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05.05.2003

12:50 Uhr

Neuer Interessent für UMTS-Aktivitäten

Schmid kann die Finger nicht von Mobilcom lassen

Über den Verkauf der UMTS-Aktivitäten des Mobilfunkanbieters Mobilcom deutet sich neuer Dissens im Aufsichtsrat an. Wie die Nachrichtenagentur Reuters am Montag aus Kreisen des Aufsichtsrats erfuhr, hat der im vergangenen Jahr aus dem Unternehmen ausgeschiedene Firmengründer Gerhard Schmid dem Kontrollgremium das Interesse einer indischen Unternehmensgruppe mitgeteilt.

Reuters HAMBURG. Für die indische Hinduja-Gruppe wäre neben einer Übernahme der UMTS-Aktivitäten, also des Netzes einschließlich der dazu gehörenden Lizenz, auch der Erwerb der Mobilcom-Kunden interessant, hieß es. "Es wäre sinnvoll, zusammen mit dem Netz auch die Kunden von Mobilcom zu übernehmen", sagte ein Aufsichtsratsmitglied. Dies würde eine Übernahme von Mobilcom zur Folge haben.

Dem am Dienstagvormittag in Büdelsdorf tagenden Kontrollgremium liegt nach Unternehmensangaben als formelle Offerte bislang nur das mit dem Mobilcom-Konkurrenten E-Plus ausgehandelte Angebot in Höhe von 20 Mill. ? für das UMTS-Netz vor. Andere Aufsichtsratskreise waren deshalb bislang davon ausgegangen, dass das Gremium am Dienstag vorrangig dieses Thema behandeln werde.

Mobilcom-Sprecher Matthias Quaritsch sagte auf Anfrage, die Verkaufsverhandlungen mit E-Plus seien sehr weit gediehen, noch sei aber kein Vertrag unterzeichnet. Zu möglichen weiteren Interessenten sagte Quaritsch: "Wir prüfen jedes seriöse Angebot, haben inzwischen aber ein gewisses Zeitproblem."

Mobilcom-Großaktionär France Telecom hatte im Zuge der kompletten Entschuldung seines einstigen Partners zugesagt, bis Ende dieses Jahres die Kosten für das Einfrieren der UMTS-Aktivitäten zu übernehmen. Bis dahin soll das Netz verkauft werden, andernfalls müssen die Franzosen die Kosten für dessen Abriss tragen. Die werden auf rund 140 Mill. ? taxiert. Von einem Verkaufserlös fließen 90 % France Telecom zu. Falls E-Plus den Zuschlag erhält, wären das 18 Mill. ?. Mobilcom hatte im Sommer des Jahres 2000 mit Hilfe von France Telecom für 8,4 Mrd. ? eine der sechs deutschen UMTS-Lizenzen erworben, sich dann mit den Franzosen aber über das Tempo beim Ausbau der dritten Mobilfunkgeneration überworfen.

Aus Aufsichtsratskreisen, die dem Umfeld des einstigen Firmenchefs Schmid zugerechnet werden, hieß es, alle Alternativen sollten sorgfältig geprüft werden. So könne es für einen Interessenten durchaus sinnvoll sein, neben dem UMTS-Netz und der dazu gehörenden Lizenz auch die Kunden von Mobilcom zu übernehmen. Ein formelles Angebot darüber sei von Hinduja bislang nicht unterbreitet worden, es handele sich lediglich um eine Interessenbekundung der Inder, hieß es.

Damit versucht der im Streit mit Großaktionär France Telecom im vergangenen Jahr ausgeschiedene Schmid offenbar erneut, Interessen bei Mobilcom durchzusetzen. Die Franzosen hatten Schmid im vergangenen Juni durch den Aufsichtsrat als Mobilcom-Chef abberufen lassen und später im Zuge der Entschuldung des Büdelsdorfer Unternehmens durchgesetzt, dass der Großaktionär seine Anteile an einen Treuhänder übertrug. Seitdem wird immer wieder über Versuche des finanziell angeschlagenen Schmid berichtet, über Vertreter im Aufsichtsrat den Einfluss auf sein Lebenswerk nicht ganz zu verlieren.

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