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02.05.2003

22:30 Uhr

Neue Strategie der USA im Nahen Osten

Powell will Syriens Verhalten überprüfen

Auf seiner ersten Reise in den Nahen Osten seit mehr als einem Jahr ist US-Außenminister Colin Powell am Freitagabend in der syrischen Hauptstadt Damaskus eingetroffen. Dort will er am Samstag mit dem syrischen Präsidenten Baschar el Assad zusammenkommen.

Reuters DAMASKUS. Ziel seines Besuchs sei es, auszuloten, inwieweit die syrische Führung die neue Strategie der USA im Nahen Osten verstanden habe und auch bereit sei, darauf einzugehen, erläuterte Powell vor Journalisten auf dem Flug nach Damaskus. Powell wird nach Einschätzung von Beobachtern unter anderem darauf dringen, dass Syrien seine Unterstützung für militante Moslemgruppen und radikale Palästinenser-Organisationen aufgibt.

Im Libanon versteht sich Syrien, das dort mit Tausenden Soldaten vertreten ist, als Ordnungsmacht. Im Libanon ist die radikale Organisation Hisbollah aktiv, die einen jahrelangen Guerrilla-Krieg gegen Israel und seine im Südlibanon eingerichtete Pufferzone geführt hat.

Nach US-Einschätzung hat der Sturz des irakischen Präsidenten Saddam Hussein die strategische Lage in der Region verändert. "Ich werde sie (die syrische Führung, Red.) drängen, (...) ihre Politik aus der Vergangenheit zu überprüfen und zu entscheiden, ob diese Politik im Licht der neuen, veränderten Situation noch gültig ist", sagte Powell. Schon im Vorfeld des Powell-Besuchs hatte der syrische Außenminister Faruk el Schara die USA freilich davor gewarnt, mit Forderungen zu kommen. Syrien sei bereit zum Dialog, akzeptiere aber keine Ultimaten.

Ob Syrien Konsequenzen drohen könnten, sollte es sich den Wünschen der USA nicht fügen, ließ Powell offen. Er wolle nicht über Konsequenzen spekulieren, sagte Powell. Darüber werde erst später entschieden, "nachdem wir gesehen haben, wie das Verhalten ist, ob es geändert wird oder nicht."

Die USA hatten Syrien während des Irak-Krieges vorgeworfen, das Land gewähre flüchtenden irakischen Regierungsmitgliedern Unterschlupf. Syrien hat dies ebenso bestritten wie den US-Vorwurf, das Land entwickle chemische Waffen.

Ausweichend antwortete Powell auf Journalisten-Fragen nach dem US-Vorwurf, aus dem Irak seien möglicherweise Massenvernichtungswaffen nach Syrien geschmuggelt worden. "Was das Material betrifft, das über die Grenze ging, haben wir gewisse Sorgen", sagte Powell.

Powell will in der kommenden Woche erneut die Region bereisen und dabei auch mit dem israelischen Ministerpräsidenten Ariel Scharon und dem neuen palästinensischen Ministerpräsidenten Mahmud Abbas zusammentreffen.

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