Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

28.01.2003

20:11 Uhr

Niederlassungen werden konzentriert

Bilfinger Berger baut den Konzern um

VonAxel Granzow und Jens Koenen (Handelsblatt)

Bilfinger-Chef Bodner glaubt vorläufig nicht an eine Erholung der deutschen Baukonjunktur. Er sieht im Gegensatz zu Bauverbandspräsident Ignaz Walter auch kein Licht am Ende des Tunnels. Bilfinger rüstet sich daher mit schlankeren Strukturen und einem Stellenabbau für die nächsten schwierigen Monate.

MANNHEIM. Der Baukonzern Bilfinger Berger will sein Inlandsgeschäft straffen und Arbeitsplätze abbauen. "Wir arbeiten an einer Reorganisation unserer inländischen Niederlassungen im Hochbau", sagte Vorstandschef Herbert Bodner im Gespräch mit dem Handelsblatt. Ziel sei es, von den aktuell 17 Niederlassungen in Deutschland "mindestens drei durch Zusammenlegen einzusparen". Gleichzeitig soll die Sparte Ingenieurbau organisatorisch mit dem Auslandsbau zusammengelegt werden.

Bodner verspricht sich von dem Umbau eine verbesserte Wettbewerbsfähigkeit: "Die Reorganisation ist nicht in erster Linie vom Kostensparen getrieben. Aber natürlich wird dies auch ein Effekt sein." Wie viele Arbeitsplätze konkret verloren gehen werden, wollte Bodner noch nicht sagen. Branchenkenner rechnen aber damit, dass von den Spar- und Umbaumaßnahmen einige hundert Arbeitsplätze betroffen sind.

Der nach der Essener Hochtief zweitgrößte deutsche Baukonzern reagiert damit auf die anhaltende Marktschwäche im Inland. Die deutsche Bauwirtschaft steht 2003 vor ihrem achten Rezessionsjahr in Folge. Nach einem Minus von über 5 % rechnet die Branche im laufenden Jahr mit einem Umsatzrückgang um knapp 4 %. Weitere Unternehmen und noch mehr Jobs dürften deshalb auf der Strecke bleiben. Der Hauptverband der Deutschen Bauwirtschaft rechnet in diesem Jahr mit einem Verlust von 40 000 Stellen im Baugewerbe. So hat auch der Wiesbadener Zementkonzern Dyckerhoff vor wenigen Tagen den Abbau von Arbeitsplätzen angekündigt. "Zur Wiederherstellung der Profitabilität des deutschen Zementgeschäfts" sollen 400 Stellen wegfallen.

"Ich kann das Licht am Ende des Tunnels nicht erkennen", sagt Bodner. Auch 2004 rechne er eher nicht mit einem Aufschwung. Der Bilfinger-Chef reagierte damit auf den nach seiner Auffassung übertriebenen Optimismus von Bauverbandspräsident Ignaz Walter. Dieser hatte nach Gesprächen mit Bundeskanzler Gerhard Schröder erste Anzeichen für eine Trendwende in der Investitionspolitik der öffentlichen Hand ausgemacht. Zwar werde immer klarer, wie nötig weitere Investitionen in Straßen, Schulen und öffentliche Einrichtungen seien. Doch mit einem staatlichen Konjunkturprogramm für den Bau rechne er nicht.

Wegen der Nachfrageschwäche im Inland konzentriert sich der Mannheimer Baukonzern nur auf ausgewählte Projekte. Bislang geht die Strategie auf. "Wir haben im Inland sowohl im Hoch- als auch im Ingenieurbau im vergangenen Jahr schwarze Zahlen geschrieben", sagte Bodner. Das Ziel, die Bauleistung im Jahr 2002 von 4,6 Mrd. auf rund 4,9 Mrd. Euro zu steigern, sei erreicht worden. Das gelte auch für den Gewinn, der bei etwa 60 Mill. Euro (bereinigt um den Verkauf eines Dresdner-Bank-Pakets) liegen soll. 2003 ist weiteres Wachstum geplant. "Wir peilen einen Umsatz von über fünf Milliarden Euro Euro an", sagte Bodner. Auch beim Ergebnis wollen die Mannheimer zulegen.

Damit zählt der Bilfinger-Chef zu den wenigen Managern, die angesichts des drohenden Irak-Kriegs eine Prognose wagen. Ein Krieg würde den Baukonzern nach Einschätzung Bodners nur indirekt treffen. Da Bilfinger in Nigeria stark engagiert ist, könnte die Krise sogar von Vorteil für den Konzern sein: Hier sind Projekte vom Ölpreis abhängig. "Angesichts der Kriegsgefahr rücken die westafrikanischen Ölquellen stark in den Fokus. Es ist möglich, dass das Impulse für unser Geschäft liefert."

Das Ausland wird für den Baukonzern immer wichtiger. Zwar stagnierte hier die Bauleistung in den ersten neun Monaten 2002. "Daran hat sich bis Jahresende auch nichts geändert", sagte Bodner. Dennoch bleibt er zuversichtlich: "Wir sind mit solidem Auftragsbestand ins neue Jahr gegangen."

Eine zweite wichtige Säule ist das Dienstleistungsgeschäft, das höhere Renditen als der klassische Bau aufweist. Bodner möchte den Anteil der Dienstleistungen an der Konzernleistung auf 20 % steigern, beim Ergebnis sogar auf ein Drittel. "Dieses ursprünglich für 2004 formulierte Ziel werden wir wahrscheinlich schon Ende diesen Jahres erreichen", zeigte sich Bodner zuversichtlich.

Nach den Übernahmen im vergangenen Jahr sind in der Dienstleistungssparte vorläufig keine größeren Zukäufe geplant. Dagegen bleibt ein amerikanisches Bau-Unternehmen auf der Wunschliste. Allerdings will Bodner keinen Zeitrahmen für Zukäufe nennen. "Wir haben uns in der letzten Zeit sicherlich 15 Firmen angeschaut, keine davon genügte unseren Anforderungen."

Die Finanzierung einer Transaktion ist kein Problem. Bilfinger stehen 150 bis 200 Mill. Euro als freie Mittel zur Verfügung. Zudem könnten die Mannheimer ihr 30-prozentiges Buderus-Paket verkaufen.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×