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11.03.2003

11:20 Uhr

Neue Umfrage

Widerstand gegen Blairs harten Irak-Kurs wächst

Eine deutliche Mehrheit der Briten glaubt, dass Washington und London bislang keine überzeugenden Gründe für einen Krieg gegen den Irak vorgelegt hätten.

HB/dpa LONDON. Der harte Irak-Kurs des britischen Premierministers Tony Blair stößt auf immer stärkeren Widerstand im eigenen Land. Nach einer am Dienstag in der Zeitung "The Times" (London) veröffentlichten Umfrage glaubt die deutliche Mehrheit der Bevölkerung (62 %) in Großbritannien nicht, dass die Regierungen in London und Washington bislang überzeugende Gründe für einen Krieg gegen Saddam Hussein vorgelegt haben. Im Februar hatten sich 57 % der Interviewten skeptisch geäußert.

In der aktuellen Umfrage sprachen sich 52 % der 1000 Befragten dafür aus, britische Soldaten nur dann Seite and Seite mit US-Streitkräften in einen Krieg ziehen zu lassen, wenn die Militäraktion von den Vereinten Nationen durch eine neue Resolution gebilligt wird. 24 % sprachen sich gegen jede Art von Krieg gegen den Irak aus. Nach dem Zeitungsbericht verliert Blair für seine Position, sich notfalls auch ohne UN-Billigung an einem Irak-Krieg zu beteiligen, vor allem zunehmend die Unterstützung von Anhängern seiner eigenen Labour-Partei.

Gleichzeitig formiert sich in der Partei offenbar verstärkt der Widerstand gegen den Premier. Wie die BBC berichtete, will eine Gruppe von Labour-Abgeordneten den Führungsanspruch Blairs offen in Frage stellen, wenn er Soldaten ohne zweite UN-Resolution in den Krieg schicken sollte. Briefe, in denen für diesen Fall ein Sonderparteitag gefordert wird, seien bereits gedruckt, hieß es. Sie sollen an Abgeordnete, Gewerkschaftsführer und angegliederte Organisationen geschickt werden.

Erst am Sonntag hatte Entwicklungshilfeministerin Clare Short ihren Rücktritt für den Fall angekündigt, dass Blair ohne Zustimmung der UN in einen Irak-Krieg ziehen sollte. Short, die dem linken Flügel der Labour-Partei angehört, warf Blair außerdem "außergewöhnliche Rücksichtslosigkeit" im Umgang mit seiner Partei, der öffentlichen Meinung und "seiner eigenen politischen Zukunft" vor. Zwar blieb sie trotz ihrer Äußerungen zunächst im Amt. Beobachter meinten jedoch, der Premierminister halte derzeit nur noch an ihr fest, um die parteiinterne Anti-Kriegsstimmung nicht noch weiter anzuheizen.

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