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25.05.2000

20:45 Uhr

Neuordnung im Inland und Sanierung der Umwelttechnik soll die Ertragskraft steigern

Bilfinger strebt zur Heiztechnik – mit oder ohne Buderus

Nach dem Turn-around des vergangenen Jahres erwartet der Baukonzern Bilfinger + Berger weitere deutliche Ertragsfortschritte. Die Börse zeigt sich davon jedoch unbeeindruckt.

shf MANNHEIM. Um die Abhängigkeit vom volatilen Baugeschäft zu mindern, strebt die Bilfinger + Berger-Gruppe (B+B) den Aufbau eines weiteren Geschäftsfeldes an. Die Heiztechnik sei dabei eine Option, erklärte Vorstandsvorsitzender Herbert Bodner. Welche Absichten B+B bei ihrer Minderheitsbeteiligung Buderus verfolgt, ließ er weiter offen. Es gebe Alternativen zu Buderus und konkrete Gespräche führe man derzeit nicht.

Bilfinger ist bereits mit 27 % bei dem Heizungshersteller Buderus beteiligt und hat vor kurzem durch Verkauf der Kanalgussaktivitäten ihrer Tochter Passavant die kartellrechtlichen Auflagen für eine weitere Erhöhung der Beteiligung erfüllt. Einem stärkeren Engagement bei dem Wetzlarer Unternehmen steht jedoch zum einen die eher ablehnende Haltung des Buderus-Managements entgegen, zum anderen die relativ niedrige Bewertung von Bilfinger + Berger. Denn der Mannheimer Baukonzern wird mit einem Börsenwert von rund 570 Mill. Euro derzeit ein Zehntel unter Buchwert gehandelt und damit nur halb so hoch bewertet wie Buderus. Gestern legte der Bilfinger-Kurs um 0,6 % auf rund 16 Euro zu.

Bodner sieht den Konzern völlig zu Unrecht unter den perspektivlosen Vertretern der "Old Economy" eingeordnet. Tatsächlich ist Bilfinger nach dem hohen Verlust des vorangegangenen Jahres bereits 1999 wieder nachhaltig in die Gewinnzone zurückgekehrt. Für das laufende Jahr prognostiziert der B+B-Vorstand bei leicht rückläufiger Konzernleistung von 8,4 Mrd. DM einen weiteren Anstieg der operativen Erträge von 3 auf 25 Mill. DM und eine Steigerung des Nettogewinns um ein Drittel auf 55 bis 60 Mill. DM. In den kommenden Jahren soll es weiter nach oben gehen.

Wenig Hilfe leistet dazu die Konjunktur. Die Baunachfrage bleibt nach den Worten Bodners im Inland schwach und kühlt in den USA leicht ab. Lediglich das Geschäft in Nigeria und Asien verspricht Zuwächse. Im April verbuchte B+B unter anderem einen 1,3 Mrd. DM schweren Großauftrag zum Bau einer Schnellbahnstrecke in Taiwan.

Bessere Erträge erwartet Bodner vor allem aus der Sanierung von Schwachstellen, so insbesondere in den defizitären Sparten Umwelttechnik und Baustoffe sowie bei den Auslandstöchtern in Frankreich und Polen. Rund 30 Mill. DM Kostenentlastung soll eine Neuordnung der inländischen Bauaktivitäten bringen. Dem Wechsel von einer regionalen zu einer Spartenorganisation werden rund 300 Arbeitsplätze zum Opfer fallen.

Bilfinger werde sich von einem "ausführungsgeprägten" Bauunternehmen zu einem Dienstleister rund ums Bauen entwickeln, beschreibt Bodner seine Strategie. Erweitern will er vor allem das Engagement bei Betreibermodellen und in der Projektentwicklung. In einem Joint Venture mit ABB und der Mannheimer MVV will B+B außerdem im Wasser- und Abwassergeschäft Fuß fassen.

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