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27.03.2003

12:54 Uhr

Nichts Konkretes zu Swisscom und Mobiltel

TA will 2003 weiter leicht zulegen

Die Telekom Austria AG (TA) hat für das laufende Geschäftsjahr eine weitere leichte Verbesserung bei Umsatz und operativem Ergebnis in Aussicht gestellt und will den Aktionären für das Jahr 2003 eine Dividende zahlen.

Reuters WIEN. Zugeknöpft gibt sich das Management in Bezug auf mögliche Zukäufe - etwa die bulgarische Mobiltel bzw. Veränderungen in der Aktionärsstruktur. Extrem vorsichtig wolle man die Expansion vorantreiben und ob sich die Swisscom wie oftmals in Medien kolportiert bei der TA einkaufen werde, kommentiere er nicht, sagte TA-Generaldirektor Heinz Stundt am Donnerstag.

Die für 2002 vorgelegten Zahlen liegen bis auf das Ergebnis nach Steuern in den Erwartungen. Der österreichische Marktführer im Festnetz- und Mobilfunkgeschäft sowie im Internet hat 2002 einen Umsatz von 3,908 (rev. 3,859) Milliarden Euro erzielt und das Betriebsergebnis vor Abschreibungen und Amortisation (EBITDA) auf 1514,8 (1474,8) Millionen Euro gesteigert. Das Konzernnettoergebnis wurde von der TA am Donnerstag mit plus 12,8 (minus 104,6) Millionen Euro angegeben.

Das EBITDA ist ohne die Kosten für freigestellte Mitarbeiter zu verstehen. Der Umsatz 2001 sei wegen neuer, nicht auf das Ergebnis wirkende Verrechnungsregeln der Rundfunkbehörde von 3,94 auf 3,859 Milliarden Euro revidiert worden.

An der Wiener Börse haben TA mit dem Markt auf 9,37 (9,44) Euro nachgegeben. Seit Jänner liegt die Aktie rund 2,6 Prozent verloren, während der Eurostoxx Telecom-Index 2,9 verloren hat.

Getragen wurde das Wachstum wieder durch die Mobiltelefonie, während Umsätze und Erträge im Festnetzbereich rückläufig waren. Der Internet-Bereich ist bei steigendem Umsatz defizitär, heißt es in einer Aussendung vom Donnerstag.

Im Festnetzbereich will die TA den Marktanteil - 55,3 (56,2) Prozent in der Sprachtelefonie inklusive Interneteinwählverkehr - halten. Auch die Umsätze und der Ertrag sollen stabilisiert werden.

Für den Mobilfunkbereich erwartet Vorstand Boris Nemsic eine Intensivierung des Wettbewerbes. Neue Anbieter würden mit UMTS (Universal Mobile Telecommunication System) in den Markt treten. Mobilkom wolle mit A1 aber ihren Marktanteil in Österreich von 44,4 (42,8) behaupten. Ähnliches gilt auch für Kroatien, wo die Tochter VIPNet einen Marktanteil von 48,2 Prozent hat. Die Auktion einer UMTS-Lizenz könnte einen dritten Anbieter in Kroatien bringen, sagte Nemsic.

Im Mobilfunkbereich betreut die TA drei Millionen Kunden in Österreich, mit VIPNet und der slowenischen SI.Mobil gut vier Millionen Kunden. Bei einem Umsatz von 1,909 (1,713) Milliarden Euro wurde ein EBITDA von 660,9 (571,3) Millionen Euro erzielt. Insgesamt sollte es daher möglich sein, Umsatz und Ertrag zu steigern, wenngleich sich das Wachstumstempo verringern werde, sagte Sundt.

Im Segment Datenkommunikation wurden 330,0 (330,2) Millionen Euro umgesetzt und ein EBITDA von 46,6 (54,7) Millionen Euro erwirtschaftet.

Für das Internet gibt die TA in ihrer Aussendung einen Umsatz von 119,6 (99,5) Millionen Euro und ein EBITDA von minus 13,4 (minus 20,1) Millionen Euro an. Das Internet werde auch in den nächsten Jahren ein "Investitionsgeschäft" bleiben, sagte Sundt, Geld sei vorerst nicht damit zu verdienen. Für Czech Online hat die TA heuer weitere 40,4 Millionen Euro nach 120 Millionen Euro im Jahr 2001 abgeschrieben.

Die versprochene Dividende will Sundt erstmals im Jahr 2004 für das vorgegangene Jahr zahlen. Finanzchef Stefano Colombo sagte, eine Ausschüttungsquote von 50 Prozent sei vorgesehen.

"Wir werden 2003 ein Nettoergebnis erwirtschaften, das für eine Dividende ausreichen wird", sagte Colombo. Angaben zum für 2003 erwarteten Nettoergebnis wurden nicht gemacht.

Merrill Lynch erwartet eine Dividende von sechs Cent, die Erste Bank eine von 13 Cent. BNP Paribas rechnet mit zehn Cent.

Die TA, die im Frühjahr 2002 die restlichen Anteile an der Mobilkom Austria von der Telecom Italia um 693,1 Millionen Euro gekauft hat, weist für das Jahresende 2002 eine Nettoverschuldung von 3,204 Milliarden Euro auf, was einem Rückgang um 77,9 Millionen Euro entspricht.

Die TA will weiter Personal abbauen. Nach einem Abbau von 1788 Stellen in allen Bereichen, vor allem aber im Festnetz, wurden per Jahresende 2002 14.951 Mitarbeiter beschäftigt. Sundt sagte, 2003 sollen weitere 500 Mitarbeiter abgebaut werden.

Nichts Konkretes zu Swisscom und Mobiltel

"Erwarten sie von mir nicht, dass ich ihnen ein konkretes Statement gebe. Das würde den Eigentümer präjudizieren", sagte Sundt zu Swisscom. Der Vorstand der TA führe keine Gespräche mit Swisscom.

Diese Vorsicht läßt Sundt auch für Fragen nach Zukäufen walten. "Unsere strategischen Ziele sind bekannt. Wir haben immer gesagt, dass wir in der Region Südosteuropa expandieren wollen. Grundsätzlich hat Mobiltel also Bedeutung für uns. Es gibt aber keine Verhandlungen", sagte Sundt auf die Frage einer Beteiligung am größten bulgarischen Mobilfunkbetreiber Mobiltel. Eine wesentliche Frage für Zukäufe sei die der Finanzierung. TA habe sich das Ziel gesetzt, die Nettoverschuldungsrate auf 120 Prozent zu senken. Das habe man den Investoren kommuniziert und müsse in einem Entscheidungsprozess auch berücksichtigt werden.

Ein Zukauf verändere die Kapitalstruktur. In welcher Art und Weise sich die Verschuldung ändere, Teile der Akquisition über den free cash flow finanziert werden könnten oder ob eventuell der Zukauf mit einer Kapitalerhöhung verbunden wäre, müsste sorgfältig geklärt werden, sagte Sundt.

"Das Nettoergebnis ist ein bisschen enttäuschend", sagte Konrad Sveceny, Analyst der Ersten Bank der oesterreichischen Sparkassen AG. Die TA sei offenbar aggressiver beim Abschreiben geworden, so Sveceny. Generell sei die TA aber, verglichen mit anderen im Sektor, in einer guten Lage.

Sveceny sieht die TA nicht in der Position, über eine größere Akquisiton nachzudenken, etwa an der Privatisierung der Cesky Telecom teilzunehmen.

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