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17.01.2003

09:46 Uhr

Neue Töne in der Welt der Formel 1

„Das Geld verdirbt den Rennsport“

VonElmar Brümmer (Handelsblatt)

So deutlich hat es noch keiner gesagt, und ein Würdenträger schon gar nicht: "Rennsport wird durch das Geld verdorben. In der Formel 1 wird Geld für Dinge verschwendet, ohne dass sie der Unterhaltung der Öffentlichkeit dienlich sind. Aus Sicht des Zuschauers ist diese Verschwendung sogar noch schlimmer, da der große Aufwand in diesen Dingen dem Wettbewerb schadet."

MADONNA DI CAMPIGLIO. Max Mosley, Präsident des Motorsportweltverbandes FIA, hat es nicht beim Eintrag ins Stammbuch der PS-Branche belassen, sondern in einer noch nie da gewesenen Machtdemonstration sieben Wochen vor Beginn der Saison eine Radikalreform durchgepaukt, die gleichzeitig die Kosten senken und die Attraktivität erhöhen soll. Schlussendlich hat der britische Anwalt mit dem Argument von Gefahr im Verzug (die Probleme der Teams von Minardi und Jordan bedrohen ein adäquates Starterfeld) seine Bedingungen für eine bessere Zukunft diktiert.

Mosley war verärgert darüber, dass die Rennstallbesitzer trotz sinkender Einnahmen und steigender Kosten und mehrfacher Aufforderung seit vergangenem Herbst nicht in der Lage waren, einen gemeinsamen Sparkurs zu finden. Die beschlossene sanfte Reglementkosmetik war ihm zu wenig.

Mosley konnte das eigentlich für Regeländerungen technischer Art notwendige Einvernehmen aller zehn Teams aushebeln, in dem er nicht einen neuen Paragrafen einfügte, sondern eine rigorosere Anwendung der bestehenden verfügte. Beispiel Paragraf 61, der simpel besagt, das ein Fahrer sein Auto ohne fremde Hilfe bewegen können muss. Nach der neuen Auslegung heißt das: Alle im Vorjahr erst wieder erlaubten elektronischen Hilfen (Startautomatik, Traktionskontrolle) werden verboten, Datenübertragung und Boxenfunk gleich mit.

Auch die festgelegte Macht der Sportkommissare wird künftig ausgespielt: Ersatzautos sind verboten, zwischen Qualifikation und Rennen darf nicht mehr Hand an die Wagen gelegt werden. Umsetzung umgehend. Die echte Revolution soll in Jahresschritten folgen: 2004 sollen Einheitsbremsen und-Heckflügel vorgeschrieben werden, 2005 muss jeder Motor zwei Rennwochenenden durchhalten, von 2006 an sogar sechs Rennen.

Auf lange Sicht spart das jede Menge Geld, kostet aber auch ein Stück des High-Tech-Images, das die Formel 1 prägt. Im FIA-Bulletin hat man in dieser Beziehung keine Sorgen: "Ein Nebeneffekt der technischen Änderungen wird sein, dass die Rennen weniger vorhersehbar sind und aus diesem Grund interessanter werden."

Eigentlich ist das der Kern. Der Sport muss sich der Show unterordnen, die Rezession macht sowas durchsetzbar. Noch aber ist es nicht soweit: Heute soll die Technische Kommission der Formel 1 die Mosley-Ideen auf ihre sofortige Umsetzbarkeit prüfen. Deren Ergebnis bleibt abzuwarten.

Weltmeister Michael Schumacher steht den Änderungen positiv gegenüber, rügt aber den Zeitpunkt: "So eine Hauruck-Aktion war nicht unbedingt notwendig." Er erfuhr bei der traditionellen Skiausfahrt von Ferrari auf einer Hütte in den Dolomiten von seiner neuen Arbeitsplatzbeschreibung. Vom Grundsatz her geht er mit Mosley konform: "Die Formel 1 muss sich genauso an die Zeiten anpassen, wie es andere Sportarten oder Wirtschaftsunternehmen tun müssen." Was vom 9. März an, dem Saisonstart, zu beweisen ist.

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