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24.03.2003

17:43 Uhr

Nigeria-Krise verunsichert Händler zusätzlich

Ölpreis steigt über 25 Dollar

Unerwartet heftige Gegenwehr der irakischen Armee und andauernde Unruhen in südnigerianischen Ölfördergebieten haben den Ölpreis am Montag wieder über die 25-Dollar-Marke getrieben. Das Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent mit Liefertermin im Mai verteuerte sich bis zum Nachmittag um 5,7 % auf 25,75 Dollar.

HB/dpa LONDON/ABUJA. Das Tageshoch lag bis 17.30 Uhr bei 25,80 Dollar, nachdem das Öl am Freitag auf ein Vier-Monats-Tief abgesackt war. An den deutschen Zapfsäulen fielen die Benzinpreise.

Für den erneuten Ölpreisanstieg machten Händler die andauernden Kämpfe im Irak verantwortlich. Am New Yorker Warenterminmarkt Nymex legte Rohöl zur Maiauslieferung deutlich um 1,14 Dollar auf 28,05 Dollar zu. In der vergangenen Woche war der Ölpreis um rund ein Fünftel eingebrochen, da die Ölhändler mit einem "perfekten Kriegsverlauf" gerechnet hatten.

"Durch die Komplikationen (im Irak) ist das Risiko für weitere Preissteigerungen beim Rohöl wieder gestiegen", sagte Jon Rigby von der Commerzbank. Dem widersprach die Analystin Tessa Kohn-Speyer von der britischen Barclays Private Bank in London: "Der Krieg wurde letzte Woche eingepreist, heute hat er nur sehr wenig Einfluss." Entscheidend seien vielmehr Probleme in Nigeria.

Wegen der Kämpfe der Stämme Ijaw und Itsekiri mit der nigerianischen Armee haben mehrere Ölfirmen ihre Förderarbeit im Nigerdelta eingestellt. ChevronTexaco, die Royal Dutch/Shell Group und die französische Total Fina Elf zogen ihre Beschäftigten ab. Mehr als ein Drittel der Ölförderung liegt still. Nigeria ist mit 2,2 Mill. Barrel pro Tag laut US-Wirtschaftsagentur "Bloomberg" der weltweit siebtgrößte Ölproduzent. Die ursprünglich gegeneinander gerichteten Aggressionen der beiden Stämme zielen zunehmend auf die Ölfirmen ab. Die Ijaw und Itsekiri fordern eine gerechtere Verteilung der Ölerlöse.

An den Tankstellen in Deutschland wirkten sich am Montag noch die gesunkenen Ölpreise der Vorwoche aus. Seit Anfang vergangener Woche verbilligte sich der Liter Benzin für alle Sorten nach Angaben von Mineralölkonzernen um vier Cent. Normalbenzin kostete im bundesweiten Durchschnitt 1,09 ? je Liter, Super 1,11 ? und Diesel 95 Cent.

In der Vorwoche ist auch der Preis für Öl der Organisation Erdöl exportierender Länder (Opec) abgesackt. Nach Angaben vom Montag sank der Preis für ein Barrel Opec-Öl im Durchschnitt der vergangenen Woche auf 28,42 Dollar gegenüber 32,72 Dollar. Am Freitag habe der Tagespreis im Schnitt nur noch 24,81 Dollar betragen.

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