie Adolor, OSI Pharmaceuticals, Versicor und Xoma stehen vor der Zulassung umsatzträchtiger Medikamente - und vor enormen Kurssprüngen.

Die Biotechnologie hat in den vergangenen Jahren bedeutende Schritte getan. Über 100 biotechnologische Präparate sind schon im Einsatz. Eins der bekanntesten ist das von Idec entwickelte, von Genentech vertriebene Krebsmittel Rituxan, das in diesem Jahr 1,9 Mrd. $ Umsatz bringt. 371 biotechnologische Arzneimittel sind in fortgeschrittener klinischer Prüfung.

"Im Vergleich zu Pharma- und großen Biotech-Unternehmen bieten kleine und mittlere Biotechs höheres Potenzial", sagt Michael Fischer, Pharmaexperte von Medicalstrategy. Viele dieser Unternehmen haben Marktkapitalisierungen von unter 500 Mill. - obwohl die geschätzten Jahresumsätze ihrer Medikamente mehrere 100 Mill. betragen. Die Mittel von Xoma, Adolor, OSI und Versicor wirken in Gebieten, die bislang therapeutisch unbefriedigend erschlossen sind. Sie stehen kurz davor, dass sich die Investitionen auszahlen und endlich Geld fließt.

"All diese Unternehmen bieten exzellente Chancen", sagt Fondsmanager Sebastian Virchow, Biotechspezialist der DWS. Die entscheidenden "value driver" für steigende Kurse sind laut Virchow das Erreichen von Meilensteinen in der klinischen Entwicklung und die Zulassung neuer Medikamente. Obwohl der Biotech-Index im vergangenen Jahr fast um die Hälfte sank, gab es Werte wie Gilead oder Scios, die im Plus schlossen. "Diese Unternehmen hatten 2001 neue Produkte eingeführt", sagt Virchow.

Xoma Limited entwickelt mit dem Biotech-Riesen Genentech ein Heilmittel gegen die Schuppenflechte, das die klinischen Tests bereits hinter sich hat. "Die Daten waren exzellent", sagt Virchow. Rund fünf Millionen Menschen in den USA leiden unter der Schuppenflechte. JP Morgan siedelt das Marktpotenzial für biotechnologische Produkte gegen die Krankheit bei mehreren Mrd. $ an. Im Dezember beantragten Genentech und Xoma bei der US-amerikanischen Genehmigungsbehörde FDA die Zulassung. Erfahrungsgemäß vergeht bis zur Entscheidung etwa ein Jahr.

Auch Versicor Inc. ist eine potentielle Kursrakete. Versicor ist auf biotechnologische Antibiotika und Fungizide spezialisiert. Der größte Hoffnungswert heißt Anidulafungin, ein Mittel gegen lebensbedrohliche Pilzinfektionen. Im April wird es zur Zulassung eingereicht. Die Experten von Prudential schätzen das Umsatzpotenzial für die Wirkstoffklasse auf 1,5 Mrd. $.

Das aussichtsreichste Medikament von Adolor ist Almivopan. Es befindet sich in Phase III und wirkt gegen gestörte Darmtätigkeit nach Operationen. Bislang müssen Patienten deshalb oft länger als nötig im Krankenhaus bleiben. OSI Pharmaceuticals entwickelt vor allem Krebsmittel. Drei sind in Phase III. Aussichtsreichster Kandidat ist Tarceva, für das Mitte des Jahres Ergebnisse erwartet werden.

Risiken sind bei allen Kandidaten die Nichtzulassung von Medikamenten und negative klinische Ergebnisse. "Dann drohen Verluste von 40 bis 60 %", sagt Virchow. Bei positiven Ergebnissen aber betrage allein der Tagesgewinn erfahrungsgemäß zwischen 20 und 30 %. Vorsichtige Anleger können die Entscheidungen abwarten. Weitere Kursgewinne sind bei positiven Ergebnissen fast garantiert.

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