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20.01.2003

09:11 Uhr

Neues Mobilfunknetz des Hongkonger Konzerns soll in Großbritannien im März in Betrieb gehen

Handy-Knappheit bremst Hutchisons UMTS-Pläne

Der Hongkonger Mischkonzern Hutchison Whampoa wollte als Erster in Europa vormachen, dass sich mit UMTS gute Geschäfte machen lassen. Doch genau wie die Konkurrenz hat auch Hutchison damit zu kämpfen, dass es noch nicht genügend UMTS-Mobiltelefone gibt.

and/mab/slo LONDON/MAILAND. So richtig wahrgenommen hat es niemand. Dabei gehört es zur Tradition vieler Londoner, in der Silvesternacht zum Big Ben zu pilgern und auf die zwölf Gongschläge zum Jahreswechsel zu warten. Doch eines ging im Trubel unter: Das an den Turm an der Themse projizierte Logo "3" des neuen Mobilfunkanbieters Hutchison 3G.

Nicht nur der Werbegag verpuffte, auch sonst hat das zum Hongkonger Mischkonzern Hutchison Whampoa gehörende Unternehmen in Europa mit einigen Startschwierigkeiten zu kämpfen. Ursprünglich wollte Hutchison 2003 als Erster in Europa mit dem neuen Mobilfunkstandard UMTS starten. Der soll im Vergleich zur heutigen Mobilfunktechnologie ein Vielfaches an Datenmengen in der gleichen Zeit übertragen können. Doch wie Vodafone, Orange & Co. musste auch der Neuling sein Vorhaben wegen unausgereifter Technik verschieben. Zudem gab es offenbar nicht genügend Endgeräte.

Jetzt hat Hutchison einen neuen Termin: Bis Ende März soll nun endlich in Italien und Großbritannien das erste europäische UMTS-Netz von Hutchison unter dem Markennamen "3" in Betrieb gehen. Das hat vor etwa einer Woche Hutchinson- Whampoa-Chef Li Ka-shing erneut versichert. Er war eigens nach London gereist, um sich von der "letzten Phase der Vorbereitungen" zu überzeugen, wie das Unternehmen mitteilte. Experten erwarten, dass die dritte Mobilfunkgeneration unter der Marke "3" am 3.3.03 startet.

Rund 16 Mrd. $ hat Hutchison Whampoa insgesamt für den UMTS- Netzaufbau in Europa bereitgestellt. Der Konzern hat außer in Großbritannien und Italien auch noch UMTS-Lizenzen in Irland, Österreich, Schweden und Dänemark. Überall dort muss das Unternehmen praktisch von Null anfangen. In Deutschland ist Hutchison nicht aktiv.

Bislang hat Hutchison nur registrierte Testkunden, die auf die ersten UMTS-Handys warten. Dazu zählen in Italien Prominente wie Ministerpräsident Silvio Berlusconi. Ab Anfang Februar sollen die mehr als 100 000 bestellten Handys den Kunden zugestellt werden, kündigte Vincenzo Novari, Vorstandschef der italienischen Hutchison-Tochter an. In Großbritannien warten mehr als 20 000 Testkunden auf die neuen Mobiltelefone, die etwa Videoclips übertragen können. Die Modelle kosten 399 und 499 £ (umgerechnet rund 600 und 750 Euro). Hersteller sind Motorola und der japanische Konzern NEC. Der Service soll zwischen 90 und 150 Euro pro Monat kosten. Das schließt das Telefonieren sowie den Empfang von Kurznachrichten, Fotos und Videos sowie das Herunterladen von Spielen in bestimmten Grenzen ein.

Die Preisstruktur wird bereits vor dem Start kritisiert. "Hutchinson 3G wird in den kommenden 18 Monaten zu kämpfen haben", heißt es in einem Report von Investec Securities, "denn die Preise sind sehr hoch angesetzt." Bei der Investmentbank Schroder Salomon Smith Barney geht man von weiteren Verzögerungen aus und rechnet mit dem UMTS-Start von "3" erst in der zweiten Jahreshälfte. Immerhin sehen die Banker die Marke als starken Wettbewerber und halten fünf Millionen Kunden in Italien und Großbritannien bis Ende 2005 für möglich.

Doch zunächst muss der Verkauf starten. Zwar wurden in beiden Ländern mit je 1 000 Händlern Verkaufsvereinbarungen unterzeichnet - in den Läden sind die neuen Telefone aber noch nicht zu haben. In Großbritannien soll die Marke über fast alle großen Handy-Ladenketten wie Carphone Warehouse und Phone4u vertrieben werden. Auch die zum Hutchison-Imperium gehörenden Drogerien Superdrug dürften bald "3"-Handys in der Auslage haben. Zudem sind größere Handy-Läden in London und Birmingham geplant.

Mobiltelefone in den Läden sind, die Kunden werden das Gerät wohl erst nur in großen Metropolen nutzen können, erwarten Experten. Das Unternehmen schweigt sich über die genaue Netzabdeckung bislang aus.In den vergangenen Monaten schlossen die Hutchison-Töchter in Europa bereits Abkommen mit Inhalteanbietern ab. So sorgen etwa Vereinbarungen mit der britischen Premier League und der italienischen Serie-A-Liga dafür, dass künftige Hutchison-Kunden Höhepunkte der Fußballspiele auf ihr Handy-Display übertragen bekommen.

Quelle: Handelsblatt

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