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02.01.2001

19:00 Uhr

Neuemissionen 2000 auf Rekordniveau – Emissionsflut dürfte anhalten

Analysten erwarten ein passables Jahr für Anleihen

VonAnke Rezmer

Nach dem Kurssprung europäischer Staatsanleihen im vergangenen Jahr rechnen Analysten nun mit einem moderaten Bondjahr.

FRANKFURT/M. Nach dem Kurssprung europäischer Staatsanleihen im vergangenen Jahr rechnen Analysten nun mit einem moderaten Bondjahr. So lange der Konjunkturpessimismus erhalten bleibt, dürften die Kurse klettern, danach droht ein Rückschlag. Pfandbriefe sollen attraktiver werden, Firmenbonds sich mit den Aktien erholen.

Auf das gute Anleihejahr 2000 könnte ein ordentlicher Auftakt 2001 folgen, erwarten Analysten. Bereits in dieser Woche wird Kapital in Höhe von knapp 42 Mrd. frei, für das Anleger nach Ansicht von Bondexperten Zinspapiere kaufen dürften. Investoren erhalten Zinszahlungen über 7,8 Mrd. aus deutschen Staatsanleihen, zudem zahlt der Bund den AfW-Floater (Schulden aus dem Ausgleichsfonds Währungsumstellung für die Wiedervereinigung) über gut 34 Mrd. zurück. Eine rege Nachfrage treffe 2001 erneut auf ein hohes Angebot neuer Bonds, meinen Analysten. Nachdem 2000 neue Anleihen im Rekordwert von rund 1,43 Bill. US $ auf den internationalen Kapitalmarkt kamen, erwarten sie bereits im Januar viele Milliarden-Emissionen internationaler Schuldner wie des US-Hypothekenfinanzierers Freddie Mac, der Kreditanstalt für Wiederaufbau, europäische Banken und Telekomanbieter. Weil Anleger Wert auf liquide Bonds legen, begeben die Emittenten voraussichtlich höhere Volumina.

Insgesamt erwarten Analysten ein passables Jahr für die am europäischen Markt bestimmenden Staatsanleihen. In den ersten Monaten dürften die Kurse weiter anziehen, ihre Renditen daher sinken. Nachdem die Rendite für die zehnjährige Bundesanleihe 2000 bereits um 12 % auf 4,84 % nachgab, sei 2001 ein Rückgang bis auf 4,3 % drin. So lange Konjunkturpessimismus am Markt kursiere - wohl bis zum Frühjahr - legten die Kurse weiter zu, sagt Jan Holthusen von der DG Bank. Christoph Rieger von der Commerzbank rechnet sogar damit, dass die US-Rezessionsangst bis zum Sommer die Märkte bestimmt. Besonders kurzfristige Staatsanleihen dürften von einer im Januar erwarteten US-Zinssenkung profitieren, sagt er. Auch bei der Europäischen Zentralbank sei der Tonfall zur Zinspolitik moderater, zumal die Inflation zurückgehe.

Auf Sicht eines halben Jahres bestehe aber Gefahr eines Kursrückschlags, meint Holthusen. Die Renditen für US-Staatsanleihen lägen auf Rezessionsniveau. Analysten erwarteten aber, dass der US-Konjunktur eine so genannte sanfte Landung auf einem stabilen Wachstumspfad gelinge. Holthusen sieht die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe Ende 2001 bei 5,5 %. Andere Experten nennen 5 %.

Bei Pfandbriefen, deren Kursentwicklung 2000 hinter der von Staatsanleihen zurück blieb, erwarten Analysten meist keine weitere Vergrößerung des Renditeabstands. "Pfandbriefe sind billig und attraktiv", sagt Holthusen. Auf Sicht von zwölf Monaten dürfte sich der Renditevorsprung bei Zehnjahrespapieren von knapp 0,7 PP etwas verringern, was im Vergleich zu Staatstiteln Kursgewinne verheißen würde. Für Pfandbriefe spricht nach Ansicht von Ted Packmohr von Dresdner Kleinwort Benson (DKB) auch das sinkende Emissionsvolumen, das nach seiner Schätzung um gut 20 % auf brutto 70 Mrd. zurückgehen dürfte. So lange die Liquidität nicht gefährdet sei, zeige dies, dass Hypothekenbanken im weiter schwierigen Zinsumfeld ihre strikte Geschäftspolitik nicht Marktzuwächsen opferten.

Analysten sind uneins über Unternehmensanleihen

Wann die 2000 stark gebeutelten Unternehmensanleihen wieder zulegen, darüber streiten die Analysten. David Hewitt von DKB meint, dass in den enormen Renditevorsprüngen zu Staatstiteln und Geldmarktzinsen (Spreads) ein so genanntes Hardlanding - also eine Rezession - in den USA eingepreist sei. Die Spreads hätten daher eine Chance auf Stabilisierung. Jedoch dürfe man nicht unterschätzen, dass infolge gesunkener Liquidität die Anfälligkeit für Kursschwankungen zugenommen habe.

Dagegen hält sich der Optimismus von Claus Huber von der Deutschen Bank wegen der andauernden Aktienschwäche in Grenzen. Er empfiehlt Anlegern allenfalls Bonds mit gutem Rating von "AA" bis "A". Von Telekom-Titeln aber raten alle Analysten ab. Die Firmen seien stark verschuldet, bräuchten aber weiteres Kapital zur Finanzierung hoher Investitionen.

Der Trend zur Verbriefung von Schulden beflügelt auch das jüngste europäische Bond-Segment: Forderungsunterlegte Wertpapiere, Asset-Backed-Securities (ABS), verdoppeln 2001 nach Schätzung von Birgit Specht, DKB, ihr Volumen fast auf 115 Mrd. Dabei kämen zunehmend Firmen und öffentliche Emittenten auf den Markt.

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