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17.01.2003

08:27 Uhr

Neues Topmanagement soll Royal Mail retten

Porto-Streit bedroht Zukunft der britischen Post

VonAndreas Hoffbauer (Handelsblatt)

Die britische Post steht vor den schwersten Wochen in ihrer 350-jährigen Geschichte. Ohne eine Einigung mit der Aufsicht über eine Erhöhung des Portos kommt die Royal Mail wohl kaum aus der Krise.

LONDON. Die Lage ist dramatisch: Umgerechnet rund 2 Mill. Euro Verlust am Tag macht die britische Staatspost Royal Mail. Keiner der zentralen Geschäftsbereiche des Konzerns, der in früheren Zeiten ordentliche Gewinne bescherte, macht derzeit noch Gewinn. Der im vergangenen Jahr als Sanierer geholte britische Star-Manager Allan Leighton erwartet erst wieder in drei Jahren einen Profit - wenn der Post nicht vorher die Puste ausgeht. Denn seine Rettungspläne, mit der er den Konzern bis 2005 am Leben halten will, stoßen auf Widerstand.

Vor allem über die geplante Portoerhöhung ist ein heftiger Streit mit der Londoner Regulierungsbehörde Postcomm entbrannt. Dieser könnte über die Zukunft der britischen Post entscheiden. Grundsätzlich will die Behörde der vorgeschlagenen Erhöhung des Briefportos um einen Pence zustimmen, dies aber für die kommenden drei Jahre einfrieren. Diese Beschränkung lehnt Royal Mail wiederum ab.

Der Streit spitzt sich zu: Leighton hat bereits mit Rücktritt und die Regierung gar mit der Insolvenz des staatlichen Postriesen gedroht, um die Aufsicht unter Zugzwang zu setzen. Die hält dagegen. "Da es keinen Wettbewerb im Briefbereich gibt, können wir dem Monopolisten nicht freie Hand in Sachen Porto geben", sagt ein Sprecher. Postcomm-Chef Graham Corbett will bis 6. Februar einen Kompromiss erreichen - das könnte zum Schicksalstag von Royal Mail werden.

Sauer ist man bei der Aufsicht, weil die Mail-Manager immer neue Finanzlöcher präsentieren. Erst tauchte vor kurzem eine Lücke von 600 Mill. Pfund in der Pensionskasse auf, dann mussten die Ausgaben für Zinsen nach oben korrigiert werden. Dabei hat sich die Behörde in der Vergangenheit eher kulant gezeigt. Die für 2004 geplante radikale Öffnung des britischen Briefmarktes wurde nach Protesten von Royal Mail bis zum Jahr 2007 verschoben.

Sehr zum Ärger der ausländischen Konkurrenten, die auf die Insel drängen. Seit Januar haben die britische Hays-Gruppe sowie die niederländische Post-Tochter TNT eine Lizenz für Sendungen von 100 bis 350 Gramm. Auch die Deutsche Post AG will eine langfristige Brieflizenz für Großbritannien. Die Deutschen sind bereits Teilhaber an der Securicor Omega Express und planen den Anteil auf 100 % aufzustocken. Dies soll wohl nicht vor 2005 geschehen - aber noch rechtzeitig vor der Marktöffnung im Briefverkehr.

Druck bekommt der britische Postriese auch von den Kunden. Viele sind verärgert über den schlechten und ausgedünnten Service. 3 000 Poststellen werden geschlossen, die zweite Zustellung am Tag abgeschafft, die Gebühr für die Postleitzahlen-Auskunft drastisch erhöht. Der Plan, für die Zustellung vor 9 Uhr morgens eine saftige Gebühr zu verlangen, wurde jedoch schnell gestoppt. Für Wirbel sorgte auch der 2001 teuer zugelegte Kunstname "Consignia", der soeben wieder teuer eingestampft wurde.

Nur zähneknirschend stimmt da die Verbraucherorganisation "PostWatch" dem Penny mehr zu. Das bringt Royal Mail über drei Jahre eine zusätzliche Einnahme von 570 Mill. £. Dies sei aber genug Hilfe der Kunden, meint Post Watch. Das Management solle lieber Kosten senken und den Service verbessern.

Das strebt Chairman Leighton an. Er will 32 000 der 200 000 Arbeitsplätze streichen, das Netz der 17 500 Poststellen ausdünnen und das Internet stärker nutzen. Investiert werden soll auch in die veralteten Verteilanlagen der Royal Mail, damit die 82 Mill. Briefe am Tag nicht mehr per Hand sortiert werden.

Doch das alles kostet Geld. Insgesamt werden für den Umbau des Konzerns 2,4 Mrd. £ veranschlagt. Wie das bei einem Jahresverlust von zuletzt 1,1 Mr. £ finanziert werden soll, ist selbst Experten schleierhaft. Die Regierung hat ebenfalls mit Krediten über 1 Mrd. £ ausgeholfen - mehr gehe nicht.

Fußballfan Leighton hat nun den 39-jährigen Adam Crozier als neuen Chief Executive verpflichtet. Der neue Postchef war zuletzt Boss des britischen Fußballverbandes und soll für frischen Wind bei der britischen Post sorgen. Eine Einigung mit der Aufsichtsbehörde wäre ein rettender Einstand.

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