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31.03.2003

08:05 Uhr

Neuer Anschlag auf US-Truppen in Kuwait

USA richten sich auf einen langen Krieg ein

Der Vormarsch der US-Truppen auf Bagdad ist zum Stoppen gekommen. Angesichts heftiger Gegenwehr müssen Briten und Amerikaner ihre Truppen im Irak um 100 000 Soldaten aufstocken.

HB/bac BAGDAD/WASHINGTON. Angesichts der heftigen irakischen Gegenwehr haben sich die USA offenbar von ihrem Konzept verabschiedet, den Irak in einem nur wenige Wochen dauernden Blitzkrieg besiegen zu können. US-Oberbefehlshaber Tommy Franks dementierte zwar Berichte, wonach der Vormarsch der alliierten Bodentruppen auf Bagdad für mehrere Wochen gestoppt werden solle. Franks schloss aber nicht mehr aus, dass der Krieg sich bis in den Sommer hinziehen könnte. Zuletzt standen US-Einheiten etwa 100 Kilometer südlich der irakischen Hauptstadt.

Die USA kündigten an, die rund 125 000 amerikanischen und britischen Soldaten würden bis Ende April um weitere 100 000 Soldaten verstärkt. Gleichzeitig gerät US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld, der das Blitzkriegs-Konzept vertreten hat, auch in den USA in die Kritik. "Mit seinem Vorstoß für eine massive Luft-Kampagne bei gleichzeitigem Einsatz von nur kleinen, leichten Bodenverbänden habe er sich über den Rat von Generälen hinweggesetzt", zitierte die "Washington Post" verschiedene US-Offiziere. "Rumsfeld wusste immer alles besser", sagte ein hochrangiger Pentagon-Planer. Bevor eine große Bodenoffensive gegen Saddams Elitetruppe Republikanische Garden gestartet werden könne, müssten Kampfkraft und Nachschublinien der amerikanischen Truppen deutlich verstärkt werden, sagten die Offiziere.

Britische Elitesoldaten sind gestern nach Angaben eines Militärsprechers mit Panzern ins Zentrum der zweitgrößten irakischen Stadt Basra vorgestoßen und haben Statuen des Machthabers Saddam Hussein zerstört. Britischen Angaben zufolge wurde dabei ein irakischer General gefangen genommen und ein Oberst der Republikanischen Garde getötet. Der General ist der bislang ranghöchste Kriegsgefangene.

Auch die Hauptstadt Bagdad stand unter massivem Beschuss. Südlich von Bagdad flogen die Alliierten Luftangriffe auf Stellungen der Republikanischen Garden, die dort einen Verteidigungsring bilden. Kämpfe wurden auch aus anderen Städten gemeldet.

Die irakische Führung rief zu weiteren Selbstmordattacken gegen die Alliierten auf. Dafür stünden 4000 "Gotteskrieger" bereit, sagte ein Militärsprecher in Bagdad. Bei Nadschaf hatte sich am Samstag erstmals seit Beginn des Krieges ein Iraker in die Luft gesprengt und vier US-Soldaten mit in den Tod gerissen. In Kuwait fuhr gestern ein Lastwagenfahrer nach Angaben des arabischen Fernsehsenders El Dschasira absichtlich mitten in eine Gruppe von US-Soldaten. Ein US-Militärsprecher in Kuwait bestätigte den Vorfall im US-Militärlager El Udairi. Es habe mehrere Verletzte gegeben.

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