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05.06.2000

19:24 Uhr

Neuer Vorstand soll Vodafone-Töchter integrieren

Börsengang von Arcor noch offen

Nach dem Verkauf von Orange sieht Vodafone seine Kassen gut gefüllt. Ein Börsengang der Mannesmann-Telefongesellschaften Arcor und Infostrada ist daher nicht länger unbedingt zwingend.

dri/kv DÜSSELDORF. Über den Börsengang von Mannesmann-Arcor ist noch nicht abschließend entschieden worden. Das sagte Tim Brown, Investor-Relations-Manager bei Vodafone, am Rande der Mannesmann-Hauptversammlung am Montag in Düsseldorf. Seit dem Verkauf von Orange an France Télécom für 43 Mrd. Euro stehe Vodafone nicht mehr unter dem Druck, über Börsengänge von Beteiligungen Finanzmittel für den Schuldendienst beschaffen zu müssen. Auch die Finanzierung neuer UMTS-Mobilfunklizenzen sei gesichert.

Die Mannesmann-Telekommunikationsgesellschaften sollen den Kern der europäischen Mobilfunk- und Festnetzgesellschaften von Vodafone bilden. Der neue Mannesmann-Vorstandsvorsitzende Julian Horn-Smith wird diese Sparte mit seinem Stellvertreter Thomas Geitner leiten. Außerdem sollen diesem "European board" die Chefs sämtlicher europäischen Mobilfunk- und Festnetztöchter sowie der Mannesmann-Gesellschaften Telecommerce und Ipulsys angehören.

Zur Vodafone-Konzernsparte Europa zählen dabei alle Länder der EU außer Großbritannien sowie Osteuropa und Malta. Geitner sagte dem Handelsblatt, die neue Gesellschaft werde sich zunächst vor allem auf die Entwicklung grenzüberschreitender Mobilfunkprodukte und mobiler Internetdienste konzentrieren.

Der scheidende Mannesmann-Vorstandsvorsitzende Klaus Esser verteidigte sein Vorgehen während der "Abwehrschlacht" gegen den jetzigen Großaktionär Vodafone. Am Ende seien die Aktionäre die Gewinner gewesen, sagte Esser vor den Aktionären. In den 13 Wochen der Auseinandersetzung ab Mitte Oktober 1999 bis zum 3. Februar 2000 habe der Vorstand für seine Aktionäre eine Wertsteigerung von 100 Mrd. Euro oder 120 % erreicht. Den für viele enttäuschenden Verlauf des Vodafone-Kurses führte er auf den allgemeinen Rückgang der Kurse von Telekom-Aktien zurück - wie auch die meisten Analysten, die gestern weiter zum Kauf von Vodafone-Aktien rieten.

Bei den verbliebenen 1 % Kleinaktionären fanden Essers Worte allerdings wenig Gegenliebe. Mannesmann sei jetzt in einer Situation, in der auf Drängen Vodafones alles verkauft werde, was "nicht niet- und nagelfest ist", sagte der Sprecher der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz, Jörg Pluta. Zudem würden Versprechen nicht eingehalten. In der Übernahmevereinbarung sei festgelegt worden, dass die Maschinenbau- und Autotechnik-Tochter Atecs an die Börse gebracht werden solle. Der Mannesmann-Vorstand habe sich nicht dagegen gewehrt, dass Atecs an Bosch/Siemens verkauft werde. Damit seien die Aktionäre um ihre Chancen gebracht worden, an der Wertsteigerung von Atecs teilzuhaben. Nicht eingehalten habe Vodafone auch die Zusage, die Strategie Mannesmanns mit Mobilfunk und Festnetz fortzuführen. Angesichts dieser Entwicklung forderte der Sprecher eine freiwillige Barabfindung nicht unter 350 Euro je Mannesmann-Aktie. Das war der Wert zum Zeitpunkt des Aktientausches in Papiere von Vodafone.

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