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23.01.2001

10:51 Uhr

afp WASHINGTON/SANTIAGO DE CHILE. Der chilenische Ex-Diktator Augusto Pinochet ist Angaben eines medizinischen Gutachters zufolge verhandlungsfähig. Der attestierte Altersschwachsinn hindere den 85-Jährigen nicht daran, sich seiner juristischen Verantwortung zu stellen, sagte der Neurologe Luis Fornazzari am Montag (Ortszeit). Insbesondere das für den Prozess relevante Langzeitgedächtnis Pinochets sei intakt. Pinochet soll am Dienstag erstmals in seiner Heimat zu Menschenrechtsverbrechen während seiner 17-jährigen Gewaltherrschaft verhört werden.



Das medizinische Gutachten an das Gericht sei nachträglich verändert worden, ergänzte Fornazzari. Er habe dem Richter Juan Guzmán Tapía daher seinen eigenen, vom offiziellen Gutachten abweichenden Bericht übergeben. Das offizielle Bulletin werde er wegen der Einstufung von Pinochets Demenz als "mittelschwer" nicht unterzeichnen, fügte Fornazzari hinzu. Der Grad der Erkrankung sei allenfalls "leicht bis mittelschwer". Ein Sohn Pinochets, Augusto Pinochet Hiriart, sagte unterdessen, sein Vater sei "nicht richtig im Kopf" und "krank". Der Ex-Diktator leide unter altersbedingten Problemen. "Wir wollten nie, dass das öffentlich wird", beklagte sich der 55-Jährige. Nach chilenischem Recht kann Demenz zwar zur Aufhebung einer Verurteilung führen, nicht aber zur Unterbrechung eines bereits eingeleiteten Gerichtsverfahrens.



Richter Guzmán will den 85-Jährigen an dessen Wohnsitz in Santiago vernehmen. Er wirft Pinochet vor, "geistiger Urheber" von mehr als 70 Morden im Zusammenhang mit der so genannten Karawane des Todes zu sein. Dabei hatte einen Monat nach dem Militärputsch im Jahr 1973 eine Spezialeinheit der Armee im ganzen Land Oppositionelle ermordet.

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