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27.03.2003

10:31 Uhr

Neue Ziele und mehr Verbindungen ins Reich der Mitte

Lufthansa sucht Erfolgserlebnisse in Fernost

Trotz Irak-Krieg und weltweit abflachender Konjunktur gilt die Volksrepublik China noch als Boomland des Luftverkehrs. Die Lufthansa stockt im Sommer ihre Verbindungen ins Reich der Mitte um sechs Flüge pro Woche auf. Allerdings sehen Luftfahrtexperten auch in der Asien-Pazifik-Region dunkle Wolken am Horizont.

mg/dp PEKING/SINGAPUR. Die von Umsatzausfällen, Sparrunden und immer neuen Flugzeugstilllegungen gebeutelte Deutsche Lufthansa AG sucht Erfolgserlebnisse in Fernost. China gilt in der internationalen Luftfahrt als der letzte große Wachstumsmarkt weltweit. Im Sommerflugplan wird die Kranich-Linie pro Woche sechs zusätzliche Flüge von und nach China anbieten. Das will Lufthansa - Vorstand Thierry Antinori am Samstag in Schanghai bekannt geben. Die Reservierungscomputer der Reisebranche bieten die neuen Flüge schon an.

Der Direktor der Administration of Civil Aviation of China (CAAC), Yang Yuanyuan, schätzt den Zuwachs der zivilen Luftfahrt im Reich der Mitte bis 2020 auf jährlich 10 %. Getragen wird der Luftfahrtboom vom hohen Wachstum des Bruttoinlandsprodukts von zuletzt 8,1 %, vom starken Frachtverkehr sowie dem rasant wachsenden Tourismus, der mittlerweile ein Schwungrad der Konjunktur geworden ist. China gilt nach Thailand schon als zweitwichtigstes Ziel für Asien-Touristen und soll bis zum Ende des nächsten Jahrzehnts 180 Mill. Besucher aus anderen Ländern empfangen.

Zudem wächst die Zahl der ins Ausland reisenden Chinesen. Die deutschen Reisekonzerne Tui und Thomas Cook, die sich für den chinesischen Inlandsmarkt interessieren, schätzen das Potenzial bereits auf 80 Mill. Reisende pro Jahr. Seit Mitte Februar dürfen chinesische Touristen unter dem ADS-Siegel (Authorized Destination Status) Gruppenreisen nach Deutschland unternehmen. Lufthansa profitiert davon als Marktführer auf den Chinastrecken kräftig. "Wir rechnen in diesem Jahr mit 20 000 Chinesen, die nach Deutschland wollen", sagte der Pekinger Unternehmens-Repräsentant, Peter Emmerich. Schon Ende Januar seien 5 000 Flüge gebucht gewesen. Die hohe Nachfrage spüren auch Deutsche, die in China arbeiten. Heimflüge müssen oft drei Monate im Voraus reserviert werden, um nicht auf der Warteliste zu landen.

Lufthansa bietet derzeit tägliche Verbindungen von Frankfurt nach Peking und Schanghai sowie drei Wochenflüge München-Schanghai an. Letztere Route wird ab 1. April täglich bedient. Vom 1. Juli an geht es zudem dreimal in der Woche von München nach Peking. Lufthansas Codesharing-Partner Air China baut seine Frequenzen zwischen Schanghai und Frankfurt ebenfalls zur täglichen Verbindung aus.

Die Euphorie der deutschen Airline in Asien teilen längst nicht alle Marktbeobachter. "Das Jahr 2003 ist eine Zeit für Vorsicht , nicht für Selbstzufriedenheit", warnt Peter Harbison vom Asiatisch-Pazifischen Luftfahrtzentrum (Capa) in Sydney. Zwischen Sydney, Singapur und Hongkong komme es bereits knüppeldick für die Branche. Bislang vom globalen wirtschaftlichen Niedergang verschont, spüren die Airlines in Asien einen doppelten Schlag: Neben dem Irakkrieg lässt auch die gefährliche Lungenkrankheit SARS die Buchungen einbrechen

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Zwar dürfte Asien-Pazifik global der attraktivste Wachstumsmarkt bleiben. Dennoch könnte 2003 für einige Airlines in Fernost ein Jahr des Überlebenskampfes werden, warnt Shukor Yusuf von Standard & Poor?s in Singapur: "Nicht nur wegen des Irakkriegs, sondern auch wegen der anhaltenden Furcht vor Terror-Anschlägen auf die zivile Luftfahrt." Dabei hatten die asiatisch-pazifischen Fluglinien, im Gegensatz zur globalen Luftfahrtindustrie, 2002 ein solides Wachstum vorgelegt. Doch inzwischen hagelt es auch dort Sparprogramme. So hat die nationale Gesellschaft Singapore Airlines (SIA), eine der profitabelsten Fluggesellschaften der Welt, nach Ausbruch des Irakkriegs 10 % ihrer Flüge eingestellt. Auch Thai Airways, Sri Lankan Airlines und Korea Air Lines haben auf den Krieg im Irak mit der Schließung von Routen reagiert. Timothy Ross, Luftfahrtanalyst bei UBS Warburg in Hongkong, erwartet im Passagierverkehr 10 % Rückgang.

Auch über die aktuellen Turbulenzen hinaus sieht sich die erfolgverwöhnte Branche der Region vor eine Herausforderung gestellt, die sie bislang nicht kannte: Den preisaggressiven Angriff der Discountflieger. "Die Billigflieger werden jetzt rasant wachsen", erwartet Flugmarktexperte Derek Sadubin von Capa in Sydney. Er sieht, gemessen an der Produktivität, nur die Gesellschaften SIA, Cathay Pacific sowie die japanische All Nippon Airlines (ANA) für diesen Wettbewerb gut gerüstet.

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