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01.02.2003

12:01 Uhr

Noch genug Ware auf dem Markt

Alte Bücher laufen Aktien den Rang ab

Der Einbruch an den Börsen kann die Händler von alten wertvollen Büchern und Grafiken nicht schrecken. "Es gibt immer Menschen, die genug Geld für antiquarische Bücher haben, und unsere Kundschaft weiß auch, dass wertvolle Bücher weiter im Wert steigen", sagte Beate Valentin am Freitag in Stuttgart zur Eröffnung der 42. Stuttgarter Antiquariatsmesse. Sie ist die Sprecherin der renommierten Verkaufsschau für bibliophile Raritäten und alte Grafik.

HB/dpa STUTTGART. Die 95 in Stuttgart versammelten Antiquare haben keine Angst vor der aktuellen Konjunkturlage. Ein Indiz dafür ist auch, dass der Andrang der Aussteller noch nie so groß war wie diesmal. Stuttgart präsentiert das gesamte Spektrum des klassischen Antiquariatshandels: Wertvolle Bücher, Autografen, illustrierte Werke und Grafik. Die Liebe der Sammler zu alten Büchern sieht der Verband Deutscher Antiquare ungebrochen. Die Buchauktionen der vergangenen Monate hätten die Händler nicht enttäuscht, hieß es einstimmig.

"Bei der Börse verliert man derzeit kräftig, mit wertvollen Büchern ist man weiter auf der Gewinnerseite", meinten mehrere Händler. Auch die Neuen Medien haben der Liebe zum alten Buch keinen Abbruch getan. "Wir merken jetzt schon, dass junge Leute, die permanent vor dem PC sitzen, gerade in alten Büchern ein Kontrastprogramm suchen", berichtete Götz Kocher-Benzing vom Stuttgarter Antiquariat. Deshalb werde es immer genügend Käufer- Nachwuchs geben, wird im Verband Deutscher Antiquare gemutmaßt.

"Es gibt auch weiterhin genug Ware", urteilte Kocher-Benzing. Auch wenn die riesigen Bestände aus der früheren DDR geschrumpft seien, so lägen doch noch viele bibliophile Raritäten quer durch Europa bei Privatleuten, sagte ein Hamburger Händler. Stuttgart biete einen "Super-Querschnitt" durch das gehobene Antiquariat, konstatierte Valentin. Bei Grafik sei das breite Spektrum von Albrecht Dürer bis HAP Grieshaber zu haben.

Sorge bereitet den Stuttgarter Ausstellern, dass sich Bibliotheken, wissenschaftliche Einrichtungen und staatliche Sammlungen durch die schlechte Finanzlage der öffentlichen Hand kaum noch auf der Stuttgarter Antiquariatsmesse eindecken. Hier hoffen die Antiquare auf die Stiftungen der Wirtschaft.

Offiziell sprechen die 95 Aussteller nicht über den Gesamtwert ihres Angebots, die angebotenen Werke dürften aber mehr als 120 Mill. Euro wert sein. Im "Jahr der Bibel" lockt die Messe mit einem sehr seltenen Exemplar: Neben den Stundenbüchern und Werken aus Klöstern ist diesmal eine Blockbuchausgabe der Biblia pauperum das wertvollste Verkaufsstück. Für 1,75 Mill. Euro ist die 1464 in Süddeutschland gedruckte Bibel zu haben. Es soll das einzige in Privathand verbliebene Exemplar dieser Blockbuchausgabe sein, von der nur drei komplette Exemplare bekannt sind.

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