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29.01.2002

19:00 Uhr

Neuer Geschäftsführer der Essener WAZ-Gruppe

Bodo Hombach: Die dritte Karriere des Kommunikators

VonK. Kindermann und H.-P. Siebenhaar

Zurück in die Wirtschaft: Der frühere Preussag-Manager und EU-Koordinator Hombach managt künftig den verschwiegenen Medienkonzern WAZ-Gruppe.

HB ESSEN. Direkt hinter der europaweit bekannten Caravan-Meile, unmittelbar vor dem Mülheimer Dörfchen Saarn liegt der Gasthof, der ganz nach dem Geschmack von Bodo Hombach ist. Er komme jetzt wieder häufiger, verriet der hohe Gast neulich dem Chef des Hauses, der so ausgezeichnete Bauern-Enten, so frischen Wirsing und so gut gewürzte Blutwurst zu servieren versteht. Wenn der schwergewichtige Balkan-Koordinator Hombach etwas in den zwei Jahren in Diensten der EU vermisst haben dürfte, dann wohl dieses Stück Bodenhaftung mit seiner Heimatstadt Mülheim an der Ruhr.

Doch in dieser Hinsicht wendet sich jetzt alles wieder zum Guten. Denn Bodo Hombach, bis zum Juni 1999 Gerhard Schröders Kanzleramtsminister , wird einen begehrten Job in der deutschen Wirtschaft antreten, und zwar sozusagen vor der Haustür in Mülheim. An diesem Freitag wird der 49-Jährige zur Essener Mediengruppe WAZ wechseln und dort den etwas blassen Geschäftsführer Bernd Nacke ablösen. Hombach ist dann zweiter Mann an der Konzernspitze neben WAZ-Geschäftsführer und-Gesellschafter Erich Schumann.

Erfahrungen und Kontakte in Osteuropa, die Nähe zu Kanzleramt und SPD mit deren vielfältigen Medienbeteiligungen, aber auch die Verbindungen zur NRW- Landesregierung - all das sind sicher keine Einstellungsvoraussetzungen, aber doch nützliche Hintergründe, mit denen Hombach in den Medienkonzern mit 12 000 Mitarbeitern und mehr als zwei Milliarden Euro Umsatz kommt.

Der viertgrößte Medienkonzern Deutschlands ist nicht nur der größte Regionalzeitungsverleger der Republik, sondern er hat sich auch in Österreich, Ungarn, Rumänien, Bulgarien und Serbien ein Printimperium zusammengekauft. Die Expansion geht weiter, auch in Deutschland. Hier ergeben sich manche Kaufgelegenheiten, weil bei den Konkurrenten angesichts der sinkenden Werbeeinnahmen derzeit das Geld knapp ist. Davon profitiert die finanzstarke WAZ Gruppe - und ihr neuer Geschäftsführer Hombach.

"Meine berufliche Veränderung ist eine wirkliche Zäsur für mich", sagt Hombach im Gespräch mit dem Handelsblatt. Alle diejenigen, die ihm nachsagten, er strebe trotzdem noch Mandate im politischen Raum an, lägen falsch. Im Gegenteil: "Ich werde mich der neuen Aufgabe mit aller Energie und Kreativität widmen."

Hombach weiß, wie es in der Wirtschaft zugeht. Bereits in den neunziger Jahren sammelte der Fernmeldetechniker im Preussag-Konzern reichlich Managererfahrung. Nach rund sieben Jahren schied er 1998 aus, wechselte ganz in die Politik und gab zunächst ein kurzes Gastspiel als Wirtschaftsminister von Nordrhein-Westfalen.

Kein Wunder, dass er der SPD in NRW heute kein schlechtes Zeugnis ausstellt, sondern dem Medienstandort an Rhein und Ruhr Wachstumspotenzial attestiert. Da stört es ihn auch wenig, dass dort der Boom der Film- und Fernsehbranche längst gestoppt ist. Vielleicht sieht er Chancen, mit der Wirtschaftsmacht der WAZ für neue Impulse zu sorgen? Unterstützung könnte sein früherer Vorgesetzter, Ministerpräsident Wolfgang Clement (SPD), gut gebrauchen.

Doch es gibt noch einen anderen wichtigen Ex-Chef: Gerhard Schröder. Hombach hat zum medienbewussten Kanzler weiter ein gutes Verhältnis. Daran lässt der kreative Kopf der neuen Mitte, der mehrere Wahlkämpfe der SPD geplant und begleitet hat, keinen Zweifel aufkommen.

Mit Äußerungen zur Medienpolitik hält sich Kommunikator Hombach derzeit zurück. Sein neuer Arbeitgeber zählt zu den scheuesten Zeitungskonzernen der Republik. In der Konzernzentrale gibt es nicht einmal einen Pressesprecher. Der geschäftsführende WAZ-Gesellschafter, Schumann, gilt als Meister des Schweigens.

Auch Hombach hat seit der Affäre um die Finanzierung seines Hauses in Mülheim vor knapp zwei Jahren gelernt, vorsichtig zu sein. Das Haus ist längst verkauft. Wunden sind allerdings geblieben. Mittlerweile hat der Sozialdemokrat mit seiner neuen Frau ein Appartement ganz in der Nähe erworben.

Der SPD-Mann - seit über 30 Jahren in der Partei - braucht sich nicht einzuleben. Das Ruhrgebiet kennt er wie seine Westentasche. Auch kulinarisch. Der Gasthof in Mülheim ist, wenn es der Verkehr zulässt, mit dem Auto vom Essener WAZ-Haus in 20 Minuten zu erreichen. Ein Trost nach harten Arbeitstagen im Kampf um eine hohe Umsatzrendite.

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