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13.07.2000

16:36 Uhr

Neues Bündnis für UMTS-Auktionen

KPN Mobile, E-Plus und Hutchison bieten gemeinsam für Mobilfunklizenz in Deutschland

Die Telekomkonzerne der Niederlande, Japans und Hongkongs werden im europäischen Geschäft mit der dritten Mobilfunkgeneration eng zusammenarbeiten. KPN Mobile, E-Plus und Hutchison wollen sich allerdings trotz der Kooperation im Rennen um eine deutsche UMTS-Mobilfunklizenz bei den Netzdiensten Konkurrenz machen.

sbe/olm/and BRÜSSEL. Vor einem Jahr wurde das Ziel der Den Haager Telekomgesellschaft KPN belächelt, drittgrößter Mobilfunkanbieter Europas werden zu wollen. Das wagt heute keiner mehr. Die Kooperation mit der finanzstarken Hongkonger Hutchison Whampoa Ltd. nötigt wohl auch den letzten Skeptikern Respekt ab. Es ist der dritte Deal binnen weniger Monate, mit dem der im März angetretene KPN-Chef Paul Smits die Niederländer in Führung bringen will.

Erst im Mai hat Smits die Beteiligung des japanischen Telekomriesens NTT Docomo zu 15 % an KPN Mobile für 4 Mrd. Euro eingefädelt. Die Transaktion wurde gestern realisiert und bewertet KPN Mobile laut KPN-Vorstand Joop Drechsel auf 15 Mrd. Euro. Wann KPN Mobile an die Börse geht, ließ er offen. Im Dezember vergangenen Jahres hatte KPN die Branche mit dem Kauf des deutschen Mobilfunkers E-Plus überrascht.

Gestern nun kündigte das Trio Hutchison, NTT Docomo und KPN Mobile eine strategische Allianz für das Geschäft mit der dritten Mobilfunkgeneration UMTS in Deutschland, Großbritannien, Frankreich und Belgien an. Das Bündnis sei in nur vier Wochen ausgehandelt worden, hieß es. In den einzelnen Ländern arbeiten die Partner jedoch unterschiedlich eng zusammen. Der UMTS-Standard ermöglicht das Empfangen und Senden großer Datenmengen und Videos über das Handy sowie eine mobile Internet-Nutzung und gilt als großer Zukunftsmarkt.

In Deutschland gründen KPN Mobile und Hutschison ein Joint Venture zu jeweils 50 % namens E-Plus-Hutchison. Es soll bei der für Ende Juli geplanten Versteigerung für eine UMTS-Lizenz bieten. Gelingt das, überträgt KPN seinen Anteil an dem Gemeinschaftsunternehmen auf die Tochter E-Plus. Dann soll das Joint Venture das UMTS-Netz basierend auf dem bestehenden GSM-Netz von E-Plus aufbauen und betreiben. Damit endet jedoch das gemeinsame Vorgehen. Paradoxerweise wollen die Muttergesellschaften auf dem gemeinsamen Netz konkurrierende Mobilfunk-Dienste anbieten. Die deutsche Aufsichtsbehörde hat dieses Vorgehen bereits genehmigt. Hutchison-Vorstandschef Li Ka-shing wischte vor der Presse in Hongkong den Einwand über mögliche Widersprüche mit einem jovialen Lächen weg: "Wir werden freundliche Konkurrenten sein," gab er sich zuversichtlich. Das Teilen von Netzinvestitionen bei fortbestehender Konkurrenz in den Dienstleistungen der Mobilfunknetze könnte eine Trendwende im hart umkämpften UMTS-Geschäft einleiten, meinen Beobachter.

Bedenken über die Kapitalkosten teilte Li ebenfalls nicht: "Nach dem heutigen Deal haben wir 100 Mrd. $ zur Hand. Dazu jede Menge Aktien. Mit so viel Bargeld in der Hinter-hand bekommen wir innerhalb von 48 Stunden alle Mittel, die wir brauchen." Hutchison erwartet, dass die Kosten der Partner für den Aufbau eines deutschen UMTS-Netzes durch die Kooperation um 40 bis 50 % sinken. Über Pläne, die europäischen UMTS-Gesellschaften in absehbarer Zeit an die Börse zu bringen, wollen sich die Partner nach dem Sommer äußern.

Am weitesten reicht die Multimedia-Mobilfunkkooperation in Großbritannien. Dort beteiligen sich NTT Docomo zu 20 und KPN Mobile zu 15 % an Hutchisons britischer Tochter Hutchison 3G UK Holdings. NTT Docomo bezahlt für seinen Anteil 1,2 Mrd. £, KPN Mobile 0,9 Mrd. £. Hutchison 3G UK hatte im Mai über das von Hutchison geführte kanadische Konsortium TIW für 4,385 Mrd. £ eine große UMTS-Lizenz ersteigert und erwartet für das Jahr 2005 das Erreichen der Gewinnschwelle.

Für KPN Mobile bedeute die Beteiligung nicht nur die Expansion in den großen britischen Markt, sagte KPN-Vorstand Drechsel der Presse. KPN könne zudem seinen zehn Millionen Kunden direkten Zugang zu modernster Technologie bieten. In der Branche sei nicht nur Größe entscheidend, sondern das technologische Know-how. Das Bündnis setze auf den einjährigen Vorsprung von NTT Docomo bei der Vermarktung von mobilen Internetdiensten, sagte Drechsel. Docomo will seine I-mode-Technik möglichst zum Weltstandard für die künftigen Mobilfunkdienste machen. In Frankreich kooperieren Hutchison, KPN Mobile und NTT Docomo, um gemeinsam mit einem noch zu findenden französischen Unternehmen eine Lizenz zu erhalten. Es würden bereits Gespräche mit potentiellen Partnern in Frankreich geführt, hieß es. Namen wurden nicht genannt. Die Lizenzvergabe ist für Ende 2000 oder Anfang 2001 geplant.

In Belgien werden ebenfalls alle drei Partner ein Konsortium bilden. KPN ist mit dem Joint Venture KPN Orange der dritte Mobilfunkbetreiber Belgiens. Die Partner erwägen auch eine Kooperation für Italien sowie den Aufbau einer einheitlichen Marke für Europa, ein schnurloses Internet-Portal und gemeinsame F&E-Projekte und Service-Center.

SPANNUNG AUCH BEI SIEBEN BEWERBERN.

Durch die gemeinsame Bewerbung von E-Plus und Hutchison um eine UMTS-Lizenz in Deutschland ist die Liste der Kandidaten weiter geschrumpft. Jetzt bewerben sich nur noch sieben um die vier bis sechs Lizenzen im künftigen Mobilfunkstandard. Trotzdem glaubt die Regulierungsbehörde weiter an eine spannende Auktion. "Die Qualität der Bewerber steigt", heißt es in Bonn. Da insgesamt zwölf Frequenzblöcke versteigert werden, jeder Bewerber aber mindestens zwei und maximal drei Blöcke ersteigern kann, sei auch bei wenigen Teilnehmern eine interessante Veranstaltung mit hohen Geboten gesichert. Spekuliert wird, dass die Marktführer T-Mobil und D2 großen Frequenzbedarf haben, wodurch für andere Bewerber weniger Platz bleibt, was die Preise in die Höhe treiben kann. In der Kooperation von E-Plus und Hutchison wird kein Problem gesehen. Auch nach der Vergabe der Lizenzen wird mit Kooperationen gerechnet. Serviceprovider sind sogar ausdrücklich erwünscht, um die Dienste populär zu machen. Jeder Netzbetreiber habe ein Interesse daran, das Netz auch zu füllen.

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