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08.01.2002

19:00 Uhr

Neue Modelle zeigen eine deutsche Handschrift

Bei Chrysler wächst der Einfluss von Mercedes

Ähnlichkeiten sind unverkennbar. Der neue Chrysler Pacifica und die Mercedes-Studie GST sollen den Sports-Tourer, eine neue Fahrzeugklasse, begründen: die Mischung aus Kombi und dem typisch amerikanischen, sportlichen Geländewagen ("SUV").

zel DETROIT. Drei Jahre nach der Fusion ist erstmals auch auf der Produktseite zu sehen, dass die einst eigenständigen Unternehmen Daimler-Benz und Chrysler aufeinander zugehen. Ein weiteres Modell, das in Detroit ausgestellt wird, unterstreicht diese Entwicklung: der Chrysler Crossfire. Er wird in Deutschland gebaut und bekommt zu mehr als 30 % Komponenten von Mercedes.

Dem deutschen Chrysler-Chef Dieter Zetsche kommt die Präsentation auf der größten amerikanischen Automobilmesse gerade recht. "Hoffentlich kann ich hier mehr über Produkte reden und nicht immer nur über unser Restrukturierungsprogramm", sagt der Manager, der seit gut einem Jahr an der Spitze der US-Sparte von Daimler-Chrysler steht. Wegen Verlusten in Milliardenhöhe hatte Zetsche im Februar 2001 ein schmerzhaftes Sanierungsprogramm verkünden müssen: 26 000 Arbeitsplätze gehen verloren, sechs Fabriken machen dicht.

Vor einem Jahr, als Chrysler sein Sanierungsprogramm aufgelegt hatte, waren die äußeren Bedingungen günstiger. Die US-Volkswirtschaft steckte noch nicht in der Rezession; es gab keine Terroranschläge, die am Verbrauchervertrauen nagten. Die Auswirkungen auf dem US-Automarkt greifen jetzt tiefer: Die Branche stellt sich darauf ein, dass der Absatz in diesem Jahr wohl um 10 % schrumpfen wird.

Chrysler gibt sich dennoch optimistisch, die eingeleiteten Sanierungsschritte nicht noch einmal verschärfen zu müssen. "Im ersten Jahr haben wir mehr erreicht, als wir erwartet haben", betont Wolfgang Bernhard, als stellvertretendes Vorstandsmitglied bei Chrysler verantwortlich für die Produktion. 19 000 Arbeitsplätze seien im vergangenen Jahr abgebaut worden. "Die Situation ist unter Kontrolle, der Erfolg ist da", sagt er.

In Börsen- und Finanzkreisen gibt es allerdings Zweifel, dass das bestehende Sanierungsprogramm ausreichen wird. "Im Pkw-Bereich muss etwas passieren", glaubt Markus Plümer, Automobilanalyst bei der WestLB in Düsseldorf. Besonders Neon, der kleinste Pkw aus dem Chrysler-Modellprogramm, verkaufe sich schleppend. Möglicherweise werde es noch in 2002 eine Entscheidung über den Fortbestand des Neon-Werks geben.

Die Zusammenarbeit mit Mercedes wird auf jeden Fall als hilfreich angesehen, Chrysler dauerhaft zu stabilisieren. Auch die Amerikaner bei Chrysler begrüßen den wachsenden Einfluss von Mercedes. "Es gibt keine Probleme damit, dass der Crossfire aus Deutschland kommt", sagt Marketing-Chef James Schroer. Mercedes könne dazu beitragen, das Qualitätsimage von Chrysler zu verbessern.

Chrysler wird jedoch in Zukunft auch von anderer Seite beeinflusst. Die US-Marke soll bald verstärkt mit Mitsubishi Motors (MMC) Produktionstechniken und Bauteile austauschen. MMC ist der dritte Partner im Bunde, der Daimler-Chrysler-Konzern hält gut 37 % am japanischen Automobilhersteller. Im Jahr 2005 soll das erste Chrysler-Modell auf dem Markt sein, das die Bodengruppe mit einem Mitsubishi-Modell teilen wird.

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