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02.06.2000

14:30 Uhr

Nicht alle Optionsscheine werden bei Fälligkeit automatisch abgerechnet – Erinnerungs-Service der Banken ist unterschiedlich

Optionsscheine: Laufzeitende kann für Anleger teuer werden

DÜSSELDORF. Als Optionsscheinbesitzer Hartmut G. seinen alten Poststapel durchsah, musste er schlucken. "Sollten Sie bis zum Ende der Laufzeit nicht über Ihre Stücke verfügt haben, verfallen diese", schreibt die Comdirect dem "sehr geehrten Depotkunden". Hartmut G. brach der Schweiß aus, denn der Stichtag war schon längst vorbei und im nächsten Satz stand schwarz auf weiß die Konsequenz: "Unsere Lagerstelle wird diese Urkunden als wertlos ausbuchen." Sollten also das ganze Investment doch noch schief gehen? Immerhin hatte G. den richtigen Riecher gehabt und mit einem SAP-Call der Société Générale (SG) einen beträchtlichen Spekulationsgewinn gesichert. "Die Banken versuchen wohl mit dieser Methode, auch werthaltige Optionsscheine verfallen zu lassen," schimpft der Anleger aus Backnang. Bisher seien die Scheine immer automatisch ausgeübt worden.

Darum geht es: Jeder Optionsschein hat eine bestimmte Laufzeit, an deren Ende Emittent und Besitzer des Scheines miteinander abrechnen. Im Fachjargon spricht man von Ausübung. Ein Beispiel: Besitzt ein Anleger einen Schein, der zum Bezug einer Aktie zum Preis von 50 Euro berechtigt und die Aktie notiert zum Stichtag mit 60 Euro, kann der Besitzer entweder verlangen, die Aktie für 50 Euro zu erhalten oder den Gewinn von 10 Euro in Bar. Die Überweisung des Differenzbetrages ist mittlerweile die gängige Variante.

Zwei Schein-Arten im Umlauf

Es gibt zwei Arten von Scheinen: Bei Papieren mit automatischer Ausübung braucht sich der Anleger um nichts mehr zu kümmern: Am Ende der Laufzeit wird ohne sein Zutun abgerechnet. Bei Scheinen ohne diesen Service muss er allerdings selber aktiv werden und seine Hausbank Bank informieren, dass er seinen Schein ausüben möchte. Und um dieser Variante handelte es sich bei dem Schein von Hartmut G.

Für den Herausgeber (Emittenten) des Scheins, die SG, ist der Fall daher klar. "Rein rechtlich dürfen wir in so einem Fall sagen, tut uns leid, denn wenn der Anleger die Frist verpasst, ist das allein sein Fehler", sagt Esther Benamou aus der Optionsscheinabteilung. "Doch in den allermeisten Fällen sind wir kulant und schreiben den Wert des Scheins auch noch später gut." So auch bei Hartmut G., der den Gegenwert seiner Papiere doch noch erhielt. Olav Blasberg vom Branchenführer Citibank findet daran nichts besonderes: "Für uns gehört diese Kulanz zum Kundenservice. Kein Emittent kann es sich heute leisten, werthaltige Scheine einfach verfallen zu lassen."

Für Anleger heißt es trotzdem: aufgepasst! Wer einen Schein ohne automatische Ausübung besitzt, muss seine Depotbank vor Laufzeitende rechtzeitig informieren, dass er seine Optionsrecht auch nutzen will. Sonst kann er nur auf das Wohlwollen des Emittenten hoffen - und davon sollte sich niemand abhängig machen. In der Regel informieren die Depotbanken vier Wochen vor Ablauf des Scheins über das bevorstehende Fristende.

Service ist unterschiedlich

Häuser mit gutem Service haken sogar nach, wenn ein Anleger sich kurz vor Ablauf der Frist noch nicht gemeldet hat. Doch auch darauf kann sich niemand verlassen. Thorsten Michalik vom Optionsschein Emittenten UBS-Warburg hat sogar festgestellt, dass manche Banken ihre Kunden gar nicht informieren: "Das ist schlechter Service." Besonders häufig gebe es Ärger bei Kunden von Direktbanken. Das Problem taucht allerdings immer seltener auf: Papiere ohne automatische Ausübung werden kaum noch aufgelegt. So gibt die SG etwas seit August 1999 nur noch Automatik-Scheine heraus. Lediglich die Citibank emittiert nur Scheine ohne diesen Service. Dies begründet sie mit ihrer europaweiten Tätigkeit, die so einfacher werde.

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