Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

25.01.2002

14:25 Uhr

Neuer Großrechner arbeitet ausschließlich mit Linux

IBM greift Sun mit „Raptor“ an

VonThomas Nonnast und Siegfried Grass

Mit einem neuen Großrechner - Codename "Raptor" - will IBM dem Konkurrenten Sun Marktanteile streitig machen. Sun hatte erst jüngst zusammen mit Amdahl eine Offensive gegen "Big Blue" angekündigt, mit der Anwender von Großrechnern auf Suns Unix-Plattform wechseln sollen.

FRANKFURT/DÜSSELDORF. Noch im ersten Quartal 2002 wird der Technologiekonzern International Business Machines (IBM) mit Sitz in Armonk eine Reihe neuer Netzwerkrechner (Server) an den Start schicken. Nach Informationen des Handelsblattes handelt es sich dabei um den ersten Großrechner (Zseries), der ausschließlich mit dem freien Betriebssystem Linux arbeiten wird. Darüber hinaus plant IBM im Laufe des Jahres weitere Linux-Server für kleine und mittlere Unternehmen.

Die neuen Netzwerkrechner, die zu rund 30 % niedrigeren Preisen im Vergleich zu den billigsten Modellen der entsprechenden Baureihen auf den Markt kommen sollen, zielen vor allen Dingen auf das Marktsegment der mittleren Unternehmensserver. Diese sind größtenteils mit dem Betriebssystem Unix ausgerüstet und werden für E-Commerce-Transaktionen sowie E-Business-Anwendungen eingesetzt.

In diesem speziellen Server-Segment hat bisher noch der Konkurrent Sun Microsystems mit Abstand die Nase vorn. In der vergangenen Woche erst starteten Sun und Amdahl gemeinsam einen Angriff auf IBM mit der Ankündigung von Rechnern, die Großrechner-Anwender (Mainframe) von IBM zum Wechsel auf Suns Unix-Plattform Solaris bewegen sollen.

Wolfgang Kroj, Verkaufsdirektor bei Sun, gab im Rahmen dieser Offensive bekannt, dass sich nach Sun-Berechnungen innerhalb von drei Jahren die Kosten für den Umstieg vom IBM - Großrechner auf Sun rechnen würde. Mit den neuen Modellen legt IBM im hart umkämpften Markt für Netzwerkcomputer nun nach. "Wir wollen die neuen Rechner aggressiv vermarkten und Konkurrenten spürbare Marktanteile abnehmen", kündigte Carol Stafford, Vizepräsident der Großrechnersparte von IBM an.

Sollte es IBM gelingen, nennenswerte Marktanteile auf Kosten von Sun zu ergattern, könnte es für die Sonnenkinder aus Kalifornien eng werden. Für das erste Halbjahr des laufenden Geschäftsjahres (31.12.) musste Sun einen Nettoverlust von 257 Mill. $ melden. Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum brach der Umsatz um 41 % auf knapp 6Mrd. $ ein. Im Vergleich zu Konkurrenten wie Hewlett Packard, Compaq und IBM wurde Sun besonders heftig von den Umsatzrückgängen getroffen, mit denen der Servermarkt seit dem Zusammenbruch der Internetblase zu kämpfen hat.

Hatte Sun nach Angaben von Gartner Dataquest im Segment der Unix-Server im Jahr 2000 mit einem Marktanteil von 39 % ein Vorsprung von 15 % vor dem zweitgrößten Anbieter Hewlett Packard attestiert, ist der Vorsprung inzwischen auf rund 8 % geschrumpft. Mit den neuen Linux-Rechnern will IBM nicht nur dem geschwächten Konkurrenten weitere Marktanteile abjagen, sondern zugleich auch Boden gegenüber Microsoft wettmachen.

Aus internen E-Mails an Mitarbeiter ist inzwischen bekannt geworden, dass Microsoft die Linux-Bewegung sehr ernst nimmt. Der Anteil der Linux-Installationen auf neu ausgelieferten Servern nimmt kontinuierlich zu. Sogar bei unternehmenskritischen Anwendungen setzt sich Linux zunehmend durch. Auf der LinuxWorld im vergangenen Jahr hatte IBM angekündigt, weltweit in drei Jahren eine Milliarde Dollar für die Einrichtung von Linux- Infrastruktur zu investieren. Im Dezember hat IBM ein Programm aufgelegt, mit dem die Entwickler von Linux-Anwendungen ermuntert werden sollen, Applikationen für den Einsatz in kleinen und mittleren Unternehmen zu schreiben. Im Rahmen des Linux-Test-Drive-Programms erhalten Entwickler die Möglichkeit, ihre Anwendungen online in der Umgebung der IBM-Server zu testen.

Auf dem neuen Großrechner können nach internen IBM-Schätzungen zwischen 20 und 100 Server von Sun oder Servern mit Microsoft-Betriebsystemen auf einem Rechner zusammengeführt werden, was die Kosten der Wartung und des Betriebs senken.

Für den gesamten Markt der Netzwerkrechner bleiben Marktforscher bis auf weiteres pessimistisch eingestellt. Vernon Turner, Serverfachmann bei IDC, rechnet für 2002 "mit einem leichten Umsatzrückgang von einem Prozent". Nur für Server, die mit dem freien Betriebsystem Linux ausgeliefert werden ist Turner optimistisch.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×