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14.02.2002

00:24 Uhr

Neue Studie

E-Government: Deutsche Städte sammeln schlechte Noten

VonMartin Bünnagel

Deutschlands Städte bauen ihre virtuellen Verwaltungen weiterhin nur schleppend auf und nutzen das Potenzial des Internets bei weitem noch nicht aus. Dies ist Ergebnis einer von der Unternehmensberatung Accenture durchgeführten Studie zum Thema "E-Government in Deutschland - Anspruch und Wirklichkeit". Vergleichbare Studien von Unternehmensberatungen hatten den Internet-Auftritten deutscher Städte und Gemeinden in Vergangenheit wiederholt schlechte Noten ausgestellt.

DÜSSELDORF. Insgesamt seien 14 Bevölkerungszentren in Deutschland analysiert worden, teilte Accenture mit. Internet-Sieger der Untersuchung, bei der nach Angaben des Unternehmens 45 verschiedene Dienstleistungen ins Visier genommen wurden, sei die Stadtverwaltung Bremen geworden. Das Onlineangebot der Freien Hansestadt wurde bereits zweimal als bestes Stadt-Informationssystem Deutschlands ausgezeichnet. Sowohl die Computerzeitschrift "Computerbild" als auch das Magazin "Focus" listeten Bremen.online auf Platz 1 unter den Internetangeboten der deutschen Städte. Nach der Accenture-Studie leistet sich Magdeburg derzeit den schlechtesten Online-Auftritt.

Dienstleistungen qualitativ und quantitativ ausbaufähig

Holger Bill, Partner bei Accenture, teilte weiter mit, die online angebotenen Dienstleistungen der öffentlichen Verwaltungen seien sowohl qualitativ als auch quantitativ ausbaufähig. Untersucht worden seien Dienstleistungen wie etwa Möglichkeiten zur Adressänderung, Beantragung von Heiratsurkunden oder KFZ-Anmeldungen. Die Qualität sei nach den Kriterien Umfang- und Entwicklungsgrad der Dienstleistung eingestuft worden.

Demnach lege ein Großteil der untersuchten Städte den Schwerpunkt auf eine reine Veröffentlichung von Informationen, teilte Accenture weiter mit. Lediglich in Einzelfällen würden effiziente interaktive Online-Dienste angeboten. Grundlegende Neuerungen, wie strenger Datenschutz und die digitale Signatur, setzten die Stadtverwaltungen in ihren Internetauftritten nur langsam um.

Finanznöte der Kommunen gefährden E-Government-Projekte

Zu ähnlichen Resultaten waren in den vergangenen Monaten auch andere Unternehmensberatungen gekommen. So müsse man sich in Deutschland für wichtige Formalitäten nach wie vor auf Ämtertour begeben, teilte Mummert und Partner im Oktober vergangen Jahres mit. Auf den aufwändig gestalteten Sites fänden sich häufig lediglich Öffnungszeiten und Adressen der wichtigsten Ämter. Pricewaterhouse-Coopers ermittelte, dass nur jede zehnte Stadtverwaltung eine klare Strategie verfolge. Zusätzlich behinderten unklare rechtliche Rahmenbedingungen, ein Mangel an qualifiziertem Personal sowie finanzielle Engpässe die Einführung virtueller Verwaltungen.

Ebenso wie Mummert und Partner und Pricewater-Coopers sieht auch die Unternehmensberatung Accenture in fehlenden finanziellen Mitteln, gesetzlichen Hürden, technischen und strukturellen Defiziten und politischen Hindernissen die Probleme für Städte und Gemeinden bei der Umsetzung ihrer E-Government-Projekte. Nach Einschätzung von Mummert zahlen die Gemeinden ihren angestellten Programmierern zu wenig und verlieren den Wettbewerb mit der freien Wirtschaft um die IT-Experten.

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