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02.01.2002

16:46 Uhr

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Neuer Präsident Argentiniens im Amt

Der neue argentinische Präsident Eduardo Duhalde hat am Mittwoch sein Amt angetreten und erwägt nach Angaben aus Beraterkreisen eine Abwertung des Peso, um das Land aus der Rezession zu führen.

rtr BUENOS AIRES. "Von heute an ist es meine Verpflichtung, mit dem Wirtschaftsmodell abzuschließen, das der großen Mehrheit unseres Volkes Verzweiflung gebracht hat", sagte Duhalde nach seiner Wahl. Aus Kreisen seiner Berater verlautete, möglicherweise plane Duhalde dafür eine Abwertung der Landeswährung um bis zu 40 %. Duhalde ist der fünfte argentinische Präsident in zwei Wochen. Die Finanzmärkte reagierten auf den neuerlichen Regierungswechsel kaum.

Bislang ist der argentinische Peso fest im Verhältnis eins zu eins an den Dollar gebunden. Faktisch ist der Dollar dadurch Landeswährung geworden. Viele Kredite und Verträge lauten auf Dollar. Die Abwertung des Peso könnte den Bankrott von Millionen von Bürgern bedeuten, gilt jedoch als die einzige Möglichkeit, wie Argentinien aus der seit vier Jahren andauernden Rezession kommen kann.

Die wirtschaftliche Unsicherheit und Beschränkungen im Zahlungsverkehr - Barabhebungen wurden auf 1000 Dollar im Monat begrenzt - hatten im Land zu Plünderungen und Krawallen geführt, bei denen 27 Menschen starben. Der bis 2003 gewählte Präsident Fernando de la Rua trat daraufhin am 20. Dezember zurück. Sein Nachfolger Adolfo Rodriguez Saa trat nach nur einer Woche im Amt ebenfalls zurück. Zwischen Rücktritt und Wahl der neuen Präsidenten übten zwei Parlamentarier das Amt jeweils kommissarisch aus.

Der 60-jährige Duhalde kündigte an, eine Regierung der Nationalen Einheit zu bilden. Sein Wirtschaftsprogramm will er am Freitag vorstellen. Argentinien könne seine Auslandsschulden in Höhe von 134 Mrd. Dollar (148 Mrd. ?) nur zahlen, wenn die Wirtschaft, die sich im vierten Jahr in Folge in einer Rezession befinde, wieder wachse, sagte er. Duhalde soll bis 2003 im Amt bleiben.

Die Finanzmärkte zeigten sich unbeeindruckt von der Ernennung des neuen Präsidenten. Argentinische Anleihen tendierten im europäischen Handel stabil. "Der Markt erwartet schlechte Nachrichten aus Argentinien. Daher ist kein größerer Einfluss zu erwarten", sagte ein Händler.

Auch die mögliche Abwertung des Peso wirkte sich Händlern zufolge nicht spürbar aus. Der Peso sei zuletzt um rund 20 % überbewertet gewesen, eine Abwertung verbessere daher die Wettbewerbsfähigkeit Argentiniens, sagten Marktteilnehmer. Einige Händler befürchten jedoch, dass eine Abwertung viele in Dollar verschuldete Unternehmen in den Konkurs treiben könne.

Die argentinische Zentralbank teilte am Mittwoch mit, Banken müssten den Peso nicht mehr im Verhältnis eins zu eins für Dollarschulden annehmen. Sie hob damit eine Regelung aus dem vergangenen Monat auf. Dollarschulden müssen jetzt wieder in Dollar beglichen werden. Eine Lockerung der Dollarbindung des Peso war damit aber nicht verbunden.

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