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08.01.2001

20:18 Uhr

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Neuer Markt rutscht ins Bodenlose

Die Wachstumswerte am Frankfurter Neuen Markt sind am Montag abgestürzt. In den letzten drei Handelsstunden löste ein Allzeittief das andere ab. Das noch junge Marktsegment erlebte damit erneut einen rabenschwarzen Tag.

dpa/afx FRANKFURT. Am Ende verlor der Nemax 50 9,57 % auf 2.116,32 Zähler und lag damit nur unwesentlich über dem jüngsten Rekordtief von 2 104,76 Punkten. Der alle Werte umfassende Nemax All-Share büßte 6,27 % auf 2 233,07 Zähler ein. Phasenweise wurde auch hier mit 2 226,05 Punkten ein neues 52-Wochen-Tief markiert.

"Es geht wohl noch weiter runter", befürchtete Thomas Randel, Händler bei Trinkaus & Burkhardt. Der Markt präsentiere sich erschreckend schwach und stünde noch stärker unter Druck als die "große Schwester", die US-Technologiebörse Nasdaq. Hinzu käme die anhaltende Angst vor einer "harten Landung" der US-Wirtschaft, dies würde den Markt weiter verunsichern.

Auch Biotech- und Logistikwerte, die bislang vom Kursverfall noch nicht so stark betroffen waren, gerieten stärker unter Druck. Der Vertrauensverlust sei durch die jüngsten Negativmeldungen enorm, hieß es dazu von Händlerseite.

Zu den größten Verlierern im Nemax 50 zählte die ACG AG mit einem Verlust von 21,45 % auf 27,10 Euro. Der Wiesbadener Vertreiber von Chipkarten und Informationssystemen hatte vergangene Woche erklärt, er werde seine Planzahlen für das Geschäftsjahr 2000 "voll erreichen". Am Montag nun belasteten Marktgerüchte über angeblich noch kommende negative Nachrichten den Kurs erheblich.

Die CE Consumer Electronic AG konnte ihre Gewinne zum Handelsschluss nicht halten. Am Ende verbilligte sich das Papier um 0,50 % auf 9,95 Euro. Der Tageshöchstkurs lag bei 11,40 Euro. Am Freitag stand der Titel auf der Verkaufsliste, nachdem ein Münchener Gericht dem Unternehmen untersagt hatte, eine Anleihe auf eigene Aktien an seine Aufsichtsräte auszugeben. Die Schutzgemeinschaft der Kleinaktionäre hatte zu diesem rechtlichen Schritt gegriffen.

Der Prügelknabe der vergangenen Woche, Intershop, legte um 4,65 % auf 8,55 Euro zu. Dies sei nur eine geringfügige Erholung nach den dramatischen Verlusten, sagte eine Händlerin der Commerzbank. Nach dem Absturz sei ein Anstieg um ein paar Prozent nichts Außergewöhnliches.

Von dem Höhenflug der SAP-Aktie im Dax konnte die Beratungstochter SAP SI nur wenig profitieren. Das Papier verteuerte sich um 0,87 % auf 15,13 Euro. Das Walldorfer Softwareunternehmen hatte am Morgen vorläufige Zahlen für das vierte Quartal vorgelegt, die vom Markt positiv aufgenommen wurden.

Wenig erfreut reagierte der Markt auf die Ankündigung des Limburger Softwareentwicklers Internolix, die Technologies AG zu übernehmen. Der Kurs rutschte um 7,41 % auf 12,50 Euro ab.

Die Online-Partnerschaftsvermittlung MatchNet meldete am Morgen den Abschluss eines neuen Werbevertrages. Daraufhin verteuerte sich die Aktie um 10,38 % auf 1,17 Euro. Momentan sei jede konkrete Meldung, wie beispielsweise ein neuer Werbevertrag, ein gutes Zeichen und werde positiv aufgenommen, sagte ein Händler einer Frankfurter Großbank.

Nur noch wenige Cents, genauer gesagt 0,30 Euro, sind die Aktien von Letsbuyit.com Wert. Bei hohem Handelsvolumen verlor der Wert damit am Montag 25 %. Das Unternehmen hatte vor einigen Tagen von einem holländischen Gericht einen Zahlungsaufschub gewährt bekommen und sucht derzeit nach neuen Investoren.

Stark unter Druck standen auch die Biotech-Werte. Qiagen, eines der Schwergewichte im Nemax 50, büßte 26,92 % auf 22,80 Euro ein. Medigene rutschten um 25,01 % auf 46,11 Euro ab und Morphosys verloren 21,46 % auf 133,60 Euro.

Auch EM.TV verloren erneut deutlich. Obwohl Michael Birnbaum, Sprecher des Münchner Filmrechtehändlers auf Anfrage von dpa-AFX einen Zeitungsbericht dementierte, wonach die Absichtserklärung des Kirchs-Einstiegs auf Januar befristet sei, bliebe der Markt skeptisch, so ein Händler. Zudem sei immer wieder von einem Streit zwischen dem EM.TV-Aufsichtsratsvorsitzenden Nickolaus Becker und der Kirch-Gruppe die Rede. Am morgigen Dienstag trete der Aufsichtsrat von EM.TV turnusgemäß zusammen, angeblich stünden aber keine Personalentscheidungen an. EM.TV verbilligte sich um 6,80 Prozent auf 4,66 Euro.

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