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02.06.2000

20:40 Uhr

Neuer Vorstandschef will "klare Kommandostruktur" schaffen

ABN-Amro-Management verdient künftig nach Leistung

Die geplante Umstrukturierung der führenden niederländischen Bank ABN Amro N.V. nimmt genauere Konturen an. So will sich das Amsterdamer Institut künftig vollständig auf Großkunden, Privatkunden und Vermögensverwaltung konzentrieren. Sie gibt das Universalbank-Konzept auf. Fokussierung und Strukturvereinfachung sollen mehr Kundennähe bringen, die Rendite maximieren und vor allem den Aktienkurs antreiben.

sbe BRÜSSEL. Details zu Zielen, Investitionen, Stellenkürzungen, Kosteneinsparungen und Einnahmesteigerungen gibt ABN Amro aber erst am 17. August bekannt. Bis dahin müssen die weitgehend autonomen Geschäftsbereiche konkrete Pläne ausarbeiten. Die Neuorientierung hat der vor drei Wochen angetretene Vorstandschef Rijkman Groenink gemeinsam mit seinem Vorgänger Jan Kalff ausgetüftelt. Groenink möchte sie zwar nicht als Bruch mit Kalffs Konzept gewertet wissen. Gleichwohl ist die Strategie ein Wendepunkt. Groenink, der als zielgerichteter Stratege und harter Verhandlungsführer gilt, zeigt rasch und entschieden, wo es lang geht. Die Ziele werden deutlich verschärft und ihre Einhaltung "rigoros" kontrolliert, kündigte er an.

Bisher strebte ABN Amro einen jährlichen Ergebnisanstieg von 12,5%, ein Gewinnwachstum pro Aktie von 10 % und eine Nettorendite des Eigenkapitals von 18 % an. Unter Jan Kalff legte der Reingewinn seit 1994 um durchschnittlich 19 % jährlich zu. Ob Groenink die Latte höher legt, blieb unklar. Das Management der Geschäftsbereiche wird künftig auf allen Ebenen leistungsabhängig entlohnt. Damit leitet Groenink einen Kulturwandel bei ABN Amro ein: Der niederländische Konsens-Stil entfällt zu Gunsten einer "klaren Kommandostruktur" mit Transparenz und hohen Verantwortlichkeiten. Wer Ziele nicht erreiche, werde abgestraft - das gelte auch für ihn, ließ Groenink mitteilen. Er habe sich dem Aufsichtsrat gegenüber sowohl zu Rendite- und Effizienzverbesserungen verpflichtet, als auch zu einer wettbewerbsfähigen Aktienkursentwicklung, sagte ein Sprecher dem Handelsblatt. In den vergangenen fünf Jahren wuchs die Gesamtrendite für Aktionäre (Dividende und Kurszuwächse) um durchschnittlich 32%. Das ist Groenink nicht genug. ABN Amro bleibt mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 12,2 weit hinter der niederländischen ING (16,6) oder der Deutschen Bank (19,7) zurück. Trotz Rekordresultaten stagniert ABN Amros Kurs seit zwei Jahren.

Die Niederländer fügen nun Firmenfinanzierung und Investmentaktivitäten im Großkundengeschäft zusammen. ABN Amro will dauerhaft den weltweit fünften Rang unter den Banken einnehmen für die Branchen Medien-Telekom-Technologie, Verbraucherprodukte-Automobil-Transport, Energie-Chemie-Parma, Finanzdienstleistungen sowie beim öffentlichen Sektor. Auch bei den angebotenen Produkten will das Institut Rang fünf belegen.

Das Privatkundengeschäft wird nur noch in den Regionen betrieben, wo ABN Amro auf Dauer tonangebende Marktpositionen behalten oder entwickeln kann. Das sind Europa, die USA und Brasilien. Die regionale Gliederung wird abgeschafft und die Sparte als Einheit geführt. Mit Hilfe des Internets will Groenink trotzdem eine globale Deckung erreichen und inklusive Akquisitionen die Zahl der Privatkunden binnen fünf Jahren auf zehn Millionen fast verdreifachen.

Die dritte, weltweit operierende Sparte wendet sich an wohlhabende Kunden und bietet Vermögensverwaltung für alle Groß- und Privatkunden.

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