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31.03.2003

08:29 Uhr

Neuer Konzernchef Claassen steht hinter der verlustreichen Tochter

Billigstromanbieter Yello greift nochmal an

VonJürgen Flauger , BRIGITTE BERTRAM

Die Billigstromanbieter geben nach und nach auf. Die Energie Baden-Württemberg AG dagegen versucht mit einer neuen Strategie, ihre Tochter Yello doch noch zum Erfolg zu führen. Statt einem bundesweit einheitlichen Tarif bietet Yello jetzt Regionaltarife. Branchenexperten sind aber skeptisch.

STUTTGART. Die Energie Baden-Württemberg AG (EnBW) nimmt einen neuen Anlauf mit ihrer Billigstrom-Tochter Yello: Ein neues Tarifkonzept soll Yello neue Kunden bringen und das Unternehmen 2005 in die schwarzen Zahlen führen. Per Brief informiert Yello derzeit seine Kunden über das neue Preissystem.

Nachdem in den vergangenen Monaten Billigstrom-Konkurrenten gleich reihenweise Pleite gegangen waren, war in der Branche auch über ein Aus für Yello spekuliert worden. Der scheidende EnBW-Chef Gerhard Goll hat sich aber vor zwei Wochen auf der Bilanz-Pressekonferenz zu Yello bekannt: "Das ist ein wesentliches Asset, mit dem wir uns von der Konkurrenz unterscheiden können", sagte er.

Auch sein Nachfolger Utz Claassen, der im Mai den Vorstandsvorsitz beim drittgrößten deutschen Energieversorger übernimmt, steht offenbar zu Yello. Aus dem Umfeld Claassens heißt es, die Strategie sei mit ihm abgesprochen. Es gehe mit Yello eindeutig vorwärts - das belege auch die jetzt beschlossene Neuordnung in der EnBW-Führung. Claassen holt sich den Skoda-Manager Detlef Schmidt, einen alten Weggefährten, in den Vorstand. Er übernimmt das neue Vorstandsressort Marketing und Vertrieb.

Der neue Anlauf dürfte die letzte Chance für Yello sein, sich am Markt durchzusetzen. Fünf Jahre nach der Öffnung des deutschen Strommarktes ist die Zahl der Billiganbieter drastisch geschrumpft, Anfang des Jahres hatten Ares und Riva - die Nummern zwei und vier - aufgegeben.

Yello ist es mit dem Werbespruch "Strom ist gelb" gelungen, als Strommarke bundesweit bekannt zu werden. Das Unternehmen hat inzwischen nach eigenen Angaben 900 000 Kunden. Doch nach Informationen des Handelsblatts hat Yello bisher weit mehr als 500 Mill. Euro Verluste gemacht. Wie die insolvente Konkurrenz macht die EnBW-Tochter Benachteiligungen durch die etablierten Konzerne für die schleppende Entwicklung verantwortlich.

Zu den Details der neuen Strategie wollte sich Yello nicht äußern. Nach Informationen des Handelsblatts haben die Verluste EnBW aber zum Umdenken gezwungen. Weil die Gebühren, die die Energieversorger von den Wettbewerbern für die Durchleitung von Strom verlangen, je nach Region stark schwanken, bietet Yello neuen Kunden seit Januar keinen bundeseinheitlichen Tarif mehr an. Die Verträge der Altkunden werden in den nächsten Monaten umgestellt.

Die Preise variieren jetzt von Gemeinde zu Gemeinde. Dazu hat Yello 900 so genannte Regelzonen eingeführt. Das ist die Basis, um überhaupt Regionaltarife anbieten zu können. "Unser Preis liegt in der Regel unter den allgemeinen Tarifen örtlicher Anbieter", schreibt Yello im Brief an die Kunden. Der Billiganbieter wirbt darin auch aggressiv um Kundschaft. Wer einen neuen Kunden bringt, dem wird die im Brief angekündigte Preiserhöhung bis zum Jahresende erlassen. Yello begründet Preiserhöhungen damit, dass viele Netzbetreiber zum Jahresbeginn die höhere Ökosteuer dazu genutzt haben, die Gebühren für die Stromdurchleitung anzuheben.

"Der Strategiewechsel ist die einzige Chance für Yello", sagt ein Vertreter eines großen Verbundkonzerns. Die bundeseinheitlichen Preise, mit denen die Direktanbieter bislang geworben hätten, würden den Kosten nicht gerecht. In einer Region mit hohen Gebühren sei ein bundeseinheitlicher Tarif zwar wettbewerbsfähig, aber nicht kostendeckend. In einer Region mit niedrigen Gebühren sei er kostendeckend, aber nicht wettbewerbsfähig.

Heiko von Tschischwitz, Vorstandschef des Ökostromanbieters Lichtblick und Vorsitzender des Bundesverbandes Neuer Energieanbieter (BNE), sieht das anders: "Bundeseinheitliche Tarife sind für das Marketing sehr wichtig." Nur so könne man als Neuling für die Kunden transparent bleiben.

EnBW setzt nach Golls Worten auch darauf, dass sich die Rahmenbedingungen bessern. Die Hoffnung ist nicht unbegründet. Die geplante Regulierungsbehörde für den Energiemarkt, die Verbraucherschützer und junge Firmen wie Yello seit Jahren gefordert haben, wird spätestens Mitte nächsten Jahres eingeführt. Zudem macht das Bundeskartellamt derzeit Druck auf die großen Konzerne, ihre Durchleitungsgebühren zu senken. "Das hilft Yello schon jetzt", sagt EnBW-Chef Goll. "Je schneller die Gebühren sinken, desto früher kann Yello in die schwarzen Zahlen kommen."

Ob die Strategie aber aufgeht, sei noch nicht heraus, sagen Branchenbeobachtern. "Es ist ja nicht nur eine Sache der Tarife", sagt ein Insider. Die niedrigen Wechselraten - lediglich 4 % der Haushalte haben bisher den Anbieter gewechselt - zeigten, dass die Hemmschwelle sehr groß sei. Yello müsse schon deutlich billiger sein als die Konkurrenz, um mehr Kunden anzulocken.

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