Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

14.07.2000

18:23 Uhr

Neuer Markt weiter unter Druck

Dax-Ausblick: Steuer-Bremse gelöst

VonAndreas Reuther

Der Bundesrat hat die Steuerreform verabschiedet. Nun freuen sich die Händler, denn für Anleger herrschen wieder klare Verhältnisse. Die Analysten der BfG-Bank, der Bankgesellschaft Berlin, der Commerzbank und der DG Bank sehen die Entwicklung des Dax in der nächsten Woche positiv. Die Situation am Neuen Markt dagegen beurteilen sie nicht so rosig.

Die Händler freuen sich über das Ende der Steuerdebatte

Die Händler freuen sich über das Ende der Steuerdebatte

Die Analysten der Commerzbank sahen die deutschen Börsen durch die Steuerdebatte "gelähmt". Institutionelle Anleger waren solange nicht zu größeren Engagements bereit, wie sie die Reform nicht entgültig unter Dach und Fach wußten. Jetzt, nach Verabschiedung der Reform, könne sich die Situation nach Meinung der Experten an den deutschen Aktienmärkten schlagartig verbessern.

Potenzial bis 7 500 Punkte

"Die Vorgaben vom Freitag seien günstig", meint auch Aktien-Stratege Martin Haug von der BfG-Bank. Nach Abschluss der Debatte um die Steuerreform hätte der Deutschen Aktienindex genug Potenzial, um in der nächsten Woche bis auf 7 500 Punkte zu klettern. Hier sei allerdings die Grenze erreicht, sagt der Experte. Insgesamt glaube er nicht an eine Sommerrally. Als unteres Limit für den Dax nannte er die 6 800 Punkte-Linie.

Angst vor der Europäischen Zentralbank

Für Analyst Günter Senftleben von der Bankgesellschaft Berlin hat die Steuerreform schon am Freitag für Impulse gesorgt. Vor allem die Versicherer konnten vom Ende der Debatte profitieren, hätten nun aber "ihr Pulver verschossen". Die positive Grundstimmung bleibe zwar erhalten, es werde aber wieder der normale Alltag einkehren. In einem "Sommerloch auf höherem Niveau" liegt der Augenmerk für ihn in der nächsten Woche auf der Bekanntgabe der Verbraucherpreise in Euroland. Er rechnet mit schlechten Inflationszahlen und längerfristig mit einer weiteren Zinsbelastung der Märkte durch die Europäische Zentralbank. Der Dax liegt für ihn zwischen 7 100 und 7 400 Punkte.

Einstimmigkeit bei Chemiewerten

Die Experten der DG Bank erwarten für die kommende Woche eine moderat positive Entwicklung. Ihre Favoriten unter den Dax-Werten sind Epcos, Fresenius (Vorzüge) und Siemens. Eine Liste mit den Einschätzungen aller Werte ist am Textende zu finden.

Finanzexperte Senftleben empfiehlt, Technologiewerte wie Siemens, SAP oder Infineon zu kaufen. Diese könnten von guten Unternehmenszahlen aus den USA profitieren. Martin Haug von der BfG-Bank meint dagegen, Technologieaktien wie Infineon, Epcos oder Deutsche Telekom seien zur Zeit überbewertet.

Bei den zyklischen Aktien sind sich die beiden Analysten einig. Sowohl Haug als auch Senftleben setzen auf die Chemiewerte BASF und Bayer. Laut Senftleben könnten diese vom starken Dollar und der guten Konjunktur profitieren. Martin Haug favourisiert zusätzlich die Blue Chips MAN, Linde und DaimlerChrysler.

Die Commerzbank empfiehlt dem Kleinanleger vor allem die Aktien von Siemens und SAP(Vorzüge) zum Kauf, da diese Werte nicht nur durch das Ende der Steuerdiskussion, sondern auch durch die markttechnische Situation günstig seien.

Seitwärts am Neuen Markt

Den Neuen Markt sieht Martin Haug in einer Seitwärtsbewegung mit hohen Schwankungen. Die Nasdaq sei zur Zeit freundlich und unterstütze die deutschen Wachstumswerten. Die durch die Medien verbreiteten Todeslisten aber wirken beängstigend auf die Anleger. Diese "Meinungsmache" gäbe vielen Unternehmen, die sonst vielleicht eine Chance zum Überleben gehabt hätten, den "Todesstoß" sagt der Experte. Er rät dem Kleinanleger von Unternehmen ab, die die Gewinnzone nicht in 2 oder 3 Jahren erreichen können. Er hält diesen Zeitraum für zu lang.

Günter Senftleben von der Bankgesellschaft Berlin empfiehlt, die Finger von den Todeslisten-Kandidaten zu lassen. In seinen Augen findet im Moment am Neuen Markt ein "Reinigungsprozess" statt. Sein Fazit lautet "Nicht einsteigen", weil diese Unternehmen ein zu hohes Risiko für Anleger bergen. Für Werte außerhalb des Internetsektors sei das Schlimmste aber ausgestanden und vielleicht könne sich in der nächsten Woche die Lage mit "Rückenwind durch die Nasdaq" wieder stabilisieren.

Aus den Werten des Neuen Marktes empfielt die BfG-Bank den Hardwareproduzenten Balda, der am Montag Halbjahreszahlen bekannt gibt, und den Lizenzhändler Senator Film.





DG Bank

Dax 30-Empfehlungen
TitelGewinn 2000Gewinn 2001Empfehlung

Adidas

-Salomon
3,97


4,54


verkaufen

Allianz

9


11,5


verkaufen

BASF

3,11


3,61


kaufen
Bay.Hypo-Vereinsbk.2,73


3,69


halten

Bayer

2,45


2,6


kaufen

BMW

1,8


2,3


halten

Commerzbank

1,98


2,2


halten

DaimlerChrysler

6,31


6,63


verkaufen
Degussa-Hüls2,77


3,03


verkaufen

Deutsche Bank

4,84


5,49


kaufen
Deutsche Telekom0,29


0,42


k.A.
Dresdner Bank1,15


2,27


halten

E.ON

5,8


2,8


halten

Epcos

3,21


3,78


kaufen

FMC

2,47


2,97


k.A.

Henkel

Vz.
2,93


3,22


halten

Infineon

1,3


1,85


kaufen
Karstadt1,05


1,3


verkaufen

Linde

2,49


3,03


kaufen

Lufthansa

1,8


1,9


halten

MAN

2,5


2,7


halten

Metro

0,93


1,05


halten
Münchner Rück7,5


9,8


halten
Preussag2,22


2,69


halten

RWE

2,3


2,35


halten

SAP

Vz.
0,8


1,01


halten

Schering

1,86


2,08


halten

Siemens

3,8


4,65


kaufen
Thyssen Krupp0,9


1,45


kaufen

Volkswagen

4,03


4,98


verkaufen


Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×