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08.01.2002

19:00 Uhr

Neuemissonen an großvolumigen Pfandbriefen nur auf Vorjahresniveau erwartet

Schwierige Zeiten für den Jumbo-Markt

VonAndrea Cünnen

Der Markt für Jumbo-Pfandbriefe steht vor zahlreichen Herausforderungen. Die geplante Quellensteuer macht es nach Meinung vieler Analysten unmöglich, einen Großteil der Papiere weiter aufzustocken. Zudem bleibt das Umfeld für Hypothekenbanken - dem größten Emittenten von Pfandbriefen - schwierig.

hb FRANKFURT/M. Der Markt für Jumbo-Pfandbriefe steht im ersten Quartal diesen Jahres vor einer großen Herausforderung. Grund ist die geplante einheitliche Quellensteuer in der Europäischen Union. Die wird zwar frühestens 2004 kommen. Doch nur noch bis zum 28. Februar diesen Jahres können Pfandbriefe, die vor dem 1. März 2001 begeben worden sind, problemlos aufgestockt werden. Wenn diese Übergangsregelung ausläuft, werden Aufstockungen schwierig, viele Analysten meinen sogar unmöglich.

Das Problem ist, dass die Aufstockung nach der EU-Richtlinie der Quellensteuer unterliegen muss, der ursprüngliche Pfandbrief jedoch nicht. Dadurch sind Aufstockung und ursprünglicher Pfandbrief nicht mehr austauschbar. Praktisch bedeutet dies zum Beispiel, dass die Papiere unterschiedliche Wertpapierkenn-Nummern bekommen. Damit handelt es sich dann um zwei Wertpapiere, und die Liquidität der einzelnen Jumbos ist gefährdet. Das wiederum erschwert den Handel mit den Jumbos.

Pfandbriefe sind mit Hypotheken oder Krediten an die öffentliche Hand gedeckte Bankenanleihen. Die so genannten Jumbo-Pfandbriefe haben ein Volumen ab 500 Mill. Euro.

Das würde den Jumbo-Pfandbriefmarkt drastisch verändern, denn dort sind Aufstockungen besonders beliebt. So wurden im vergangenen Jahr nach Berechnungen der DZ Bank Jumbos über rund 36 Mrd. Euro aufgestockt und nur über 33 Mrd. Euro neu begeben. Insgesamt waren per Jahresultimo Jumbo-Pfandbriefe über gut 400 Mrd. Euro im Umlauf (siehe Tabelle). Der Pfandbriefmarkt insgesamt mit einem Volumen von über 830 Mrd. Euro ist der größte Anleihemarkt in Europa.

Gut 95 % der ausstehenden Jumbo-Pfandbriefe sind von der neuen Regelung betroffen, meint Christoph Anhamm von ABN Amro. Ein Viertel der Papiere habe ein Volumen von weniger als 1 Mrd. Euro. Bei diesen weniger liquiden Jumbos ist es nach Meinung von Händlern für die Market Maker schwierig, regelmäßig An- und Verkaufskurse innerhalb bestimmter Kursbandbreiten zu stellen.

Theoretisch können die Emittenten ihre Pfandbriefe jedoch weiter wie gewohnt aufstocken, sagt Ralf Grossmann von CDC Ixis Capital Markets. Dann unterläge die gesamte Emission der Quellensteuer. Anhamm meint jedoch wie zum Beispiel auch Annegret Hasler von Commerzbank Securities, dass sich die Emittenten an den Vorschlag der Richtlinie halten werden, und es ab März 2002 keine Aufstockungen von älteren Anleihen mehr geben wird. Wie die Hypotheken- und Landesbanken, deren Hauptrrefinanzierungsinstrument Pfandbriefe sind, verfahren werden ist noch nicht klar. So trifft sich der Pfandbriefausschuss des Bundesverbands Deutscher Hypothekenbanken erst am kommenden Mittwoch, um das Thema zu beraten. Als sicher gilt nur, dass viele Emittenten die Zeit noch nutzen werden, um ihre Jumbos vor Ablauf der Frist aufzustocken.

Insgesamt erwarten Analysten für das kommende Jahr Aufstockungen und Neuemssionen über 60 bis 75 Mrd. Euro. Der größte Emittent dürfte dabei die neue Eurohypo AG sein - die aus Fusion der Hypothekenbanktöchter der Dresdner Bank (Deutsche Hyp), der Deutschen Bank (Eurohypo) und der Commerzbank (Rheinhyp) entstanden ist. Dabei werde die neue Eurohypo vor allem mit Hypotheken gesicherte Pfandbriefe emittieren, meint Jörg Birkmeyer von der DZ Bank. Das würde die Gewichtung innerhalb des Marktes verändern. Im vergangen Jahr hatten die mit Hypotheken gedeckten Pfandbriefe nur einen Anteil von 15,5 Prozent an den Neuemissionen und Aufstockungen. Mit Staatskrediten besicherte Papiere - so genannte Öffentliche Pfandbriefe - machten den weit größeren Anteil aus.

Die Konsolidierung unter den deutschen Hypothekenbanken wird auch weiter ein wichtiges Thema bleiben (vgl. Handelsblatt vom 8. Januar). Denn das Geschäftsumfeld für die Institute wird schwierig bleiben. So belaste der Konjunkturabschwung den Immobilienmarkt, meint Grossmann. Dagegen stünde allerdings der höhere Finanzbedarf des öffentlichen Sektor. Anhamm glaubt dagegen, dass gerade der Bund und der Länder sich zunehmend am Anleihemarkt und weniger über Kredite refinanzieren werden.

Der Trend des vergangenen Jahres, dass Pfandbrief-Investoren stärker nach den Emittenten diversifizieren, wird sich sich laut Analysten in diesem Jahr fortsetzen. Insgesamt sollten sich die Pfandbriefe nicht so gut entwickeln wie im vergangen Jahr. Da hatten sich die Risikoaufschläge von Jumbo mit Laufzeit von zehn Jahren von 0,60 auf 0,28 Prozentpunkte eingeengt.

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